Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.
Dankbarkeit als Kraftquelle
Dankbarkeit ist etwas Wundervolles – sie stärkt, sie nährt und sie macht reich. Dankbar zu sein, schenkt uns einen positiven Fokus und sie lässt uns das schätzen, was wir haben und was ist. Dankbarkeit ist für mich einer der magischen Schlüssel zu Zufriedenheit.
Wir alle haben unendlich vieles, worüber wir dankbar sein können, manches ist uns bewusst, anderes nicht. In einer Zeit, in der immer mehr als vollkommen selbstverständlich genommen wird (es aber deshalb eben noch lange nicht ist!), gerät die Dankbarkeit oft ins Abseits. Dort sitzt sie dann geduldig und wartet auf ihre Zeit, bereit jederzeit all das zu geben, was sie zu geben hat.
In schweren Zeiten, die uns viel kosten, scheint sie uns manchmal kaum erreichbar. Übermäßige Anforderungen, Stress, Druck und das Gefühl, das einfach alles zu viel ist, führen genau wie große Verluste dazu, dass es schwer fällt, dankbar zu sein. Dabei bräuchten wir dieses Gefühl gerade in solchen Zeiten als Kraftquelle mehr denn je.
Ich erlebe in diesem Jahr beides – ich habe viel loslassen müssen und ich hatte (zu) viel zu leisten, so dass ich immer wieder auch ins Hadern rutschte und ins Nein. Aber ich weiß über die Strickleiter, die mir aus den Löchern hilft, ich weiß über die Möglichkeit, wieder Wärme zu spüren in mir und ein Licht zu haben, das mich begleitet. Ich weiß, dass die Kraft zum Weitermachen in ihr liegt und dass ich mir von ihr umarmen lassen kann, um mich gehalten und geborgen zu fühlen.
Ja, manchmal ist der Weg zur Dankbarkeit scheinbar zu weit, tatsächlich aber ist er es nur, weil wir nicht innehalten. Wir rennen, weil wir eh am rennen sind oder weil wir den Stillstand fürchten, mit all dem, was er an Schmerz fühlbar macht. Doch erst im Innehalten können wir sie wiederfinden und dann ist sie da für uns mit all dem Trost und der Liebe, die sie uns schenkt: die Dankbarkeit.

Ein Spruch für jede Gelegenheit?
Hier mal schnell einen tollen Spruch gepostet, da mal einen Satz abgeschrieben und dann noch schnell ein Zitat zum Besten gegeben… – ob nun in Blogs, bei Facebook, auf unserer Pinnwand daheim oder in Gesprächen, Weisheiten in Spruchform erfreuen sich großer Beliebtheit.
Auch ich bin ein Fan von klugen Aussagen, aber ich gehe inzwischen sehr achtsam mit ihnen um. Während ich früher rasch alles sammelte, was mir treffend erschien und es dann auch weiter verbreitete oder Texte dazu schrieb, nehme ich mir heute mehr Zeit, wenn ich auf einen Spruch treffe, der meine Aufmerksamkeit gewinnt. Ich spüre viel bewusster nach, was für eine Aussage eigentlich für mich in dem Satz steckt und was diese mit mir macht. Mehr noch: Ich schaue immer öfter auch mal, was ich eigentlich schon so für Zitate und Sprichwörter in mir angesammelt habe und ob ich diese eigentlich immer noch glaube und ob ich sie noch immer in meinem System haben möchte.
Denn: Nicht jeder Spruch ist nährend oder fördernd! Nicht alles, wozu ich spontan nicke, ist auch wirklich gut für mich.
Gerade bei Zitaten, die von allen geteilt werden und die irgendwie jeder kennt, lohnt es sich, noch einmal genau hinzuspüren. Ich denke, es gilt generell gut aufzupassen, womit man sich füttert oder wozu man zustimmt, ob das nun Bücher, Artikel, Filme oder ähnliches betrifft. Aber gerade knackige Zitate bleiben uns meist lange erhalten, ja, oft haben wir sogar für immer im Gedächtnis und von dort wirken sie auf uns.
Hier zu diesem Thema noch drei Denkfragen zum Hinfühlen:
- Welche Sprichwörter oder Sprüche leiten mich – und ist das gut für mich?
- An welche Aussagen glaube ich – und ich will das weiter tun?
