Unterwegs sein – eine Metapher fürs Leben?!

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Unterwegs sein – eine Metapher fürs Leben?!
Ich bin gerade unterwegs und stelle wieder einmal fest, dass es manchmal sehr seltsam mit dem Reisen ist: Da landet man zum Beispiel ganz woanders, als man eigentlich hin wollte und kommt trotzdem an. Oder man bleibt auf dem Weg irgendwo stecken und ist dennoch ein großes Stück vorangekommen. Manchmal muss man erst ganz weit weg, um zu sich zu finden – und manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. 
 
Einige von Ihnen wissen es schon: ich bin gerne unterwegs. Das war ich immer schon, aber heute noch mehr, denn ich bin mir des Unterwegseins und was es ausmacht viel bewusster geworden. 
 
Früher ging es mir beim Reisen darum, an einem bestimmten Ort zu kommen, also ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ich erhoffte mir jeweils etwas davon oder tat es, weil es eben dazu gehörte, ich wollte etwas besuchen, fotografieren oder dort etwas bestimmtes machen. Ich plante meine Reisen und Ausflüge meist sehr genau und legte viel Wert darauf, alles im Griff zu haben. 
 
Tja, so reise ich schon lange nicht mehr. Heute habe ich viel weniger das tatsächliche Ankommen im Sinne, sondern eben das Unterwegssein. Viel zu oft wurden nämlich meine schönen Pläne durchkreuzt oder Touren endeten ganz woanders als angedacht. Zu oft musste ich warten, verschieben oder Reiserouten ändern. Und oft genug erreichte ich auch nicht das, was ich anvisiert hatte. 
 
Kann es ein besseres Sinnbild für das Leben geben, als unterwegs zu sein? Genau das, was ich auf meinen Reisen erlebe, findet auch in meinem Leben statt und das dürften viele kennen, nicht wahr? Diese Erfahrungen lassen mich zu der Erkenntnis kommen, dass es auch im Leben viel weniger um Ziele geht, als darum, unterwegs zu sein – unterwegs im Sinne von offen für das, was kommt und unterwegs im Sinne von beweglich.
 
Wirklich unterwegs zu sein, heißt für mich mehr und mehr, nicht mehr so viel zu planen und viel weniger meine eigenen Erwartungen und Vorstellungen umsetzen zu wollen, als viel mehr mich einzulassen, anzunehmen und zu staunen, über das was sich mir jenseits meiner Pläne alles offenbart. Wirklich unterwegs zu sein ist für mich eine Art geworden, das Leben zu lieben, so wie es ist.

4 Kommentare

  1. Schöner Artikel! Passend dazu das bekannte Sprichwort: Der Weg ist das Ziel…
    Das Leben ist eine Reise, daran müssen wir uns immer wieder erinnern- gerade in Zeiten in denen wir von einem Ziel zum nächsten hetzen.

    Liebe Grüße
    Vanessa

  2. Ja liebe Tania, das unterwegs sein spricht mich auch sehr an … und es ist oft begleitet von dem Gefühl, angekommen an einem bestimmtrn Ort, wieder Sehnsucht nach weiter ziehen zu entwickeln

  3. Seltsam berührt bin ich nach deinem Beitrag, Tania, denn mir ging es genau umgekehrt. Das sit ungewohnt für mich, weil du meist ausdrückst, was auch ich empfinde. Diesmal also anders.

    Ich war früher begeisterter Tagträumer, Drauflosreisende, neugierig und süchtig nach dem was es Neues zu erleben, begucken, befühlen, kennenzulernen gab. Gerade jetzt aber bin ich nach einer Phase, wo meine Kreise durch äußere Zwänge sehr überschaubar und doch nicht weniger intensiv waren, wieder dabei, größere, entferntere Ziele anzuvisieren. Aber meine schmerzlichen Erfahrungen lassen mich vorsichtiger, geplanter, kontrollierter reisen. Früher wollte ich alles und noch mehr in kurzer Zeit in mich aufsaugen, so als hätte ich nur noch Tage zu leben – Unvorhersehbares war ein besonderer Kick, Umplanungen habe ich genossen. Heute suche ich die Details, reise im Zielland kleinräumiger, erobere mir fremdes Terrain am Liebsten zu Fuß, zu Pferd, per Rad. Bin entschleunigter unterwegs, weil ich mit Reizüberflutung nicht mehr umgehen kann, und nehme dadurch trotzdem viel mehr und viel intensiver als früher wahr.

    Offen bleiben für Unvorhersehbares, das ist geblieben. Und immer wieder das schöne Gefühl, nach einer Reise wieder ins Vertraute, nach Hause zu kommen. Denn so schön es ist, unterwegs zu sein, so gut tut das Auftanken, ausruhen und reflektieren von Eindrücken nach einer Reise.

    Und reisen wir nicht jeden Tag ein Stück weit ins Ungewisse? Das konnte ich früher nicht sehen – da war Alltag und Routine einfach nur anstrengend auszuhalten. Heute erkenne ich auch in diesen Wegstrecken auf jedem Zentimeter Neues, Erstaunliches, Schönes.

    Aber bei allen Unterschieden stimme ich dir in deinem Schlußsatz wieder von Herzen zu!

  4. Herzlichen Dank für Eure Kommentare.

    „Und reisen wir nicht jeden Tag ein Stück weit ins Ungewisse?“ … – ja, ich denke, dazu zu erkennen und nicht Angst davor zu haben, sondern es anzunehmen, genau darum geht es.

    Liebe Grüße an alle,
    Tania

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