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Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Buchtipp: Ja, ich spüre mehr!

Gepostet von am Dez. 13, 2016 in Alle Beiträge, Buchtipps, Hochsensibilität | Keine Kommentare

Buchtipp: Ja, ich spüre mehr!

Rezension: „Ja, ich spüre mehr! Gut leben mit Hochsensibilität“ von Susanne Moeberg. – Scorpio, 2016 – ISBN: 9783958030442. – 96 S. – ca.13,- EUR – durchgehend farbig illustriert

Susanne Moeberg ist selbst hochsensibel und berät seit über 20 Jahren als Coach hochsensible Menschen. Dass sie weiß, wovon sie spricht, merkt man ihrem Buch auf jeder Seite an. Es liefert sowohl nützliche Informationen, handfeste Tipps und hilfreiche Impulse zu allen möglichen Bereichen, die die Hochsensibilität betreffen, wie z.B.: 

  • Was ist Hochsensibilität?
  • Vom klugen Umgang mit anderen
  • Reizüberflutung 
  • Mit Stress umgehen
  • Hochsensibilität und Partnerschaft
  • Hochsensible Kinder
  • Selbstfürsorge
  • Grenzen setzen
  • und vieles mehr. 

Hochsensibilität wird in diesem Buch nicht als Schwäche dargestellt und auch nicht einmal als etwas großartig „Besonderes“, für die Autorin ist es schlicht und einfach ein Charakterzug. Folgerichtig ruft die Susanne Moeberg dazu auf, Hochsensibilität weder als etwas Negatives noch als etwa Positives, sondern zunächst einmal möglichst neutral anzusehen. Eine Bewertung ist ihrer Ansicht nach immer im Hinblick auf die jeweiligen Umstände vorzunehmen. Damit wird Hochsensibilität auf eine gute Weise tatsächlich zu etwas, „das einfach ist“, wie z.B. auch die Körpergröße – mal ist es gut, klein oder groß zu sein, mal ist es ungünstig, in jedem Fall aber sind wir eben genau so, wie wir sind. Das gilt es zu verstehen, um dann möglichst gut damit umgehen zu können. Und als Weiterführung der Selbstannahme findet sich dann auch noch dieser wundervolle Satz in dem Buch:

Freuen Sie sich darüber, wer Sie sind!

Das Buch ist optisch sehr ansprechend aufgemacht und präsentiert sich in angenehmen, weichen Farben. Viele Übungen durchbrechen die Info-Texte und laden zur Selbstreflexion ein – die Autorin spricht hier sehr einfühlsam von „Selbsteinsichten“.

Fazit: Ein schönes, nicht zu umfangreiches Einstiegsbuch in das Thema Hochsensibilität und für alle zu empfehlen, die sich spontan bei dem Titel „Ja, ich spüre mehr!“ angesprochen fühlen.

 

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Achtsamkeit in großen Lebensentscheidungen

Gepostet von am Dez. 6, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | Keine Kommentare

Achtsamkeit in großen Lebensentscheidungen

Anfang des Jahres hatte ich für mich das Wort „Freiheit“ als Jahresmotto gewählt. Und dieses Wort hat dieses Jahr tatsächlich ganz entscheidend für mich geprägt: Ich habe mein Haus verkauft und bin vom Land in die Stadt gezogen. Was sich hier mal eben so in einem einzigen Satz hinschreiben lässt, ist eine der großen Lebensentscheidungen gewesen, die für die meisten von uns irgendwann und auch immer mal wieder anstehen, und fasst eine Entwicklung von vielen Jahren zusammen. Dieser fast unscheinbare Satz ist das Ergebnis eines langen, intensiven, zum Teil schmerzhaften und dabei sehr wichtigen und stärkenden Befreiungsaktes.

Nun ist es nie einfach, große Lebensentscheidungen zu treffen und durchzuziehen. Angst vor dem Ungewissen und vor Fehlern, das Festhalten an Vertrautem, der fehlende Mut für große Umbrüche – vieles macht uns das Treffen von gewichtigen Entscheidungen schwer und wir sind uns all der widersprüchlichen Gefühle und Befürchtungen in uns oft gar nicht bewusst. Denn, auch das trifft für viele zu, wenn es um wirklich große Entscheidungen geht, fällt es besonders schwer, achtsam zu sein und bei sich selbst zu bleiben. Schließlich müssen wir vor allem eines: funktionieren, damit die Sache über die Bühne geht.

