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Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Ängste und Sorgen füttern verboten!

Gepostet von am Juli 9, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich und andere | 4 Kommentare

Ängste und Sorgen füttern verboten!

Zur Zeit geht es recht turbulent in meinem Leben zu. Vieles ist in Bewegung, manches schwankt und kippt, anderes purzelt kunterbunt herum… Wenn ich mal für fünf Minuten das Gefühl habe, relativ sicher zu stehen, ist das schon eine tolle Sache. Da sind natürlich Ängste und Sorgen nie fern.

Ich nehme diesen Zustand an, so gut es mir möglich ist.

Hin und wieder falle ich in meine alten Muster und versuche zu kontrollieren und zu bestimmen, aber ich begreife im Moment sehr schnell, dass viel mehr Surfen angesagt ist als Gestalten. Und das Tolle ist: wenn ich die Bewegungen und Veränderungen annehme, geht es mir sogar richtig gut in all dem Wirbeln und ich erlebe ein neues Gefühl von Gelassenheit und Vertrauen. 

Damit mir das gelingt, halte ich mich im Moment sehr bewusst fern von negativen Menschen, also von all denen, die meine Ängste und Sorgen füttern. Oft merken wir gar nicht, wie sehr uns negative Menschen beeinflussen können. Da reichen manchmal schon kleine Bemerkungen, oft aber legen sie sich auch mit ihrem ganzen Gewicht auf uns. Und genau davor schütze ich mich inzwischen. 

Das heißt nicht, dass ich nicht da bin, wenn mich jemand braucht, weil es ihm selbst nicht gut geht. Die Grenze ziehe ich da, wo andere aus MEINEM Leben und Dasein ein Drama zu machen versuchen. Seit ich darauf bewusst achte, stelle ich fest, wie häufig genau das passiert: dass andere wegen MEINER Themen und Herausforderungen zu lamentieren und zu klagen beginnen, wie schlimm und schwer, wie schrecklich und furchtbar doch etwas ist, von dem ich eigentlich das Gefühl hatte, es sei ganz in Ordnung. Mit etwas Abstand betrachtet, wirken solche Gespräche wie Realsatire, aber wenn man mitten drin steckt, können sie extrem belastend sein. 

Ich habe inzwischen ein imaginäres Schild in meinem Leben aufgestellt, das da lautet: „Ängste und Sorgen füttern verboten!“ – und genau danach handele ich immer konsequenter. Wo es möglich ist, versuche ich auszusprechen, was mir nicht gut tut und wo das nicht möglich ist, beende ich solche Gespräche sehr schnell. Zu erkennen, dass ich selbst alles andere als eine Drama-Queen bin, sondern dass ich viel besser mit bewegten Zeiten klarkomme, als ich immer dachte und mir manch einer zutraute, ist ein gutes und kraftvolles Gefühl. 

 

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Perlensucher – mein positiver Fokus

Gepostet von am Juli 5, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich und andere | 9 Kommentare

Perlensucher – mein positiver Fokus

Ich lese viel, surfe viel im Internet, verfolge etliche Blogs und bin inzwischen auch bei Facebook und da stellt sich immer wieder die Frage, wie ich mit negativen Dingen umgehen will: schreckliche Bilder, grausame Beschreibungen, schlimme Geschichten, negative Ausrichtungen… – all das tut mir nicht gut. 

Meist klicke ich dann weiter und ich versuche, Beiträge dieser Art zu blockieren. Damit schütze ich mich ein Stück weit vor Schmerz und Negativität. Für den Moment hilft das auch, aber natürlich weiß ich, dass all das Schlimme weiterhin da ist.

Ist mein Verhalten ignorant? 

Nein, ich glaube nicht. Ich sehe darin eine Notwendigkeit, denn für mich ist es wichtig, handlungsfähig zu bleiben. Handlungsfähig, um weiter das tun zu können, was ich in die Welt geben möchte, denn ich versuche dem Schlechten in der Welt etwas entgegenzusetzen durch meine Arbeit. 

