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Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Die Leichtigkeit suchen

Gepostet von am Juli 2, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 3 Kommentare

Die Leichtigkeit suchen

Ich neige dazu, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, sprich: Widerstände provozieren mich dazu, noch mehr Einsatz zu zeigen, nach dem Motto: Das muss doch gehen! Dass das nicht immer sinnvoll, sondern oft vor allem schmerzhaft ist, habe ich langsam begriffen.

Inzwischen glaube ich ich darüber hinaus auch zu erkennen, dass mein Weg vor allem Richtung Leichtigkeit gehen soll. Damit meine ich nicht Seichtheit oder Oberflächlichkeit, es gehören sehr wohl Tiefe und auch Schwierigkeiten zu meinem Leben, aber immer dann, wenn ich etwas zu erzwingen versuche, komme ich nicht weiter.

Im Kleinen ist das z.B. die Arbeit an einem bestimmten Projekt, das einfach noch nicht reif ist und bei dem ich nicht weiterkomme, so sehr ich mich auch zu pushen versuche. Oder das Schreiben eines Textes, bei dem es nicht fließen will, weil ich den Kern noch nicht gefunden habe. Da nutzt es nichts, mich dazu zu verdonnern, ihn nun endlich zu Ende zu schreiben, es wird eh nichts. Dafür fließt er dann in einigen Tagen in wenigen Minuten.

Im Großen waren es in der Vergangenheit Veränderungen, die ich aufzuhalten versuche, daran aber scheitern muss, da sie unaufhaltsam oder schlicht und einfach nicht kontrollierbar waren. Oder es waren Ziele, die ich mir gesetzt habe, die aber nicht wirklich meine waren. Die Wege, die ich da beschritten bin, waren unendlich mühsam und haben so viel gekostet. Viel zu viel.

Ganz anders ist es, wenn ich bei mir und damit auf dem für mich richtigen Weg bin. Dann fließt alles – ich, die Energie, das Leben.  

Es ist, als ob mir das Leben immer wieder zuruft: „Such die Leichtigkeit und folge ihr.“ Wenn ich das tue, wird das Leben zum Tanz. Dann fügen sich vorher so sperrige Teile ganz weich in einander und es kommen von außen Elemente dazu, die das Bild immer stimmiger machen. Dann weiß ich genau, was meins ist, dann spüre ich, was der nächste Schritt sein muss und dann kann ich das, was mir oft noch so schwer fällt: vertrauen. 

Stolpern…

Gepostet von am Juni 28, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 7 Kommentare

Stolpern…

Immer wieder komme ich ins Trudeln. Ich verliere meinen festen Stand und stolpere unerwartet über etwas, das ich nicht gesehen oder erwartet habe. Manchmal strauchle ich nur, manchmal falle ich auch. In jedem Fall komme ich aus dem Tritt. 

Und ich denke, das ist gut so. 

Gut, weil es mich wach hält. Weil es verhindert, dass ich heimlich, still und leise und unbemerkt (vor allem von mir selbst) wieder an alten Strukturen baue. Strukturen, die für Sicherheit und Stabilität sorgen sollen, Netze und Gerüste, Fundamente und Stützpfeiler. Ich weiß genau, was daraus wird: Fassaden und Mauern. Und ich weiß auch, wie es sich anfühlt, dahinter zu leben und dass ich das nicht mehr will. Aber immer wieder bin ich dabei, sie zu errichten, statt mich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen, von dem ich doch inzwischen weiß, dass er gut ist. 

Ich bin mir nicht sicher, ob man solche Grundtendenzen in sich auflösen oder ablegen kann. Vielleicht eher nicht. Aber ich glaube, dass man mit mehr Achtsamkeit sie erkennen kann. Ich stolpere inzwischen immer dann, wenn ich auf dem falschen Weg bin. Eine blutiges Knie oder ein angestoßener Kopf sind untrügliche Zeichen dafür, dass ich mal wieder etwas wollte, das nicht gut für mich ist. 

