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Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Ganz bei mir

Gepostet von am Apr. 21, 2015 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | Keine Kommentare

Ganz bei mir

Es ist ein früher Morgen, die Welt draußen erwacht langsam. Zaghaft singen einige Vögel, noch etwas müde, um die aufgehende Sonne zu begrüßen.  

Ich bin mir heute ganz nah aufgewacht, bin ganz bei mir. Ich bin ganz hier an diesem Frühlingstag, bin ganz hier in in meinem Gefühl und meinem Sein. Das ist kostbar.

Was nehme ich wahr, wenn noch nichts an mir zerrt oder zieht? Was ist in mir, wenn da noch keine lauten Stimmen, keine Forderungen, keine Vorgaben das Ureigene in mir übertönen? Welche Impulse, Ideen und zarte Pflänzchen spüre ich ohne all die „Ich sollte’s“ und „Ich müsste’s“? Welche Türen stehen offen, wenn ich achtsam schaue und nicht einfach losrenne, um zu funktionieren? Was steht heute wirklich an für mich?

Wie kann ich mir diesen Moment noch ein bisschen bewahren und wie kann ich etwas davon in den Alltag nehmen?

Wie kann ich gut für mich sorgen, heute?

Ich darf…

Gepostet von am Apr. 16, 2015 in Alle Beiträge, Hochsensibilität, Ich mit mir | 6 Kommentare

Ich darf…

Ich schenke mir zwei Worte:

„Ich darf…“ 

Ich darf traurig sein. Ich darf verwirrt sein. Ich darf nein sagen. Ich darf Angst haben. Ich darf mich zurückziehen. Ich darf auch mal aufgeben. Ich darf loslassen. Ich darf leichter werden. Ich darf auch mal laut sein. Ich darf meinen eigenen Weg gehen. Ich darf träumen. Ich darf lachen, trotz allem. Ich darf schwarzmalen und buntsprühen. Ich darf für mich da sein. Ich darf auch mal ungehalten sein. Ich darf sagen, was ich denke. Ich darf auch mal doof sein und ich darf auch mal jemanden doof finden. Ich darf fühlen, was in mir ist. Ich darf auch mal unbequem sein. Ich darf Grenzen setzen. Ich darf mich zeigen. 

Ich darf sein. 

In mir gab (und gibt es noch immer) viele Verbotsschilder – Tu das nicht …, mach jenes nicht…, wage nur ja nicht …, komm‘ erst gar nicht auf die Idee … und so weiter und so fort. Es war bisher so vieles „Voll verboten“, dass ich mich eigentlich kaum bewegen konnte, ohne nicht gegen irgendetwas zu verstoßen oder falsch zu machen. 

Warum das so war? Wahrscheinlich weil ich auf diese Weise zu kontrollieren versuchte – einmal mich selbst, aber auch andere und vor allem wohl das Leben. Ich dachte, wenn ich alles richtig mache, also gegen kein Verbot verstoße, wird alles gut und so legte ich mir endlos viele Regeln und Gebote auf. Durch all die Verbote wurde ich vor allem eines: immer härter. Härter, aber leider nicht stark, denn ich entfernte mich immer mehr von mir selbst. Und unter Kontrolle hatte ich noch lange nichts. 

Heute stehe ich da und halte meine zwei neu gefundenen Worte „Ich darf“ hoch wie eine Fackel. Vielleicht ein bisschen trotzig, vor allem aber mit einem immer deutlicher werdenden Mitgefühl mit mir selbst sage ich mir: ich darf. Und ich spüre, dass ich in all der Verwirrung, die diese zwei Worte auslösen, weicher werde und lebendiger und auch stärker. Denn es wächst etwas in mir: eine Art Gewissheit, eine Portion Gelassenheit, ein neues Selbst-Vertrauen.

Ja, ich darf!

Grenzen setzen und Achtsamkeit

Gepostet von am Apr. 7, 2015 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Hochsensibilität, Ich mit mir, Ich und andere | 8 Kommentare

Grenzen setzen und Achtsamkeit

Wie ich es schon in meinem aktuellen Newsletter schrieb: Das Thema, das sich mir zur Zeit auf allen Ebenen zeigt lautet „Grenzen setzen“. Und bisher war mir nicht klar, wie viel dieses Thema mit Achtsamkeit zu tun hat.