So war es jedenfalls bei mir und ich hätte mir an einer Stelle tatsächlich fast dasselbe Szenario erschaffen, wie das, was ich gerade am Loslassen war – und hatte das nicht einmal gemerkt! Das zu erkennen, hat mich sehr betroffen gemacht, denn eigentlich war ich mir doch sicher gewesen, ich wäre inzwischen so gut bei mir selbst, dass mir das nicht mehr passieren würde.

Aber Achtsamkeit ist eben kein Zustand, den man irgendwann erreicht und der dann einfach da ist und bleibt. Achtsamkeit muss zumindest ich mir immer wieder zurückgewinnen. Achtsamkeit und das Vermögen, wirklich bei mir zu bleiben und mich zu spüren in möglichst vielen Facetten. 

Nicht immer initiieren wir große Lebensentscheidungen aktiv selbst, manchmal stellt uns auch das Leben vor vollendete Tatsachen und wir müssen zusehen, wie wir dann mit den neuen Lebensumständen klar kommen (das nennt man dann meist „Krise“). Unabhängig davon, was der Auslöser für umwälzende Veränderungen im Leben ist, für mich ist Achtsamkeit eine Art Floß geworden, auf das ich mich retten kann, wenn ich das Gefühl habe im Strudel des Lebens den Halt und die Orientierung zu verlieren. Dann sitze ich auf meiner kleinen Planke und atme erst einmal durch und komme wieder zu mir. Und das tut so gut, denn nur so kann ich mich auch selbst mitnehmen durch die Veränderungen.

Die richtigen Worte zu finden… – klappt nicht immer

Gepostet von am Nov. 29, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich und andere | 9 Kommentare

Die richtigen Worte zu finden… – klappt nicht immer

Zur Zeit erlebe ich etwas, das mir relativ fremd ist: Immer wieder setze ich dazu an, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben, aber es gelingt mir nicht, die richtigen Worte zu finden. Zu viel auf einmal will sich ausdrücken und manches ist einfach auch noch überhaupt nicht wirklich gefühlt. Ich beginne mit einem Thema, hüpfe sofort zu etwas anderem, stelle dann fest, dass ich eigentlich gar nichts „Richtiges“ geschrieben habe und will neu beginnen. Ja, das kann eine ganz schön schwierige Sache sein: die richtigen Worte zu finden um ausdrücken zu können, was in einem ist. 

Bei mir sind es gerade Umwälzungen im Leben, die mich etwas sprachloser als sonst machen, aber es können genauso gut große Gefühle sein, die uns nach Worten ringen lassen, oder Hilflosigkeit und Ohnmacht, auch Trauer oder Wut und vieles mehr.

Und eigentlich ist es kein Wunder: Gefühle sind so mächtig und ganz unmittelbar, sie können und voll und ganz ausfüllen und sich dabei auch ständig ändern. Sie können uns schütteln und zu Boden drücken oder uns ganz leicht werden lassen und zum Leuchten bringen. Gefühle sind so vielfältig wie das Leben und dabei verbindend und ganz individuell zugleich.

Ein Stück weit können Worte Gefühlen immer nur bedingt gerecht werden, denn Worte bleiben im Abstrakten. Aber sie können das tatsächliche Fühlen anrühren und (wieder)erkennbar machen. Ich glaube, dass wir deshalb so gerne Texte lesen, die uns berühren: weil wir in ihnen hin und wieder eine Stimme für das finden, was für uns selbst oft so unaussprechlich ist. 

Ich habe in der letzten Zeit immer wieder einigen Druck gespürt, dass ich hier doch endlich mal wieder etwas veröffentlichen sollte, aber ich mag nichts schreiben, einfach nur um etwas zu schreiben. Das, was gerade in mir und um mich herumwirbelt, wird sich irgendwann setzen und dann werde ich auch wieder Worte finden. Für den Moment bleibt es bei Texten, die für Leute, die mich schon länger lesen, vielleicht etwas unfertig und verwirrt anmuten, aber manchmal steht es an, auch genau solchen Zuständen Ausdruck zu verleihen. Gerade im Miteinander gilt es manchmal eben auch, zuzugeben, dass man gerade nicht in der Lage ist, die richtigen Worte zu finden und dann einfach auch mal still zu sein. 