- Welche Zitate sprechen mich an – und was machen sie mit mir?

Warum hast Du denn nichts gesagt?
Wie oft ich schon gefragt wurde, warum ich denn nichts gesagt habe oder warum ich den Mund nicht aufgemacht habe oder warum ich mich nicht eher beschwert habe… Meist schwingt etwas Vorwurfsvolles darin und ja, ich sehe ein, dass das eine Schwäche von mir ist: nicht immer gleich zu wissen, was ich will, was ich kann, was ich brauche – und vor allem was nicht.
Klarheit ist etwas Tolles. Mit Klarheit weiß man genau, wo es lang geht und man kann wunderbar Entscheidungen treffen, Ansichten formulieren, Grenzen setzen und dergleichen mehr. Menschen mit Klarheit wird nie vorgeworfen, nichts gesagt zu haben, sie können ja benennen, was sie wollen. Ich wollte immer gerne Klarheit, hätte ich auch heute gerne noch. Nicht nur für mich selbst wäre dann vieles einfacher, sondern natürlich auch für andere.
Aber so bin ich nicht. Je achtsamer ich mit mir selbst umgehe, desto besser verstehe ich, wie schwierig für mich klare Aussagen oder Entscheidungen sind. Warum? Weil ich das Meiste im Leben als ziemlich oder sogar sehr komplex empfinde, das Außen und erst recht das Innen.
Klarheit hat etwas von diesen Fahrbändern auf Flughäfen, mit denen man plötzlich und ohne jede Mühe schneller vorankommt. Tja, aber in meinem Leben gibt es kaum solche Fahrbänder, dafür viel unwegsames Terrain mit unzähligen von Seitenwegen, Schlenkern, Steigungen und Senken und ziemlich viel Dschungel.
All die vielen hunderte von Entscheidungen, die man so täglich trifft, sind deshalb schon schwierig genug (ich kann ungelogen minutenlang vor einem Jogurt-Regal stehen, unfähig mich zu entscheiden), aber da hat ja auch nicht jede Entscheidung umfassende Folgen (im schlimmsten Fall schmeckt mir der Jogurt nicht und ich kaufe ihn halt nicht wieder…). Wirklich schwierig wird es bei den größeren Fragen, vor allem dann, wenn auch noch andere beteiligt sind.
Ich weiß inzwischen, dass ich viel Zeit brauche, weniger dafür eine Sache zu durchdenken (da bin ich ziemlich fix), aber ich brauche Zeit und auch Raum, um sie wirklich durchfühlen zu können. Und genau auf meine Gefühle zu einer Sache kommt es an, wenn ich für mich Klarheit finden möchte.
Mein Verstand ist einem dieser Bewegungsbänder sehr ähnlich, denn er ist ganz schnell dabei, Aussagen zu machen oder Entscheidungen für mich zu treffen, ohne dabei wirklich auf mich zu achten. Er richtet sich auf andere aus, auf zu erfüllende Erwartungen, auf Bilder, denen er entsprechen will, auf mögliche Erfolge. Er sucht nach Anhaltspunkten für logische und schlaue Entscheidungen und sagt schneller „Ja!“ zu etwas als ich selbst überhaupt realisieren kann, was da gerade geschieht. So fahre ich dann ein ganzes Stück auf ihm mit und bekomme erst nach einer Weile mit, dass ich inzwischen woanders bin, vielleicht wo ich gar nicht sein möchte. Und wenn ich dann rufe: Hey, hier wollte ich doch gar nicht hin, kommt ein „Na, warum hast Du denn nichts gesagt?“
Mein Verstand wirkt oft so klar, ohne es aber wirklich zu sein, denn an ihm hängt ja auch noch der Rest von mir: diese wild wuselnde, sich ständig verändernde, in sich oft widersprüchliche Ansammlung von Gefühlen, Bedürfnissen, Ideen, Anliegen, Wünschen und Träumen, die in mir ein mehr als buntes, unsortiertes und wechselhaftes Dasein führt.