Das klingt so selbstverständlich: „anderen Grenzen setzen“ oder „für sich selbst einstehen“. Was aber, wenn man gar nicht genau weiß, wo die eigenen Grenzen sind, wo man eigentlich anfängt und wo man aufhört?

Mir wird bewusst, dass ich mir das Gefühl für mich selbst tatsächlich erst erarbeiten muss – oder sollte ich besser sagen „erlauben“?

Wenn ich mich z.B., so wie ich es im Normalfall ganz automatisch tue, auf andere Menschen ausrichte, dann weiß ich recht genau, wo diese Menschen stehen, was sie möchten und erwarten. Ich habe einen sehr detaillierten Überblick über das, was um mich herum geschieht und über die Stimmungen, die gerade da sind und vieles mehr. Aber ich habe oft KEINE Ahnung von mir selbst oder meinen Bedürfnissen oder was das alles um mich herum mit mir macht. Mein Fokus liegt im Außen, bei den anderen und darauf reagiere ich. Folgerichtig beachte ich die Grenzen anderer, aber ich lasse es zu, dass andere über meine gehen, ja mehr noch, ich lade andere geradezu dazu ein und merke es nicht einmal.

Der erste Schritt ist also auch hier, bei mir zu bleiben. In mich zu fühlen und wahrzunehmen, wo ich gerade stehe, was um mich herum geschieht und was das mit MIR macht, um ein Gefühl für den Raum zu bekommen, den ich brauche (und damit auch eine Vorstellung von Grenzen, die ich dann setzen muss). Ich richte mir dazu gerade eine Art inneres Stopp-Schild ein, vor dem ich immer wieder stehen bleibe und innehalte, um mich zu fragen: Was ist jetzt gerade – um mich herum, aber vor allem in mir? Wie fühle ich mich gerade jetzt in diesem Moment, so wie ich hier bin? Was nehme ich von mir wahr? Und wie kann ich in meinem Sein bleiben (und eben nicht (aus)weichen, nicht flüchten, nicht verschwinden)?

Reinspringen!

Gepostet von am März 26, 2015 in Alle Beiträge | 5 Kommentare

Reinspringen!

Zur Zeit schwelge ich in kreativen Inspirationen. Ich bin auf Zeichen- und Illustrationstechniken gestoßen, die mich näher an meinen großen Traum heranbringen: einmal ein Bilderbuch für Kinder zu machen. Ich recherchiere und schaue und finde und entdecke und bin ganz erfüllt von all den schönen Dingen, die Menschen erschaffen und die möglich sind. 

Schon immer hat mich der Reichtum an Inspirationen begeistert, schon immer konnte ich mich in anregenden Möglichkeiten regelrecht verlieren.

Eine Gefahr dabei ist, nur Zuschauer zu bleiben. Also zu gucken, zu staunen und immer weiter zu blättern oder auf Links zu klicken – ohne aber selbst etwas zu tun. Gerade weil es so unendlich viel Schönes gibt, geht es mir oft so, dass eine Stimme in mir sagt: „Du glaubst ja wohl nicht, das besser zu können, oder?“ oder „Siehst du, gibt es alles schon, lass es also einfach sein und mach was Vernünftiges!“ … 

„Vernünftig“, wie ich dieses Wort hasse! Ich war mein ganzes Leben lang viel zu oft vernünftig. Und viel zu selbstkritisch. Vernunft und Selbstkritik sind exzellente Mittel, sich in seinem kreativen Tun (und auch allgemeinen Sein!) auszubremsen und sich lieber dem zuzuwenden, was man sicher kann (… in meinem Fall Sachtexte schreiben). 

Ich glaube, es ist an der Zeit für eine kleine Rebellion: Schluss mit der Vernunft, Schluss mit dem ewigen Zweifeln und vor allem: keine Angst mehr! Ich will springen, mitten hinein in die kreativen Inspirationen. Ich will tage- und am liebsten wochenlang abtauchen und leben in Farben und Formen und meiner Lust, Schönes zu erschaffen, freien Lauf zu lassen. Ich will selbst tun, nicht nur bewundern. Ich will mich verausgaben in meinem Tun und von mir aus auch scheitern, Hauptsache ich MACHE! Endlich nicht länger nur träumen von dem, was möglich wäre, sondern loslegen. 