Unterwegs sein – eine Metapher fürs Leben?!

Gepostet von am Nov. 11, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 4 Kommentare

Unterwegs sein – eine Metapher fürs Leben?!
Ich bin gerade unterwegs und stelle wieder einmal fest, dass es manchmal sehr seltsam mit dem Reisen ist: Da landet man zum Beispiel ganz woanders, als man eigentlich hin wollte und kommt trotzdem an. Oder man bleibt auf dem Weg irgendwo stecken und ist dennoch ein großes Stück vorangekommen. Manchmal muss man erst ganz weit weg, um zu sich zu finden – und manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. 
 
Einige von Ihnen wissen es schon: ich bin gerne unterwegs. Das war ich immer schon, aber heute noch mehr, denn ich bin mir des Unterwegseins und was es ausmacht viel bewusster geworden. 
 
Früher ging es mir beim Reisen darum, an einem bestimmten Ort zu kommen, also ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ich erhoffte mir jeweils etwas davon oder tat es, weil es eben dazu gehörte, ich wollte etwas besuchen, fotografieren oder dort etwas bestimmtes machen. Ich plante meine Reisen und Ausflüge meist sehr genau und legte viel Wert darauf, alles im Griff zu haben. 
 
Tja, so reise ich schon lange nicht mehr. Heute habe ich viel weniger das tatsächliche Ankommen im Sinne, sondern eben das Unterwegssein. Viel zu oft wurden nämlich meine schönen Pläne durchkreuzt oder Touren endeten ganz woanders als angedacht. Zu oft musste ich warten, verschieben oder Reiserouten ändern. Und oft genug erreichte ich auch nicht das, was ich anvisiert hatte. 
 
Kann es ein besseres Sinnbild für das Leben geben, als unterwegs zu sein? Genau das, was ich auf meinen Reisen erlebe, findet auch in meinem Leben statt und das dürften viele kennen, nicht wahr? Diese Erfahrungen lassen mich zu der Erkenntnis kommen, dass es auch im Leben viel weniger um Ziele geht, als darum, unterwegs zu sein – unterwegs im Sinne von offen für das, was kommt und unterwegs im Sinne von beweglich.
 
Wirklich unterwegs zu sein, heißt für mich mehr und mehr, nicht mehr so viel zu planen und viel weniger meine eigenen Erwartungen und Vorstellungen umsetzen zu wollen, als viel mehr mich einzulassen, anzunehmen und zu staunen, über das was sich mir jenseits meiner Pläne alles offenbart. Wirklich unterwegs zu sein ist für mich eine Art geworden, das Leben zu lieben, so wie es ist.

Hadern ist Energieverschwendung

Gepostet von am Nov. 8, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir, Ich und andere | 3 Kommentare

Hadern ist Energieverschwendung

Ich habe das Gefühl, dass mir das Leben im Moment vor allem eines beibringen will: nämlich, dass ich meine Energie nicht mit Hadern verschwende. Und das macht es ganz geschickt, indem es mich sozusagen rund um die Uhr beschäftigt. 

Wenn ich mal einen Moment inne halte, dann wird mir klar, dass ich gerade schlicht und einfach keine Zeit und auch keine Energie habe, mit Herausforderungen oder Themen zu hadern, mich großartig über irgendetwas aufzuregen oder gar zu ärgern. Ich bin viel zu beschäftigt, das zu surfen, was ansteht. Manchmal denke ich zwar, dass es durchaus jetzt gerne ruhiger werden könnte und dass ich doch eigentlich jetzt genug geschafft habe, aber schwuppdiwupp kommt schon das nächste Thema daher und ich muss die Knie locker machen, um die Balance halten zu können und weiter geht’s. 

Ja, genau: locker machen, denn wenn ich festhalten würde, wenn ich mich hart machen würde und gegen die Bewegungen des Lebens zu kämpfen versuchte, würde ich ziemlich sicher einfach vom Surfbrett fallen. Um surfen zu können, darf ich keine Kraft darauf verschwenden, mich über die Höhe oder Wucht einer Welle zu beschweren oder darüber zu klagen, dass nach den zwei hohen Wellen doch bitte nicht noch eine dritte kommt… Die Wellen kommen wie sie wollen und fragen nicht danach, ob ich denn nun gerade bereit auf die nächste bin oder nicht. Ich bin es dann einfach – und das, weil ich eben nicht die Arme vor der Brust verschränke und mich trotzig weigere oder darüber greine, sondern weil ich ja dazu sage, auch die nächste Bewegung mitzumachen. 