Und so versuche ich mich auszusöhnen mit den Gleichgewichtsverlusten und versuche das Gefühl des Fallens zu umarmen. Immerhin heißt Stolpern, dass ich in Bewegung bin und alles ist besser, als der Stillstand, für den etwas in mir wieder sorgen will. Und so stolpere ich eben, wenn ich gerade nicht fliegen kann. 

Für mich einstehen?!

Gepostet von am Juni 25, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich und andere | 4 Kommentare

Für mich einstehen?!

Nachdem ich das Nehmen und das Geben für mich beleuchtet habe, stieß ich nach einigen Tagen auf eine weitere Facette des Komplexes „Gut für sich sorgen“, die wohl unmittelbar mit den beiden anderen zusammenhängt:

Was tue ich, wenn mir Leute etwas geben wollen, das ich nicht will oder wenn ich spüre, dass andere etwas erwarten oder fordern, das ich aber nicht geben will? Dann muss ich das kleine Zauberwort „Nein“ lernen, dann muss ich Grenzen setzen und dann muss ich bereit sein, für mich einzustehen. 

Nein, das ist nichts Neues und klar, das wissen wir alle. Aber zumindest bei mir gibt es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissen und Tun. 

Interessanterweise dürften mich viele in der Vergangenheit für einen recht kämpferischen Menschen gehalten haben, jemand, der sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt, eine Person, die weiß was sie will und sich durchsetzen kann. Ja, so wirkte ich.

Tatsächlich aber stand ich leider gerade nicht für MICH ein. Vielmehr verkaufte ich mich im Rahmen von Deals, die ich unbewusst formulierte, und forderte dann die erwarteten Gegenleistungen ein und pochte auf mein gutes Recht. Darin war ich stark und, klar, so wirkte ich wie jemand, der durchaus für sich sorgte. Tatsächlich aber versuchte ich, mein Sein einzutauschen gegen Dinge, die ich unbedingt wollte: Sicherheit, Vertrautes, Bestand, Kontrolle. Ich verkaufte dabei nicht nur mich, sondern auch anderes, was mir wichtig war und ja, ich bekam viel dafür – nur nicht das, was ich wirklich brauchte … 

Heute versuche ich sehr achtsam für das zu sein, was ich mir wünsche und was ich will, um zu ergründen, WARUM ich mir das wünsche und warum ich etwas will. Was steckt dahinter? Was erhoffe ich mir? Was versuche ich zu erreichen? Um was geht es wirklich?

Diese Fragen führen mich dorthin, wo es mir noch immer schwerfällt, hinzugehen: zu meiner Bedürftigkeit. 

Je besser ich aber meine zugrundeliegenden Bedürfnisse erkenne, akzeptiere und verstehe, desto eher durchschaue ich faule Deals, die ich machen will und desto bewusster wird mir, wenn ich mal wieder nicht für mich einstehe, um z.B. um eine Beziehungen nicht zu gefährden oder um jemanden nicht zu enttäuschen o.ä. Wenn ich mich mal wieder verstecke, zurückziehe und potentiellen Konflikten ausweiche. Wenn ich Rechnungen aufstelle und daraus Forderungen ableite.

Erst in der Nähe mit mir und mit der Bereitschaft zu spüren, worum es mir eigentlich geht, schaffe ich es inzwischen immer öfter in kleinen Schritten, WIRKLICH für mich einzustehen, für das, worum es tatsächlich geht.

Das Bild für diesen Beitrag  zeigt absichtlich einen Ritter, denn früher dachte ich, es würde darum gehen, für mich kämpfen zu müssen. Aber ich mache nun eine ganz neue Erfahrung: dass es nämlich bei all dem viel weniger um einen Kampf geht, als darum, mich zu öffnen und zu zeigen – erst mir selbst und dann auch anderen. Und dafür muss ich immer wieder meine Rüstung ablegen.