Auch ich könnte viel über negative und schlimme Dinge schreiben, die mich beschäftigen und die mir Angst machen, die ich für falsch und unfassbar halte. Ich könnte mich gegen so vieles aussprechen und vieles angreifen und kritisieren. Aber ich tue es nicht, sondern es war mir schon immer ein Bedürfnis, das Schöne sichtbar zu machen, Tröstliches zu schreiben und den Fokus immer wieder auf das Hoffnungsvolle und vor allem Lebenswerte zu lenken..  

Es gibt so viel Negatives, dass es zu einer Frage des Überlebens werden kann, sich davor zu schützen (nie vergessen: es gibt übrigens mindestens genauso viel Schönes!). Zum anderen bin ich überzeugt davon, dass das wächst, was man mit Energie füttert. Und deshalb versuche ich ganz grundsätzlich in meinem Leben, meinen Fokus auf die Perlen zu legen, auf das Schöne, Bereichernde, auf das, was mich weiterbringt, mir Mut macht, Kraft und Hoffnung schenkt und auf das, worüber ich lachen und an dem ich mich freuen kann. Und das ist das, was ich auch mit meiner Arbeit weitergeben möchte. 

Damit bin ich nicht blind für das Schreckliche und alles, was falsch läuft – im Gegenteil, ich bin mir all dessen sehr, sehr bewusst. Aber ich weigere mich, mich davon einnehmen zu lassen und vor allem lasse ich nicht zu, es in meinem eigenen Leben wachsen zu lassen. Jeden Tag und jeden Moment kann ich neu entscheiden, was ich nähren will in meinem Leben – das gilt für das Internet und überhaupt. 

Das achtsame Porträt: Dunkle Studie

Gepostet von am Juni 27, 2016 in Alle Beiträge, Das achtsame Porträt | Keine Kommentare

Das achtsame Porträt: Dunkle Studie

Ich beschrieb ja schon, wie ich bei meinen Porträts und Selbstporträts durch den Einsatz von Schminke, Perücken und Hüten auch eher versteckte Teile in uns hervorlocke. Die folgenden Bilder sind dafür ein gutes Beispiel. Diese „dunkle Studie“ entstand beim Erforschen anderer Seiten von mir als der blondhaarigen Tania, die die meisten kennen.

Der dunkelbraune Pagenkopf scheint im ersten Moment künstlich, da diese Frisur so weit weg von mir zu sein scheint. Aber sie bringt jedes Mal eine Seite in mir hervor, die mir selbst noch immer fremd ist, die mich aber immer mehr interessiert und die ich mutig weiter kennen lernen will. Spannenderweise sehe ich auf den Bildern nicht nur anders aus, sondern ich FÜHLE auch anders oder besser gesagt: ich fühle etwas bewusster, das ich vielleicht sonst eher verdränge. 

Es ist immer wieder faszinierend und manchmal auch ganz schön aufwühlend, wer und was so alles in einem zu Tage kommt, wenn man sich für seine verschiedenen Facetten öffnet. 

Und manchmal frage ich mich: Wären wir vielleicht tatsächlich manchmal ganz anders, wenn wir eine andere Frisur oder Haarfarbe hätten? 

 

Das achtsame Porträt von Tania Konnerth

 

Das achtsame Porträt von Tania Konnerth

 

Das achtsame Porträt von Tania Konnerth

 

Oft ist mir die Welt zu schnell

Gepostet von am Juni 23, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir | 23 Kommentare

Oft ist mir die Welt zu schnell

Ich fürchte, ich habe eine Schneckenseele. Es ist eine Seele, die langsam ist, sehr bedächtig und sie braucht für alles viel Zeit. Es ist eine Seele, die gerne verweilt und nachspürt und die am liebsten einfach nur ist.

Paradoxerweise bin ich eigentlich ein schneller und agiler Mensch. Wer mich in meinem Alltag erlebt, dürfte mich eher für eine Ameise halten, denn ich mache eigentlich ständig etwas und bin in der Lage, ziemlich viele Aufgaben innerhalb kürzester Zeit erledigen, um dann sofort loszurennen und mir was Neues zu suchen.