Bereit, flexibel und offen sein, anzunehmen und Ja zu sagen – all das sind Lernaufgaben, denen ich mich als Fan von Sicherheitsnetzen und Kontrollleinen vom Kopf nur selten wirklich gewachsen gefühlt habe. Aber damit ist schon lange Schluss. Wenn ich etwas begriffen habe, dann das: Beim Surfen kann man sich nirgendwo festhalten, sondern nur die Balance in sich selbst finden und das immer wieder neu. 

Und wissen Sie was? Immer mehr beginne ich das Surfen zu lieben!

Heb mal den Kopf – ein Tunnelblick engt ganz schön ein

Gepostet von am Okt. 24, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | Keine Kommentare

Heb mal den Kopf – ein Tunnelblick engt ganz schön ein

In den letzten Wochen war ich vor allem damit beschäftigt, mein bisheriges Leben a) in Kisten zu packen oder b) zu entsorgen. Es war eine zeit- und kraftaufwendige Angelegenheit, in der kaum Raum für anderes blieb. Jetzt, wo diese Zeit hinter mir liegt, stelle ich fast verwundert fest, dass inzwischen Herbst geworden ist und die bunten Blätter im Wind tanzen. Und mir wird bewusst, wie eingeschränkt mein Blickfeld in der letzten Zeit war, ja, mit welchem Tunnelblick ich durch die Welt gegangen bin. 

Eigentlich ist es ganz verständlich, dass wir in schwierigen Zeiten vor allem unsere Herausforderung bzw. das Problem fixieren. Es zu lösen oder zu bewältigen, fordert oft unsere ganze Kraft und Aufmerksamkeit und deshalb konzentrieren wir uns voll und ganz darauf. Das aber hat zur Folge, dass die Herausforderung oder das Problem in unserer Wahrnehmung immer beherrschender und damit größer wird. Je enger der Tunnelblick wird, desto bildfüllender wird das Problem. 

So kann es unendlich wohltuend sein, hin und wieder den Kopf zu heben und zu realisieren, dass es viel mehr gibt, als nur das, was uns gerade fordert – und das nicht nur in schwierigen Zeiten! Denn zu einem solchen Tunnelblick neigen viele von uns nicht nur, wenn sie etwas besonderes zu bewältigen haben, sondern auch im Alltag. Die Welt ist aber immer viel größer, bunter und reichhaltiger als es uns oft bewusst ist. 

Achtsam zu sein heißt in diesem Zusammenhang für mich, mir immer mal wieder folgende Fragen zu stellen:

  • Wohin richte ich gerade meinen Blick?
  • Was alles nehme ich um mich herum und auch in mir selbst bewusst wahr?
  • Gibt es vielleicht noch mehr als das?
  • Wer oder was könnte mir dabei helfen, mich nicht immer nur auf wenige Punkte in meinem Leben zu fixieren, sondern immer mehr von der Vielfalt zu erkennen und zu genießen?

Diese Fragen können viel bewegen!

Vom Abschied nehmen und neu Anfangen

Gepostet von am Okt. 16, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 2 Kommentare

Vom Abschied nehmen und neu Anfangen

In den letzten Wochen habe ich Abschied genommen. Abschied von sehr vielem: von meinem Haus und Land, von Besitz und Gegenständen, von einem ganzen Lebensabschnitt, von wundervollen Träumen und von großen Zielen. Ich habe „Leb wohl!“ zu sehr vielem gesagt, das mich lange Jahre begleitet hat.

Es war ein schmerzhafter und gleichzeitig sehr guter Prozess. 

Wehmut ist mir sehr vertraut und so neige ich dazu, mich aus Gewohnheit tief in dieses Gefühl sinken zu lassen. Aber es ist viel mehr in mir in dieser Phase. Denn die Abschiede waren gewollt und gesucht und wurden inzwischen ungeduldig erwartet. Es sind bewusste Entscheidungen gewesen, die lange gewachsen sind und nun endlich umgesetzt werden konnten. Es liegt Neues in der Luft, Bewegung, Freiheit und Zukunft. 