Also – Rechner aus und loslegen, JETZT!!!

Kratzer im Lack

Gepostet von am März 17, 2015 in Alle Beiträge | 2 Kommentare

Kratzer im Lack

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Phänomen das Leben von so vielen von uns ganz entscheidend beeinflusst: und zwar die Angst vor Kratzern im Lack.

Was ich damit meine ist Folgendes: Wenn wir ein neues Auto kaufen, ist es für die meisten von uns eine Horrorvorstellung, sich einen Kratzer oder gar eine Beule in das schöne, neue Auto zu fahren. Durchaus verständlich, aber Kratzer sind bei einem Gebrauchsgegenstand letztlich unvermeidlich. Und so bekommt jedes Auto früher oder später die eine oder andere Schmarre. 

Was passiert nun, wenn wir mit dieser Angst durch unser gesamtes Leben gehen? Wenn wir also jede Beule, jeden Kratzer, jede Wunde an uns zu vermeiden versuchen? Dann gehen wir keine Risiken ein, vermeiden nicht nur reelle, sondern auch angenommene und eingebildete Gefahren und halten uns in allem, was uns auch nur etwas schaden könnte, zurück. Auch verständlich, aber leider lebensfeindlich. Denn so führen wir ein Leben in Angst, die uns mehr und mehr zum Rückzug zwingt. Wir wagen es nicht mehr etwas in Frage zu stellen, nicht mehr zu träumen, nicht mehr zu fordern. Wir probieren immer weniger aus und lassen uns immer weniger ein. Wir setzen auf Nummer Sicher. 

Ich weiß, wovon ich spreche, denn auch ich wollte keine Kratzer im Lack. Ich wollte gut aussehen, möglichst perfekt und ich wollte nicht verletzt werden, keine Wunden mehr. Nichts davon hat geklappt – und das ist gut so!

Heute bin ich immer mehr bereit, Risiken einzugehen, auch wenn ich mir den Kopf stoße oder Seelenschmerz erfahre. Ich will mich nicht mehr selbst einsperren, damit mir nur ja nichts passiert, denn damit setze ich mich in einem (mehr oder weniger) goldenen Käfig. Das Leben aber findet draußen statt, da wo die Sonne scheint, aber auch ein starker Wind bläst, da wo man laufen kann, aber auch hinfallen, da, wo die See manchmal ganz glatt, aber auch von hohen Wellen aufgewühlt sein kann, da wo man etwas bekommt, aber nur wenn man auch gibt. 

Leben macht immer Kratzer im Lack, es zieht Muster in uns und formt uns. Wie spannend, das anzunehmen und zu erleben, wer wir durch das Leben werden!

Alles optimal?

Gepostet von am März 13, 2015 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 3 Kommentare

Alles optimal?

Immer wieder stolpere ich über den Begriff der „Selbstoptimierung“. Sich selbst optimieren, also daran arbeiten, besser zu werden und vor allem besser zu funktionieren. Warum? Um mehr zu erreichen, erfolgreicher zu werden und besser zu leben – das zumindest ist die Idee dahinter.

Neu ist der Gedanke nicht, Ansätze zur Selbstoptimierung gibt es schon lange. Heute aber stehen uns nicht nur Ratgeber, Anleitungen und Coaches für ein umfassendes Selbstmanagement zur Verfügung, sondern wir können unsere Selbstoptimierung darüber hinaus mit Apps der verschiedenen Art vorantreiben: Apps für das Zeitmanagement, Apps zum Erreichen von Zielen, Apps, die die Kalorien zählen, die wir zu uns nehmen und die Schritte, die wir machen, Apps, die verbuchen, was wir lesen und in welchen Stimmungen wir sind, Apps, die Buch über unsere Effizienz führen, über erledigte Ausgaben und sogar über unseren Schlaf – die Liste solcher so genannten Effizienz-Tools ist schier unerschöpflich. Und weil das noch nicht genug ist: es gibt inzwischen sogar Gadgets, mit denen man sich z.B. selbst Stromschläge verpassen kann, wenn man seine Vorsätze nicht einhält.

Schöne, neue Welt!

Wirklich?