Ich habe wahrscheinlich in meinem Leben oft viel zu schnell ja oder eben auch nichts gesagt, einfach weil ich es nicht konnte und damit habe ich sicher oft andere vor den Kopf gestoßen. Das war nie meine Absicht und ich stieß mich damit selbst genauso vor den Kopf, weil ich erst später merkte, eigentlich alles ganz anders ist… Ich war mir zu dem jeweiligen Zeitpunkt einfach nicht bewusst über ganz vieles in mir und hatte vielleicht nicht mal eine Ahnung von den Gefühlen, den Bedürfnissen, der Angst oder was auch immer sich dann später zeigte und ein Mitspracherecht in der Angelegenheit forderte. Das alles kann ich oft erst spüren, wenn ich zur Ruhe komme und vor allem zu mir selbst.
Ich versuche heute, mir für Entscheidungen und auch für Äußerungen Zeit zu nehmen, indem ich so etwas sage, wie: „Da muss ich erstmal reinfühlen.“ Das versteht nicht jeder, aber das ist nicht schlimm. Und, ja, immer noch sage ich zu oft nichts – aber auch das ist ok, denn ich verstehe inzwischen, warum es so ist.
Buchtipp: Rendezvous mit einem Oktopus
Rezension: „Rendezvous mit einem Oktopus: Extrem schlau und unglaublich empfindsam. Das erstaunliche Seelenleben der Kraken“ von Sy Montgomery. – mare, 2017 – ISBN: 9783866482654. – 336 S. – ca. 28,- EUR – gebunden
Manchmal entdeckt man ein Buch, bei dem man vom ersten Moment an weiß, dass es etwas ganz Besonderes ist. So ging es mir mit „Rendezvous mit einem Oktopus“. Ich entdeckte es beim Stöbern, nahm es in die Hand und wusste sofort, dass ich es nicht mehr hergeben würde.
Worum es geht? Um Oktopoden, also um Kopffüßler oder auch Kraken genannt. Ich gebe zu, dass sich da die Frage stellt, warum ich ein Buch über Oktopoden auf einer Seite zum Thema „Achtsamkeit“ vorstelle. Ich bespreche es hier, weil dieses Buch für mich ein wahres Vorzeigewerk in Sachen Achtsamkeit ist.
Sy Montgomery nimmt uns von der ersten Zeile an die Hand und führt uns in eine – für die meisten wohl – unbekannte Welt, die aber eben doch auch die Welt ist, in der wir leben. Mit einer zutiefst berührenden Begeisterung und Liebe zu Kraken (und vielen anderen wunderlichen Wesen) sensibilisiert sie uns dafür, dass unser menschliches Sein nur eines von vielen ist und wie bereichernd es ist, sich mit den Spielarten des Lebens zu befassen. Sie lässt uns ganz intensiv teilhaben an ihren eigenen Erlebnissen und Begegnungen, die sie mit ganz verschiedenen Kraken hatte und die sie nicht nur berührten, sondern auch veränderten.
Ich bin voll und ganz eingetaucht in dieses Buch. Ich habe beim Lesen gelacht, gestaunt, gelitten und geweint. Fast kommt es mir vor, als hätte ich selbst die Kraken gestreichelt – Anthea, Oktavia, Kali und Karma – und ihre Saugnäpfe auf meiner Haut gespürt. Ich habe unglaublich viel gelernt – über Meeresbewohner und ich über mich selbst – und ich habe einmal mehr begriffen, dass es so viel mehr gibt zwischen Himmel und Erde als uns Menschen und dass alles auf unserem Planeten ein Wunder ist.
Fazit: Eine Horizonterweiterung der anderen Art und ein Buch gelebter Achtsamkeit.
Jetzt portofrei bestellen bei buecher.de

Aus der Zeit gefallen
In diesen Wochen und Monaten erlebe ich etwas, das für mich früher im Wesentlichen eine poetische Formulierung einer seltsam faszinierenden Idee war, von dem ich aber nun weiß, dass es tatsächlich ganz real sein kann: Ich falle immer mal wieder aus der Zeit.
Ich erinnere mich daran, dass ich mal ein durch und durch organisierter Mensch war. Ich hatte ein exzellentes Zeitmanagement, wusste immer ziemlich genau im Voraus, was wie lange dauern würde und plante für Unvorhergesehenes immer genau so viel Zeit ein, dass mich in Sachen Zeitplanung eigentlich nicht viel überraschen konnte. Ich war wie ein guter Buchhalter: Immer im Kopf habend, wie viel Zeit mir zur Verfügung stand, berechnete ich ganz automatisch, was zu schaffen war oder wann ich starten müsste, um zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmte Sachen zu erreichen.