Es heißt so schön, dass in jedem Ende ein Neuanfang wohnt und ja, das stimmt. Als Spruch hilft es einem oft nicht viel weiter, vor allem dann nicht, wenn das Loslassen schmerzhaft ist. Aber wenn wir das fühlen können, öffnet es Horizonte und erinnert einen an die Flügel, die man noch immer hat, wie wenig man sie auch genutzt haben mag. 

Ja, habe Abschied genommen und öffne nun meine Arme weit für das was kommt. Ich fühle den Schmerz, aber auch die Freude. Sich FÜR etwas zu entscheiden, bedeutet immer auch, sich GEGEN etwas anderes zu entscheiden und loslassen zu müssen. Aber wenn wir uns von etwas verabschieden und loslassen, kommt auch etwas Neues. Vom Kopf war mir das immer klar, zu ersten Mal aber spüre ich es bewusst. 

Es ist gut, im Fluss des Lebens zu sein. 

Kämpfen ist nicht der richtige Weg

Gepostet von am Okt. 9, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir | 8 Kommentare

Kämpfen ist nicht der richtige Weg

Neulich las ich diese Zeilen: „Ich muss um nichts kämpfen, denn was gut ist bleibt. Was bei mir sein will, kommt freiwillig und was gehen will, geht sowieso.“ Das hat es in sich. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte ich dieser Aussage vehement widersprochen und mir wird immer klarer, wie sehr ich in der Vergangenheit gekämpft habe…, gekämpft, um nicht zu verlieren, gekämpft um zu behalten und gekämpft, um zu bekommen oder zu erreichen.

Alles ist möglich, wenn ich es nur doll genug will und genug dafür tue – ein Lebensmotto, das einen glauben lässt, man könnte letztlich sogar das Leben übertrumpfen. Dieses Motto lässt einen vieles erreichen, hat aber auch einen hohen Preis. Und, wovon man nichts ahnt, wenn man an dieses Motto glaubt: es ist eines ohne Garantien. 

Gerade in diesen Wochen „kämpfe“ ich damit, Altlasten zu entsorgen aus einem Leben, in dem ich glaubte, alles kontrollieren zu können. Ich schreibe das in Anführungsstrichen, denn es hat sich vieles in mir geändert, so dass ich nicht mehr auf meine alte Art kämpfe. Zwar geht gerade darum, enorme Kräfte zu mobilisieren, die Zähne zusammenzubeißen und durchzuhalten, aber ich bin in meinem Tun und vor allem in meinem Sein nachgiebiger geworden und weicher und ich bleibe bei all dem viel mehr bei mir selbst. Und das ist so gut. 

Ich spüre es mit jeder Faser: ich will nicht mehr kämpfen, denn zu kämpfen macht mich hart. Hart zu sein tut mir nicht gut. Und ja, auch ich habe in den letzten Jahren genau die Erfahrung machen können, dass ich nichts wirklich erzwingen kann und das letztlich eh alles kommt, wie es offenbar kommen soll. Mehr noch: dass das darüber hinaus fast immer besser ist als das, was ich erzwingen wollte… 

Wieder einmal geht es um das große Thema Vertrauen. Vertrauen, dass alles gut und richtig ist, wie es ist und dass wir zwar manchmal Durchhaltevermögen und Biss brauchen, Rückgrat und auch eine laute Stimme, aber dass es nie darum gehen sollte, mit dem Leben zu kämpfen. Der Kampf mit dem Leben ist, denke ich, immer ein Kampf gegen sich selbst.

Einfach mal loslassen…

Gepostet von am Sep. 13, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir, Ich und andere | 11 Kommentare

Einfach mal loslassen…

Über das Loslassen habe ich schon oft geschrieben. Es hat mich schon immer fasziniert, wie leicht es manchen Menschen zu fallen scheint, loszulassen, während ich mich oft endlos schwer damit tue.

Ich bin in meinem Herzen ein Bewahrer. Ich hänge sehr an Menschen, Tieren, Orten, Erinnerungen und auch Dingen, einfach weil ich sie als wertvoll empfinde. Nun ist das Problem mit dem Bewahren, dass es irgendwann zu Stillstand führt. Als Bewahrer bleibt man oft zurück und kann letztlich irgendwann nicht einmal mehr einen einzigen Schritt machen, denn jeder Schritt heißt, dass man auch etwas zurücklässt. 