Fühlen

Gepostet von am Juni 22, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 1 Kommentar

Fühlen

Gefühle. Fühlen. Tief und intensiv, breit und bunt, in allen Facetten und Schattierungen, in allen Farben und Formen. Ich schrieb neulich schon darüber, dass das Fühlen für mich die Essenz von Leben ist. Fühlen, aber auch Gefühle auszudrücken. Denn eigentlich mache ich mit ganz vielen Aspekten meiner Arbeit nichts anderes! 

Ich schreibe über das, was mich bewegt, über das was ich fühle. Ich versuche Bilder zu finden, um das zu benennen, was in mir ist. Wenn ich male, ist das Gefühl pur. Der Verstand hat da gar nichts mehr zu melden. Jeder Pinselstrich ist ausgedrücktes Gefühl. Und auch mein Fotografieren hat zum Ziel, dass ich ausdrücken kann, was ich empfinde. Ich will eine Blume nicht nur abbilden, sondern mein Ziel ist, zu vermitteln, was ich fühle, wenn ich sie sehe. 

Bei all dem ist aus meiner Sicht gar nicht besonders wichtig, ob dann auch wirklich meine Gefühle beim Leser oder der Betrachterin ankommen. Entscheidend ist für mich, DASS etwas beim anderen passiert, also dass dort Gefühle ausgelöst werden, welche auch immer das dann sind. 

Wieder einmal geht es nicht um „richtig“ oder „falsch“ (also ob ein Bild die richtigen Gefühle auslöst oder ein Text das korrekte Gefühl beschreibt), sondern es geht darum, dass überhaupt etwas ist. Also um das IST, nicht um das WIE. Und genauso betrachte ich auch selbst Bilder, also Fotos, Gemälde und Zeichnungen und genauso lese ich Bücher und Gedichte. Ich möchte berührt und bewegt werden, viel mehr als dass ich wirklich verstehen muss. Ja, manchmal ist das Verstehen hilfreich, um fühlen zu können (z.B. wenn man Hintergründe erfährt, die ein Kunstwerk der einen Text in einen anderen Kontext setzen als ich ihn angenommen habe). Aber vor allem anderen suche ich Gefühle in dem, was mir begegnet.

Manchmal weiß ich nicht mal genau, was ich fühle, wenn ich ein Bild betrachte oder einen Text lese, aber ich weiß genau, DASS ich etwas fühle. Und genauso kann es sein, dass ich manchmal gar nicht weiß, was ich eigentlich genau ausdrücken will, wenn ich male, schreibe oder fotografiere, aber ich spüre beim Tun, OB ich etwas ausdrücke. Und solange ich das spüre, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. 

Ja, wenn ich es mir recht überlege, dann werden Gefühle mehr und mehr zum Wegweiser in meinem Leben. 

Leise Tage

Gepostet von am Juni 19, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir | 2 Kommentare

Leise Tage

Es gibt Tage, die sind etwas Besonderes. Und zwar nicht, weil sie besonders groß oder laut oder auffällig sind, sondern gerade weil sie ganz leise sind. An ihnen gibt es keine großen Aufregungen und auch nichts Spektakuläres  passiert an ihnen; und doch sind sie bedeutungsvoll. Weil sie zutiefst gut tun. Weil sie von Grund auf nähren. Weil sie intensiv bereichern. 

Ich liebe diese leisen Tage ohne Störgeräusche. Weiche, zarte Tage, die sich an mich schmiegen. Tage, in denen keiner brüllen muss, weil alles gehört werden kann. Tage, in denen man sich auch ohne Worte versteht. Tage, in denen durch die Stille ganz viel wachsen und entstehen kann.

Heute weiß ich, dass ich solche Tage einladen und ermöglichen muss. Und zwar in mir selbst und für mich selbst. Und dafür muss ich all das Lärmende freundlich, aber bestimmt ausladen und ganz sanft einen Schutzraum für die Stille und für mich selbst einrichten.