Ich bin dabei, mein ängstlich pochendes Herz zu beruhigen: Nein, ich möchte mich nicht mehr selbst optimieren. Ich möchte nicht noch mehr leisten, nicht noch besser werden und nicht noch effizienter Ziele erreichen. Ich möchte mich nicht immer weiter perfektionieren, egal was mir dafür versprochen wird. Ich will mein Leben nicht noch besser durchplanen, um erfolgreicher zu werden. Ich will nicht noch besser funktionieren, denn: Ich bin keine Maschine, meine Persönlichkeit ist kein Gerät und mein Leben keine To-Do-Liste.

Was ich möchte? Ich möchte wieder wilder werden und noch viel bunter und freier. Ich will aus der Reihe tanzen und ein bisschen schräg sein. Ich will auch mal scheitern und auf die Nase fallen. Ich will auch mal nicht passen und auch mal keine Erwartungen erfüllen, nicht meine und nicht die der anderen. Ich will den Druck auflösen in Konfetti, all die vielen Ansprüche in ein breites Grinsen und statt zu funktionieren will ich mit jeder Phase meines Seins lebendig sein. Dafür brauche ich keine Systeme, keine Apps und keine Gadgets, dafür brauche ich nur etwas Mut und vor allem brauche ich mich selbst.

Ob das optimal ist? Und ob!

Wie groß bin ich?

Gepostet von am März 4, 2015 in Alle Beiträge | Keine Kommentare

Wie groß bin ich?

Körperlich bin ich ziemlich klein, aber manchmal fühlt es sich an, als überrage ich alle. Dann wieder bin ich so winzig, dass ich mich selbst übersehe und in anderen Momenten so riesig, dass ganze Welten in mir Platz haben. Manchmal passe ich in einen einzigen Satz, dann wieder würden alle Bücher der Welt nicht ausreichen, mir gerecht zu werden. 

Wie variabel doch unsere Befindlichkeiten und auch unsere Bewertungen sind!

Was ist denn eigentlich groß und was klein und was ist gut und was schlecht? Und was ist richtig und was falsch?

Wann genau fühle ich mich groß und wann klein? Wann gut und wann schlecht? Wann bin ich „richtig“ und wann „falsch“?

Oft lasse ich mich wie so viele von Maßstäben leiten, die gar nicht unbedingt meine sind und merke es vielleicht nicht einmal – dann denke ich möglicherweise, ich sei gut oder groß oder erfolgreich, obwohl ich eigentlich auf dem Holzweg oder geschrumpft oder ganz hohl bin. Oder ich bewerte mein Tun als fehlerhaft und mein Sein als zu wenig, obwohl ich gerade alles gebe … 

Ein Grund mehr, bei mir zu bleiben und in mich zu spüren, gerade wenn es um Bewertungen und Urteile geht und das nicht nur von anderen, sondern auch von mir selbst. 

Ich bin so groß, wie ich mich fühle – und Sie?

Hochsensibel?!

Gepostet von am Feb. 26, 2015 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Hochsensibilität, Ich und andere | 7 Kommentare

Hochsensibel?!

Ich gebe zu, dass ich kein Freund von Schlagwörtern und Modebegriffen bin. Nicht alles muss meiner Ansicht nach ein Label bekommen und nicht alles muss in eine Schublade gepackt werden. Aber manchmal helfen Schlagwörter, um sich selbst zu erkennen und sich mit etwas zu befassen, das man vorher nicht einmal richtig wahrgenommen hat.

Auf viele meiner Artikel bekomme ich z.B. Mails von Menschen, die für sich erkannt haben „hochsensibel“ zu sein. In meinen Texten finden sie einiges von sich selbst wieder, z.B. die Fähigkeit Gefühle und Bedürfnisse anderer wahrnehmen zu können, die Gefahr sich dabei zu verlieren, die Fähigkeit mehr zu sehen, zu hören oder zu spüren als manch anderer usw. Ich selbst habe mich bisher in keinem meiner Texte als hochsensibel bezeichnet, denn, wie gesagt, ich habe gewisse Vorbehalte gegen solche Etikettierungen. Aber da so manch einer über den Begriff hierher finden und in meinem Blog vielleicht auf Hilfreiches stoßen wird, wollte ich nun doch einmal etwas zu dem Thema schreiben. 