Bewegung, das habe ich inzwischen verstanden, ist also nur möglich, wenn ich loslassen kann. 

Und nun kommt ein neuer Gedanke dazu: nämlich der, dass sich doch eigentlich der Wert nicht verändert, nur weil ich nicht mehr festhalte! Wow, ich merke, wie dieser Gedanke Türe und Toren weit öffnet und spüre intensiv hinein.

Kann ich tatsächlich wertschätzen ohne haben zu müssen? Kann ich würdigen, ohne festhalten zu müssen? Ja, natürlich kann ich das! Habe ich doch auch immer schon getan, mit allem, was mir nicht gehörte oder was unerreichbar war. Ich musste nie alles haben, was mir gefiel. Und es fiel mir nie schwer, etwas aus tiefstem Herzen zu bewundern und zu genießen, und dann einfach weiterzugehen, wenn es z.B. für mich zu teuer, zu weit weg war oder auch nicht in mein Leben passte. Das Loslassen war also durchaus immer schon in mir – dann wenn es um etwas ging, das mir nicht gehörte.  

Wenn ich mir also klar mache, dass Loslassen kein Ausdruck von mangelnder Wertschätzung sein muss, sondern viel mehr einfach nur andere Bedürfnisse, Schwerpunkte, Lebensthemen oder ähnliches zeigt, dann könnte das Loslassen von etwas, das ich habe, viel weniger schmerzhaft sein. Natürlich muss so etwas wie Verantwortung, die man übernommen hat z.B. für andere Wesen, noch einmal anders bewertet werden, aber ich fühle gerade eine enorme, moralische Entlastung, wenn ich mir klar mache, dass ich weiter wertschätzen kann, ohne festhalten zu müssen und das Loslassen eben nicht ablehnen bedeutet. Mehr noch: Das legt auch ein ganz anderes Licht auf die Momente in meinem Leben, in denen ich losgelassen wurde…  

Und so nehme ich dankbar diesen Gedanken für den nächsten Stück meines Weges mit: Haben verpflichtet nicht zum Behalten. 

Das achtsame Porträt: Farbe bekennen!

Gepostet von am Sep. 8, 2016 in Alle Beiträge, Das achtsame Porträt | 2 Kommentare

Das achtsame Porträt: Farbe bekennen!

Achtsame Porträts zeigen mehr als nur das Gesicht des Menschen. Im besten Fall lassen sie FÜHLEN. Sie ermöglichen einen Blick tief in das Sein des Porträtierten, ein Augenblick des (Wieder)Erkennens, ein Moment einer intensiven Nähe und des tiefen Kontaktes. Und dieses Fühlen wirkt weit über den Moment der Aufnahme hinaus.

Ich gehe immer wieder gerne mal ältere Aufnahmen durch und bin jedes Mal erstaunt, wie intensiv ich manche Bilder fühlen kann. Das Selbst-Porträt, das ich für diesen Beitrag ausgesucht habe gehört zu denen, bei denen ich immer wieder verweile, weil es ganz viel in mir auslöst. 

Dieses Selbstporträt ist nicht nur bunt, sondern es präsentiert sich in regelrechten Knallfarben und es spiegelt damit so gut wieder, was zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben los war: Eine Zeit des Umbruchs und der Neufindung, ein Aufstehen und Erwachen, ein aus der Verzweiflung geborenes Ja zu mir, eine Explosion meines Seins. Ein Mich-Zeigen-Wollen und ein Gesehen-Werden-Wollen. Es steckt so viel Energie für mich in diesem Foto, so viel Kraft und eine für mich sehr typische trotzige Hoffnung. Auch wenn es mich nicht gerade „realistisch“ darstellt, kommt es einer meiner Realitäten näher als jedes naturalistische Porträt. 

Ich liebe dieses Bild für alles, wofür es steht. Und genau das ist das, was mich so sehr daran fasziniert, achtsame Porträts zu machen: Sie sind so viel mehr als Momentaufnahmen. Sie sind weit mehr als Erinnerungen. Sie sind ein direkter Draht zu Teilen in uns, zu Gefühlen und Ressourcen, die wir manchmal leider wieder verlieren, aber durch das Anschauen der Bilder unmittelbar wiederfinden können. 

 

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