Gut für mich?

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Gut für mich?

Was ist gut für mich? Eine, wie ich finde große, vielschichtige und alles andere als leicht zu beantwortende Frage! Dennoch gab es, so lange ich denken kann, um mich herum immer Menschen, die mir – oft auch ungefragt – genau sagten, was gut für mich ist, was ich tun oder lassen soll, wie es mir besser gehen würde (davon ausgehend, dass es mir schlecht geht) usw.

Langsam lerne ich zu unterscheiden zwischen dem,

  • was andere als „gut für mich“ halten, was aber eigentlich vor allem mit ihnen selbst zu tun hat, und
  • Anregungen, die wirklich für mich geeignet sind. 

Der Unterschied ist, wenn ich achtsam bin, sehr deutlich spürbar:

Beim ersteren fühle ich mich gepusht, beeinflusst, ja, auch bedrängt. Ich scheine in diesem Szenario irgendwie „falsch“ zu sein und mir wird etwas aufgedrängt, durch das ich anders werden soll. Ich sehe mich mit Rat, Angeboten und Geschenken konfrontiert, die ich gar nicht will, aber oft auch nicht ablehnen mag, weil ich mir undankbar vorkomme. Mir werden Dinge abgenommen, die ich gerne selbst entscheiden will. Und es werden dabei Grenzen überschritten, ohne zu fragen, ob das eigentlich ok für mich ist. All diese Ratschläge setzen interessanterweise immer bei mir an und mir wird klar, dass sie ihren Ratgebern ermöglichen, nicht bei sich selbst schauen oder nachfühlen zu müssen.  

Die andere Art von Hinweisen ist hingegen oft gar nicht als Rat erkennbar. Es sind kleine Denkanstöße und vielleicht ist es auch mal eine behutsame Frage. Wenn überhaupt, denn oft kommt nicht einmal das. Statt dessen hört man mir zu und ich spüre das Vertrauen in mich, dass ich meinen Weg gehe, dass ich die richtigen Entscheidungen aus mir heraus treffe und dass ich wissen oder zumindest herausfinden werde, was gut für mich ist. Ich werde hier nicht in meinen Entscheidungen und auch nicht als Mensch in Frage gestellt und mir wird nicht das Gefühl gegeben, irgendwie unfähig zu sein, im Gegenteil: ich fühle mich respektiert und geachtet. Und so empfinde ich diese Hinweise nicht als Ein- oder Angriff, eher als Anregung oder Inspiration. Und ja, das fühlt sich so viel besser an! 

Ich hätte das früher nicht so benennen können, aber mir ist nun klar, warum ich mich eigentlich oft so gerne abgeschottet hätte, wenn andere etwas für mich tun wollten oder mir etwas nahe legten (statt dessen aber dann meist doch getan habe, was man mir riet). Instinktiv spürte ich, was an diesen Taten oder auch dem guten Rat hing: ein mehr oder weniger dezentes „Ändere dich!“ Und mir scheint, dass das in der Summe  ziemlich oft mehr aus dem Eigeninteresse der anderen entstammte als wirklich einer Ausrichtung auf mich…

Das zu erkennen, wird meine Reaktionen auf den ach so gut gemeinten Rat anderer etwas verändern, denke ich. Und damit dürfte ich auch den Antworten auf die Frage, was wirklich gut für MICH ist, deutlich näher sein. 

4 Kommentare

  1. Liebe Tania,
    durch „Zufall“ 🙂 kam ich auf deine Seite und bin beim Lesen deiner Artikel inspiriert worden, einfach auch mal ein paar Gedanken dazu zu schreiben.

    Ich glaube, die Frage ist es „GUT FÜR MICH?“ die ist für jeden irgendwann ein Thema. Für mich, ist es schon ziemlich lange eine entscheidende Frage. Mir ging es da sicher auf MEINE Art ähnlich wie dir, das immer ALLE wußten, was mir gut tut, bzw. was mir gut zu tuen hat…