Wissenschaftlich anerkannt ist das Phänomen der Hochsensibilität bis jetzt noch nicht, es gibt aber eine eigene Forschungsrichtung, nämlich die so genannte High-Sensivity-Forschung. Die Amerikanerin Elaine N. Aron widmete sich als erste Forscherin mit Veröffentlichungen dem Phänomen, wenngleich eine erhöhte Sensivität auch schon von anderen Psychologen beschrieben wurde.

Worum es bei all dem geht? Darum, dass offenbar manche Menschen empfindsamer auf äußere Reize reagieren als andere, also mehr und intensiver wahrnehmen. Das kann einzelne Sinne oder auch die allgemeine Wahrnehmung betreffen. Manch einer reagiert z.B. besonders empfindlich auf akustische Reize und kann Geräusche wie mit einem Verstärker im eigenen Kopf erleben. Bei anderen ist der Sehsinn besonders ausgeprägt, so dass sie eine Fülle von Details wahrnehmen können, die andere erst sehen, wenn man sie darauf aufmerksam macht. Und wieder andere nehmen einfach alle Reize intensiver wahr und darüber hinaus sogar Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen. Diese gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit geschieht automatisch und ist meist zunächst unbewusst. Deshalb ist es für Hochsensible oft eine Erleichterung über das Phänomen zu lesen und zu erfahren, dass sie nicht allein „so seltsam“ sind. 

Eine höhere Sensibilität hat eine ganze Reihe von Auswirkungen: Hochsensible empfinden oft mehr und tiefer, sind dadurch aber auch leichter beeinflussbar oder schnell überfordert. Eine Reizüberflutung tritt bei Hochsensiblen viel schneller ein als bei normal sensiblen Menschen, sie werden schneller müde oder reagieren gereizt, vor allem dann, wenn sie unter vielen Menschen sind. Für hochsensible Menschen ist es oft schwer zu unterscheiden, ob ihre Empfindungen wirklich ihre eigenen oder die von den Menschen sind, mit denen sie gerade zusammen sind, da sie deren Befindlichkeiten oft auch selbst spüren können. Dafür haben sie die Fähigkeit sich sehr emphatisch in andere einfühlen zu können und auf diese Weise Dinge benennen zu können, die anderen nicht bewusst sind. 

Hochsensibilität ist keine Störung, sondern einfach eine gesteigerte Form der Wahrnehmung. Es ist eine Fähigkeit, die sich nicht abschalten lässt; man kann also nicht willentlich weniger sensibel werden, man kann nur lernen, die Wahrnehmungen besser einzuordnen und besser für sich zu sorgen. Und  hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel. Denn um eine Hochsensibilität an sich überhaupt erst einmal wahrzunehmen, gilt es achtsam für sich selbst zu sein. Reagiert man z.B. auf Geräusche schnell genervt oder fühlt man sich in belebten Situationen überfordert, neigen viele dazu, sich selbst dafür zu schelten und fordern von sich, sich zusammenzureißen. Viel sinnvoller ist es, sich über das eigene Erleben bewusster zu werden und offen und neugierig zu sein: „Oh, interessant, ich scheine die Musik viel lauter wahrzunehmen als andere.“ oder „Mir fällt auf, dass ich nach einem Gruppentreffen immer sehr müde bin, mich strengt das offenbar mehr an als andere.“ oder „Ist das, was ich gerade fühle, wirklich meins?“

Um besser für sich selbst sorgen zukönnen, ist es für Hochsensible besonders wichtig, ein Gefühl für Grenzen zu bekommen. Einmal die Grenzen dessen auszuloten, was für einen selbst zumutbar und erträglich ist, um sich entweder bestimmten Situationen nicht mehr auszusetzen (also z.B. viel Lärm, übermäßigen Reizen, grausamen Filmen usw) oder um nach einer Belastung für Ruhe und Ausgleich zu sorgen, um wieder auftanken zu können. Zum anderen geht es aber auch darum, ein Gefühl für sich selbst zu bekommen. Die eigene Wahrnehmung vermischt sich oft stark mit Wahrnehmungen der Gefühle anderer, was sehr verwirrend sein kann, vor allem, wenn man keine Ahnung hat, dass man gerade die Gefühle von anderen Personen wahrnimmt.  Hochsensiblen fällt es oft schwer, die eigenen Bedürfnisse zu benennen, da sie in Kontakt mit Bedürfnissen all der Menschen um sie herum sind, die sie dann auch oft noch zu erfüllen versuchen. So verlieren sich Hochsensible schnell selbst – oder ziehen sich vorn vornherein eher zurück. Eine große Lernaufgabe besteht also darin, bei sich selbst zu bleiben, und das nicht nur, wenn sie allen für sich sind. 