Ganz praktisch heißt das, dass ich mich einigem entziehen muss: meinen Ansprüchen an mich selbst, meinen Erwartungen an mich und dem, was ich tun sollte, meinem inneren Antreiber. Aber auch all den vielen Möglichkeiten für Aktivitäten und den Medien und auch manchen Menschen. Ich muss mich reduzieren auf ganz einfache Dinge, die dadurch plötzlich eine ungeahnte Bedeutung bekommen: die Zubereitung einer Mahlzeit, das Zusammensitzen mit einem Seelenpartner, das Hören von Musik, der Blick aus dem Fenster, der Windhauch in meinem Haar. 

Und wenn ich mich an solchen Tage hinsetze und einfach geschehen lasse, ist es, als ob lauter kleine Wunder erwachen und sich ins Licht trauen, um dort zu schimmern und zu funkeln und zu tanzen. 

Kennen Sie das auch?

Voll im Trend

Gepostet von am Juni 16, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir, Ich und andere | 7 Kommentare

Voll im Trend

Achtsamkeit, wohin man auch schaut: Artikel über das Thema, Tipps und Anregungen, Achtsamkeitsübungen, Achtsamkeitsschulungen, Achtsamkeitsaufgaben… – überall treffe ich auf diesen Begriff.

Ganz klar: Achtsamkeit liegt im Trend. 

Immer wieder spannend, wie solche Schlagwörter auftauchen und irgendwann wieder versanden. Genauso spannend ist zu sehen, was dann alles entwickelt und erfunden und verkauft wird. Und immer wieder wichtig, genau hinzuschauen, wie viel Sinn das für einen selbst macht.

Ich weiß für mich, dass sich Achtsamkeit nicht erzwingen lässt und auch nicht erkaufen. Ich kann mich noch so brav hinsetzen und „achtsam“ sein wollen, ich kann achtsam meine Atemzüge zählen oder achtsam 100 Schritte gehen, aber ob ich dadurch wirklich achtsamer werde, ist eine andere Frage. Was ich sicher nicht brauche, ist ein T-Shirt mit dem Aufdruck Achtsamkeit als Gesinnungsäußerung, kein Achtsamskeitsarmband, keinen Achtsamkeitstee und auch keine besondere Achtsamkeitsmusik oder etwas in der Art. 

Oft denke ich sowieso, wir brauchen meist nicht mehr, sondern weniger. Weniger Kram, der uns ablenkt, weniger Zeug, das herumsteht, weniger von allem, was unsere Aufmerksamkeit will und vor allem weniger an Methoden, Techniken und „How-to-do-Anleitungen“.

Was mich achtsamer werden lässt, ist das Einlassen auf mich selbst. Auf mich und das Leben. Es ist das Bedürfnis, wirklich zu sein, das mich innehalten lässt. Die Bereitschaft zu fühlen und wirklich wahrzunehmen, was ist. 

Trends bringen so manches in den Fokus, das ist gut. Aber es liegt in der Natur von Trends, oberflächlich und kurzlebig zu sein. Achtsamkeit beginnt für mich hinter dem Trend, also da, wo es still ist und wo kaum jemand hinschaut. Wo man nichts kaufen kann, nichts vorzeigen oder erreichen muss. Da, wo man sich selbst trifft.  

Was ich geben kann

Gepostet von am Juni 10, 2014 in Alle Beiträge, Ich und andere | 7 Kommentare

Was ich geben kann

Wenn es darum geht, gut für sich selbst zu sorgen, kommt man relativ schnell auf die Erkenntnis, dass man darauf achten muss, nicht alles anzunehmen, was andere einem geben oder gut für einen halten (s. dazu auch Gut für mich?). Aber genauso wichtig ist es, auch einmal das Geben zu beleuchten. 