Diese Fähigkeiten habe ich bis heute nicht verloren, ich kann das noch immer: planen und organisieren und allerhand schaffen. Manchmal, jedenfalls. Denn manchmal lebe ich auch in einer ganz anderen Welt.
Kennen gelernt habe ich diese Welt durch einen Menschen, der dort zu Hause ist und dessen Hand ich beherzt ergriff, um mit ihm dort sein zu können – in einer Welt, in der Zeitplanung ein doppeltes Fremdwort ist, weil beides keinen Sinn macht. Zeit vergeht dort nicht, Zeit ist einfach, so wie zum Beispiel auch Luft einfach da ist. Genau wie man das Atmen nicht planen muss, muss man auch das Sein nicht planen, sondern es geschieht einfach. Zeit ist dort kein Maß, sondern ein Element, in das man eintauchen kann wie in Wasser.
Nun sind das zwei sehr unterschiedliche Welten: die, in der man für Planung und Organisation belohnt wird und die, in der das alles nicht zählt. Einige Zeit verwirrten mich die Weltensprünge. Die Formulierung „aus der Zeit zu fallen“ trifft ganz gut das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren und die vertraute Sicherheit meines durchgetakteten Lebens, als ich plötzlich auch mal zu spät kam oder Aufgaben vergaß oder einfach nicht machte. Aber es ist eigentlich kein Sturz, sondern viel mehr ein Gleiten. Es fühlt sich immer besser an, mich einzulassen auf diese ganz andere Form der Wahrnehmung und Existenz als die, die uns allen so normal erscheint. Und es hat für mich sehr viel mit Achtsamkeit zu tun, zu erkennen, dass es eben mehr als das „Normale“ gibt.
Wenn ich aus der Zeit falle, dann fange ich mich selbst auf, ganz sanft. Ich halte und wiege mich und spüre nach, wie es mir gerade geht. Ich erfühle, was mir fehlt und was ich brauche und was mir gut tut. Es geht dann nicht mehr um das Außen und darum, im Außen zu funktionieren oder gar erfolgreich zu sein, sondern es geht um das Innen und darum, ganz intensiv das zu leben, was ist. Ich bin eine Weltenwandlerin geworden und das sehr bewusst, denn beides scheint wichtig zu sein für mich. Mag sein, dass ich dadurch weniger leistungsfähig bin, aber dafür reicher, … sehr viel reicher.
Magische Momente
Mit dem Herbst kann ich morgens wieder in den Tag gleiten: Es ist noch früh und ich sitze mit meiner Tasse Tee auf dem Sofa. Ich habe kein Licht an, sondern erlebe, wie die Dämmerung langsam den Tag einleitet. Den Rechner lasse ich noch aus und schaue einfach nur ein Weilchen hinaus in das werdende Licht. Magische Momente sind das für mich.
Magische Momente lassen sich überall erleben, immer dann, wenn ich mich ganz einlassen kann auf das, was gerade ist. Sie fallen mir leichter, wenn ich allein bin, zum Beispiel am Meer oder mit dem Blick auf ein weites Tal. Aber ich kann sie auch in einem Café erleben oder wenn ich auf den Bus warte oder eben am Morgen auf meinem Sofa.
Magische Momente sind solche, in denen ich einfach nur bin und wahrnehme, was ist. Dann wird Achtsamkeit ein bisschen so wie Wasser: Ich kann mich in sie sinken lassen, in ihr liegen oder mich auf ihr treiben lassen. Je mehr ich mich öffne, desto bewusster wird mir, wovon ich alles umgeben und wovon ich durchzogen bin – Luft, Stimmung, Licht, Geräusche, Gefühle, Gerüche, Farben, Gedanken, Formen und vieles mehr.
Durch dieses bewusste Öffnen nicht nur für mein Inneres, sondern vor allem auch für das Außen, entsteht die eigentliche Magie: Ohne aktiv zu werden, ohne irgendwo mitmachen oder etwas tun zu müssen, verschwindet die Grenze zwischen mir und der Welt und alles wird eins.