    So wußte ich lange Zeit, was ich NICHT wollte, doch, was ICH, Elke wollte, was MIR WIRKLICH GUT tut, das wußte ich wohl über die Hälfte (wer sagt, was meine Hälfte ist?:) ) meines Lebens absolut nicht. Ich lernte mich erst einmal zu wehren, mich aufzubäumen „GEGEN“ alles mögliche, was ich nicht wollte. Dabei waren natürlich auch etliche Dinge, die ICH zwar nicht wollte, die aber mein Alltag von mir abverlangte – und die ich im Nachhinein auch einsah – absolut notwendig waren.
    Damit wurde ich vorerst konfrontiert! Ich mußte lernen, das nun NICHT IMMER mein Wille geschehen konnte, sondern „SEIN Wille“ geschehen würde.
    Ich lernte mich einer Führung, nämlich meiner wirklichen Führung, meinem Herzen hinzugeben, zuzulassen, das ich oft SELBST gegen Wände gerannt bin, Wände, die mir MEINE Grenze zeigten. Ich mußte das oft schmerzhaft lernen und erst nach diesem Schritt, bzw. etlichen solcher Schritten, die ich bis dahin gegangen bin (dabei auch viele Umwege laufen mußte) erst DANN konnte ich lernen zu Fühlen, was GUT FÜR MICH ist!
    GUT FÜR MICH ist es auch meine WUT, meine Aggressionen, all meine Schattenseiten zuzulassen, das „BÖSE“ 🙂 in mir… Es ist sehr heilsam, wenn auch oft sehr schwer sich einzugestehen, JA, auch DIESE Emotionen, DIESE Gefühle sind in mir, wollen beachtet UND gelebt werden, machen einen Teil meines Wesens aus… Ich bin nicht immer das brave Mädchen, das ich sein sollte und es dann auch wohl immer „spielte“… Und es tut mir unendlich GUT und ist befreiend, ENDLICH befreiend, das ich spüre, es tut mir GUT meine Wut über einer bestimmte Situation rauszulassen, zu sagen NEIN, das tut mir JETZT nicht gut, das brauche und möchte ICH NICHT…
    Ich habe – meist unbewußt- Verantwortung auf meinen Schultern getragen, Lasten getragen, die mir nicht gut taten… Ich wollte NUR GUTES tun! „Gutes“, das mir wohl oft versagt wurde, weil ich durch welche Umstände auch immer nicht ICH selber war. Ich habe mich leben lassen…

    JETZT LEBE ICH MICH! Ich versuche JEDEN TAG als ein komplettes Leben zu sehen, zu leben… Am Ende des Tages, halte ich Rückschau, was er mir geschenkt hat. Habe ich die Prüfung in diesem Leben bestanden? War ich zufrieden mit mir? Habe ich dem GANZEN gedient? Habe ich mich UND die anderen Menschen an meiner Seite bedingungslos geliebt?

    Solche Fragen stelle ich mir am Ende meines Tages, meines Tages-Lebens … Bewußt im HIER und JETZT LEBEN, dabei habe ich gelernt und lerne tagtäglich neu zu fühlen, was mir gut tut…

    Ein nicht einfacher Weg, doch für mich der einzige, der mich wirklich dahin bringt, wo ich hin möchte, nämlich zu mir selbst…
    Kann ich mich MIT all diesen Seiten anerkennen,bedingungslos lieben, dann kann ich es auch bei den anderen Menschen an meiner Seite, mich in meiner Unvollkommenheit als Mensch Vollkommen zu fühlen DAS TUT MIR GUT… 🙂

    liebe Tania, ich wünsche dir und allen Lesern dieser Seite ein schönes Osterfest und verbleibe mit lieben Grüßen die

    Elke

    ps…. und JETZT tut es mir gut noch meine Freundin zu besuchen! 🙂

    • Liebe Elke,

      mir tat gut, Deine Zeilen zu lesen!

      Herzlichen Dank dafür,
      Tania

  2. Die Gedanken von Tania und der Kommentar von Elke sprechen mich 100% an. Danke an Euch, Ihr habt mir die Augen geöffnet.
    Fröhliche Ostern!

  3. Liebe Birgitella,

    es ist das erste Mal, das ich mich überhaupt „getraut“ habe, meine Gedanken und Gefühle so in dieser Art öffentlich zu äußern und auch MIR tut es echt sehr gut, darauf überhaupt Reaktionen von außen zu spüren zu lesen, das es anderen Menschen Freude bereitet, diese Gedanken, meine Gedanken zu lesen… ich fühle damit auch eine Art Wertschätzung meiner selbst, die ich mir selbst und damit ganz bestimmt auch anderen oft versagt habe…

    Eure Reaktionen, Deine, liebe Birgitella und auch Deine, liebe Tania, taten mir gut! Danke Euch! 🙂

    Wenn die Worte aus dem Herzen kommen, werden wir wohl immer die Menschen damit ansprechen, die wir in dem Moment brauchen, das gilt aus meinen Erfahrungen immer für beide Seiten (sowohl bei den uns stärkenden Geühlen, als auch bei den uns schwächenden) 🙂

    In diesem Sinne Fröhliche Ostern!

    Elke

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