Ich hatte über viele, viele Jahre, nie das Gefühl, anderen wirklich etwas geben zu können. Ja, äußerlich habe viel gegeben, viel angeboten, viel produziert, viel geschenkt, aber tief in mir war ich immer unsicher darüber, ob ich wirklich etwas geben kann. Seit ich achtsamer mit mir selbst bin, erkenne ich, dass das wieder einmal etwas mit der Frage zu tun hat, ob ich bei mir bin oder nicht, denn: Ich kann nur das geben, was in mir ist und um herauszufinden, was in mir ist, muss ich bei mir sein. 

Ich glaube, viele geben das, von dem sie denken, das andere es von ihnen wollen, also was andere sich wünschen, was andere erwarten und auch was andere fordern. Es ist nachvollziehbar, dass wir Erwartungen erfüllen wollen, um z.B. gemocht und geliebt zu werden. Aber es ist auch wichtig, einmal hinzuschauen, dass wir damit eigentlich vor allem eines machen wollen: ein Geschäft. 

Wenn ich ehrlich zurückblicke, bin ich sehr oft faule Deals eingegangen. Da ich gut darin bin, Erwartungen und Bedürfnisse anderer zu erspüren, habe ich immer hart daran gearbeitet, diese zu befriedigen. Das habe ich aber eben oft nicht getan, weil ich es gerne tun wollte (weil es das war, was ich geben wollte), sondern ich wollte mir damit Zuneigung sichern, eine Beziehung halten, anerkannt werden usw.

Das zu erkennen, war hässlich. Aber nur dieser ehrliche Blick ermöglicht mir heute immer öfter, anderen wirklich etwas von mir zu geben und zu erleben, was es für ein wundervolles Gefühl ist, das zu können: echt und aus mir heraus zu geben. 

Dafür muss ich mir immer wieder zwei Dinge bewusst machen: 

  • Ich habe viel zu geben, aber vieles kann und will ich eben auch nicht geben. Wenn ich mich dazu zwinge, etwas zu geben, das ich nicht geben will, betrüge ich mich und auch den anderen, denn meine Gabe ist unecht. Je weniger ich mich zwinge zu geben, was eigentlich nicht in mir ist, kann ich mit freiem Herzen aus mir heraus das geben, was da ist. 
  • Gleichzeitig kann ich nur geben, was ein anderer annehmen will. Manch einer will das gar nicht, was ich zu geben habe. Das gilt es zu akzeptieren. Früher habe ich gedacht, ich müsste es nur besonders gut anbieten oder müsste das, was ich geben will, eben entsprechend ändern, aber beides führte mich von mir und auch von der Person weg.

Mir wird immer klarer, dass ich mich in meinem Geben fast genauso verdreht hatte wie im Nehmen. Es ist zutiefst beglückend, die Erfahrung zu machen, wirklich etwas geben zu können und wieder einmal hat es mit Ehrlichkeit zu tun und damit, man selbst zu sein.

Derselbe Moment …

Gepostet von am Juni 6, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir, Ich und andere | 3 Kommentare

Derselbe Moment …

Irgendwo mitten in New York (ich weiß leider nicht mehr in welchem Zusammenhang) schnappte ich einen Gedanken auf, den ich bei mir behielt, um ihn dann ganz in mein Herz sinken zu lassen. Auf den ersten Blick wirkt er vielleicht trivial und unscheinbar, aber lassen Sie ihn einmal wirken: Und zwar geht es um die Erkenntnis, dass wir alle, also jeder einzelne von uns, immer exakt denselben Moment erleben. 

Jetzt. Und jetzt. Und auch jetzt. 

Wo immer wir auch sind, was immer wir auch tun, ob wir schlafen oder schaffen, ob wir lachen oder weinen, ob wir uns fürchten oder gerade die Welt erobern, ob wir lieben oder hassen, ob wir hier in diesem Land sind oder irgendwo auf der Welt… – diesen einen Augenblick, dieses winzige Fünkchen Jetzt teilen wir alle.

Sie und ich, ich und Du.