Mit jeder Faser spüre ich dann, wie gut es ist zu fühlen – ALLES zu fühlen, was da ist: All die vordergründigen Themen und Gefühle, die winken und hüpfen, damit ich sie wahrnehme, durch sie schwimme ich wie durch Seetang und lasse sie hinter mir. Mit der Tiefe kommen immer gewichtigere Empfindungen und Eindrücke – bewegende und neutrale, schöne und schmerzhafte, meine und die von anderen. Ich lasse auch sie fließen und mich in ihnen. In diesen magischen Momenten geht es nicht darum zu ergründen, ich muss nichts verstehen oder bearbeiten, ich brauche keine Antworten oder Lösungen. Ich bin einfach nur und alles ist, was ist.
Das Leben wiegt mich in solchen Augenblicken.

Den richtigen Fokus wählen
Was wäre, wenn …
Was wäre, wenn ich vieles etwas etwas anders machen würde, als ich es gerade tue?
Was wäre, ich wieder Bilder malen würde, auch wenn sie keiner will, einfach weil so vieles aus mir heraus möchte und was, wenn ich auch sonst viel mehr von dem tun würde, das scheinbar nutzlos ist, mir aber Freude macht und mich erfüllt?
Was, wenn ich viel öfter tanzen würde statt zu herumzustehen oder ganz ruhig zu gehen und was, wenn ich auch mal singen würde, nur für mich?
Und was, wenn ich endlich die schrillen Hüte und bunten Kleider tragen würde, die ich so schön finde und sie stolz zu zeigen als Ausdruck meiner selbst?
Was wäre, wenn meine Liebe wieder furchtloser, frecher und unbeirrbarer wäre und ohne die Trägheit und die Schwere, die der Alltag oft mit sich bringt?
Was wäre, wenn ich wilder wäre, viel wilder als jetzt? Und was, wenn ich zu Dir sagen würde: Pack deinen Koffer und wir rennen einfach los?
Was wäre, wenn ich mich selbst nicht immer und immer wieder neu verlieren würde und so viel Zeit und Kraft brauchen würde, mich wieder zu finden, sondern meine eigene Hand dauerhaft festhalten könnte, um immer bei mir zu bleiben?
Und was, wenn ich zum Beispiel weniger am Rechner sitzen und dafür wieder mehr ins Leben springen würde? Was, wenn ich nicht so oft so müde wäre und wieder weniger Angst vor allem Möglichen hätte? Was, wenn ich meiner Zuversicht mehr glauben würde als meiner Furcht und weniger Bedenken in mir wären und dafür mehr Mut?
Was wäre, wenn ich trotz oder vielleicht sogar wegen all meiner Wunden ganz offen bleiben könnte, weil ich weiß, dass sie dazu gehören und ich mit ihnen leben kann?
Was, wenn ich mein Herz wieder weit, weit hinauf in den Himmel werfen würde, egal ob blau oder grau, auch im Regen und im Sturm, einfach weil ich weiß, dass es fliegen kann und fliegen will?
Ja, wie wäre das, wenn ich viel mehr meiner Lebenslust und Lebensfreude die Zügel überlassen würde? Was, wenn ich weniger träumen und so vieles nur in mir leben würde, sondern alles in mir hinaus ins Leben bringen würde?
Wie sähe mein Leben aus – … und wie Deines?

Die Unterschiedlichkeit der Tage
Ich spüre gerade sehr bewusst in diese Tage hinein und nehme ihre Unterschiedlichkeit wahr. Dass verschiedene Tage verschiedene Stimmungen haben, dürfte ja so ziemlich jeder von sich kennen. Aber sie unterscheiden sich für mich in noch viel mehr Punkten.
So haben Tage für mich zum Beispiel verschiedene Farben. Sie sind nicht nur hell und dunkel, sondern es gibt auch blaue und gelbe und rote. Gestern war ein goldener Tag und es gibt auch silberne, graue und schwarze. Und manchmal gibt es bunte Tage, die sind besonders lebendig. Und es gibt auch blasse Tage, manchmal farblose und hin und wieder sogar einen durchsichtigen Tag.