Ich lerne meine Art der Wahrnehmung immer mehr als Geschenk zu sehen. Dass ich so viel und so vieles so intensiv wahrnehme, macht mich ganz wesentlich aus. Hochsensibel zu sein bedeutet eine Herausforderung, aber ich möchte es nicht missen; im Gegenteil: ich möchte mich mit meiner Art der Wahrnehmung immer besser verstehen und auch fördern, denn sie macht meine Leben sehr bunt, sehr lebendig und sehr reich. 

Juchhu, es tut weh

Gepostet von am Feb. 17, 2015 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 2 Kommentare

Juchhu, es tut weh

Nein, keine Sorge, das ist kein Artikel über einschlägige SM-Techniken, die gerade so in sind, sondern es geht um die Freude, mir selbst wieder näher zu sein. In dieser Annäherung nehme ich den Schmerz darüber wahr, dass ich mich wieder einmal zu wenig um mich selbst gekümmert habe. Ich war wieder  vor allem auf das Außen ausgerichtet, auf die Erwartungen und Bedürfnisse anderer, auf deren Wünsche und Forderungen. Und darüber habe ich mich wieder ein großes Stück selbst verloren. 

In diesen Tagen nehme ich mir ganz bewusst Zeit für mich. Höre viel Musik, sitze einfach mit mir zusammen da und lasse zu, was ist. Zuerst hieß das, das taube Gefühl auszuhalten, das sich breit gemacht hatte. Aber in dieser Taubheit regte sich immer wieder etwas: mal hier ein Gefühlchen, mal da ein Empfindunglein. Und je mehr ich mich für mich für diese kleinen Regungen öffnete, desto mehr wagte sich zu zeigen und desto deutlicher wurde, was in mir ist: ein bekannter Schmerz über die Enttäuschung, mich wieder einmal allein gelassen zu haben. 

Und deshalb die Überschrift: es ist gut, dass es weh tut! Es ist gut, dass ich spüre, dass es schmerzt, wenn ich schlecht für mich sorge und nicht für mich da bin. Es ist gut, dass ich das inzwischen recht schnell merke und nicht erst Jahre um Jahre vergehen müssen, bis mir bewusst wird, dass ich eigentlich gar nicht da bin. Ja, und so ist der Schmerz, den ich gerade empfinde, tatsächlich ein Grund zur Freude. Er hat allein mit mir zu tun und er zeigt mir, dass ich mir wieder näher gekommen bin. Und inzwischen weiß ich, dass gleich neben dem Schmerz auch ganz viele andere Gefühle leben – die Freude, die Lust, die Begeisterung, die Traurigkeit, das Glück und viele, viele mehr – die ganze Palette nämlich, mit der ich wieder malen können will. 

Spurensuche

Gepostet von am Feb. 11, 2015 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 7 Kommentare

Spurensuche

Gedanken in diesen Tagen:

Wann eigentlich wurde meine Schrift so winzig klein, wann meine Stimme immer leiser und wann mein Mut wieder so schrecklich dünn? Wann wurden meine Bewegungen immer beschränkter, meine Kleidung wieder grauer und wann schloss ich wieder die Tür zu meinem goldenen Käfig von innen?

Wann verlor ich mich mehr als für nur kurze Momente und merkte es nicht einmal? Und wann eigentlich opferte ich meine Träume?

Wo ist sie hin, die Frau, die so schön tanzte und weinte und lachte?

Ich muss mich auf die Suche machen, wieder einmal auf die Suche nach mir. Nach meiner Stimme, meinem Strahlen und meiner Lust. Ich weiß, ich bin nicht verloren. Nur nicht erreichbar im Moment. Erst muss ich mich wirklich finden wollen, bevor ich wieder zu fühlen beginne. 

Will ich das? Oh ja!