Jeden Moment neu. Immer und immer wieder. 

Ist das nicht ein großartiger Gedanke? Ich bin noch immer fasziniert von dieser Feststellung, die es machte, dass ich mich innig verbunden fühlte mit all den vielen Menschen in der großen Stadt, aber auch weit darüber hinaus mit all den anderen auf der Welt.

Ein Teil des großen Ganzen zu sein und doch ganz individuell. Wir und ich in einem – und beides zu spüren. 

Groß ist das für mich. Und für Sie?

Schau mal an!

Gepostet von am Juni 2, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 3 Kommentare

Schau mal an!

Ich bin eine Entdeckerin. Es ist immer wieder faszinierend, was es alles zu sehen gibt, wenn man sich die Zeit nimmt, wirklich aufmerksam zu sein. Also nicht nur kurze Blicke zu werfen, sondern wirklich hinzuschauen. 

Z.B. stehe ich gerne an meinem Teich. Als erstes fallen mir (leider typisch Fehlergucker) immer die Algen auf, die ich entfernen müsste und der Bewuchs, der schon wieder viel zu üppig ist. Als nächstes sehe ich dann meistens ein paar Frösche. Ihnen schaue ich so gerne zu!

Und indem ich das tue, werde ich ruhiger und mein Blick weitet und schärft sich zugleich. Ich entdecke ein Molchpärchen, wie es zwischen den Seerosenblättern Fangen spielt. Dann die Wasserkäfer auf Beutejagd. Und die Hornisse, die gerade auf einem Blatt sitzt und trinkt, fast so groß wie das Fröschlein dicht daneben. Die zarten Wasserläufer und die roten und die blauen Libellen. Die Lichtreflexe, die manchmal aussehen wie Herzchen. Das unterschiedliche Grün des Frauenmantels, der Farne und des Schilfs. Die sich spiegelnden Wolken im Wasser. Und… und … und … 

Je mehr ich schaue, desto mehr entdecke ich. Grüne Wanzen, gelbe Schnecken, rote Käfer, bunte Fliegen – die ganze Palette des Lebens tummelt sich vor meinen Augen. Und das nicht nur an meinem Teich, sondern ÜBERALL. Ich muss sie nur wahrnehmen. 

Mohntage

Gepostet von am Mai 29, 2014 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 6 Kommentare

Mohntage

Endlich ist es soweit: der Mohn blüht wieder. Tag für Tag bin ich zu den Stauden gelaufen, um zu schauen, ob sie aufgegangen sind, all die vielen Blüten, die grün und haarig so geduldig auf gutes Wetter warteten. Er sucht die Sonne, der Mohn, er liebt die Wärme und das Licht. 

Und dann sind sie da, die Mohntage – tiefrote Tage.

Es sind Tage, in denen ich mich voll und ganz in Farben verliere, in Blüten und im Fühlen. 

Zu Beginn so wundervoll zerknittert und sich dann ganz langsam zu voller Blüte entfaltend.

Schon immer hat mich der Mohn am tiefsten von allen Blumen berührt. Früher habe ihn vor allem geträumt, den Mohn, von seiner Tiefe und seiner Energie, von dem wofür er für mich steht.

Inzwischen lebe ich ihn auch: Ich kann ihn spüren, kann ihn atmen, ich kann ihn tanzen. Ich kann mich ganz in ihn fallen lassen. Dann werde ich zu seinem Rot. 

Es sind kurze Tage, die Tage des Mohns. Seine zarten Blätter fallen schnell. Aber sie klingen lange nach. Ihre Melodie höre ich oft auch noch im dunkelsten Winter. 

Und er sät sich aus in meiner Seele, der Mohn, und ich kann ihn wachsen hören und blühen spüren. Sein Rot ist eine Antwort auf meine Sehnsucht nach dem Unbeschreiblichen.

Vielleicht kann ich deshalb nie genug von ihm bekommen. 

 

Mohn