Jeder Tag hat auch sein eigenes Gewicht. Manch ein Tag wiegt schon vom frühen Morgen an so schwer, dass ich mich frage, wie ich ihn tragen soll. Andere Tage sind hingegen so leicht, dass ich an ihnen von ganz alleine fliegen kann. Ein schwerer Tag kann auch leichter werden und umgekehrt. Manchmal ist das Gewicht erdend, manchmal drückend und manch ein leichter Tag führt dazu, ganz haltlos herumgewirbelt zu werden.
Sie können auch klingen, die Tage… – klar wie Glöckchen oder tief wie ein Kontrabass. Manche von ihnen dröhnen, andere zwitschern und wieder andere rauschen. Manche Tage singen, manche brummen und wieder andere sind stumm.
Für diejenigen, für die das vielleicht alles ein bisschen schräg klingt: Lassen Sie sich doch einmal auf den Gedanken ein, dass nicht nur unsere gängigen Beschreibungen zutreffend sind, sondern dass wir unseren ganz persönlichen Empfindungen Ausdruck verleihen können, indem wir für uns stimmige Bilder finden. Ich liebe es, mich in Bildern auszudrücken, nicht nur, um mit anderen darüber zu reden, sondern um ein Gefühl, einen Zustand oder ein Irgendetwas besser für mich selbst zu begreifen und zu ergründen.
Wenn ich den zum Beispiel gestrigen Tag beschreiben soll, so war er wie eine kleine Träne aus purem Gold für mich. Getränkt in das schwere, melancholische Frühherbstlicht, das mein Herz immer auf eine besondere Art berührt, schwangen Trauer in ihm und Abschied. Gleichzeitig klang er wie das schrille Rufen der Schwalben, die unruhig werden, denn sie wissen, es ist Zeit, sich auf die Reise zu machen. Und so war dieser Tag schwer und leicht zu gleich und ich konnte in seinem Gewicht schwimmen wie in einer wechselwarmen Strömung.
Und nun spüren Sie doch immer wieder einmal in sich: Wie erleben Sie Ihren heutigen Tag? Wie können Sie ihn bildhaft beschreiben? Und was macht es mit Ihnen, wenn Sie das tun?
Das achtsame Porträt: Illusion und Transformation
Diesen wundervollen Erfahrungsbericht über ein Selbstfindungscoaching bei mir hat Marlitt Wendt verfasst und ich darf es hier auf meiner Seite mit Ihnen teilen. Marlitt hat tapfer den Krebs bekämpft und überwinden und ich durfte sie an einem sehr entscheidenden Punkt der von ihr gelebten Transformation fotografieren. Diese Arbeit ist etwas ganz Besonderes und die Arbeit mit Marlitt hat mich tief berührt und bereichert.
„Einen Abschluss finden. Von einer schwierigen Lebensphase durch die Krebsdiagnose, Chemo und Bestrahlung ebenso wie von der Illusion der eigenen Unsterblichkeit. Das Leben spielt sich auf so vielen verschiedenen Ebenen ab, es ist ein ständiger Transformationsprozess von einer Zustandsform zur nächsten, von einem Lebensabschnitt zu einem anderen. Gerade Zwischenphasen, in denen eine Epoche abgeschlossen ist und eine andere noch nicht wirklich begonnen hat, sondern sich Körper und Seele neu finden und auf das Neue einstimmen, sind für mich persönlich von großer Bedeutung.
So habe ich mir diesmal einen großen Wunsch erfüllt, indem ich mich von Tania Konnerth fotografieren lassen habe und mit ihr gemeinsam so viele unterschiedliche Facetten meiner Selbst entdeckt habe. Ihre achtsame Fotografie ist eine ganz besondere Art der Kunst. Durch Perücken, Hüte, aber auch durch ihre wundervolle Fotobearbeitungen haben wir auch dort die Themen Illusion und Transformation wiedergefunden – und ich habe ganz viele Ichs entdeckt. Solche die eine Illusion meiner Selbst sein könnten, solche die einen Rückblick in die Vergangenheit erlaubten, solche die einen kleinen Fetzen einer noch nicht greifbaren Zukunft bedeuteten und solche, die einfach real sein könnten. So real oder irreal wie das Leben nun einmal ist. Vielen Dank für diese wunderbare Erfahrung und die großartigen Bilder, liebe Tania, sie bedeuten mir sehr viel. Du bist eine wahre Künstlerin! Fantastisch!
LG,
Marlitt