Meine Schneckenseele lebt also nicht nur in einem schnellen Körper mit fixem Geist, sondern auch in einer geradezu rasanten Welt, was ihr nicht immer gut tut. Veränderungen über Veränderungen, überall Wandel, alles ständig neu. Ob das Duschzeug oder die Computerprogramme, ob Webseiten oder mein morgendliches Müsli, ob die Pläne von Freunden oder die Entscheidungen meiner Lieben…, alles wird ständig geändert, neu gemacht, umgestaltet oder über den Haufen geworfen. Und so wirkt meine Schneckenseele oft wie Fossil, denn während andere schon längst in eine nächste Dimension geflitzt sind, schaut meine Seele noch verwundert hinterher und fragt sich, wohin denn eigentlich jeder rennt. 

Ich weiß, dass mich ein hohes Tempo erfolgreich macht und so versuche ich ständig, meine Schneckenseele auf dieses Tempo zu trimmen. Aber jeder, der Schnecken auch nur ein bisschen kennt, ahnt, dass das ziemlich unmöglich ist. Also bleibt meine Schneckenseele zwangsläufig immer wieder auf der Strecke und ich zahle für mein hohes Lebenstempo einen entsprechend hohen Preis: in regelmäßigen Abständen wird mein Tun und Sein immer leerer und hohler. 

Ich verstehe langsam immer besser, wie wichtig es ist, das Wesen meiner Schneckenseele anzuerkennen und zu würdigen, denn sie macht mich aus. Ich kann mich zwar zu Schnelligkeit zwingen, aber wirklich SEIN kann ich nur in dem mir natürlichen Tempo. So will ich mehr darauf achten, wenigstens hin und wieder innezuhalten, damit ich nachkommen kann und wieder vollständig zu werden – denn nur so kann ich auch in meinem Tun wirklich ICH sein. 

 

Jede Seele hat ihr eigenes Tempo

Das achtsame Porträt: Ein Blick in die Zukunft?

Gepostet von am Juni 10, 2016 in Alle Beiträge, Das achtsame Porträt, Ich mit mir | 2 Kommentare

Das achtsame Porträt: Ein Blick in die Zukunft?

Hier einmal ein Einblick in ein achtsames Selbstportrait-Shooting, das ich in der letzten Woche mit mir gemacht habe:

„Ich hatte seit Tagen Sehnsucht nach mir, denn irgendwie bin ich mir mal wieder verloren gegangen. Heute will ich mich auf die Suche machen. Mit meinem iPhone und einem Fernauslöser begebe ich mich auf eine Reise ins Ungewisse. 

Ich beginne mit einigen Fotos, so wie ich gerade in diesem Moment aussehe. Eine Würdigung der Tania, die gerade vorne sitzt. Weicher, als ich dachte, wirkt sie. 

Aber ich will mehr. Ich will nicht nur das Vordergründige, so nett sich das vielleicht auch heute gerade anschauen lässt. Ich möchte Kontakt zu dem, was IN mir ist. Also mache ich mich daran, mich zu verändern, um mich selbst dazu einzuladen, dass sich zeigen kann, wer immer sich zeigen will.

Ich nutze Schminke, Perücken, Hüte … Nun habe ich leider vom Schminken genauso viel Ahnung wie von Luftfahrtechnik, nämlich keine, und so verschmiert das Weiß, der schwarze Lidstrich wird grau, der Lippenstift verrutscht… – aber es geht nicht um Perfektion, sondern um MICH. Mich als Mensch.

Und plötzlich schaut aus den Augen mit dem unebenen Kajalstrich eine andere Tania, mit den schiefen Lippen grinst jemand, den ich noch nicht kenne und heute ist ausgerechnet die silbergraue Perücke richtig, mit der ich mich sonst einfach nur unmöglich finde. 

Und während ich zunächst annahm, dass das heute überhaupt nichts wird, merke ich, wie jemand in mir nach vorne tritt. Sanft und ruhig und ganz klar übernimmt sie das Ruder. Wow, ich spüre ihre Energie und Reife und kann gar nicht genug bekommen von ihr. Ja, das bin auch ich, jetzt und hier oder vielleicht auch erst in einiger Zeit, wenn ich weiter wachse und noch viel mehr das werden kann, was schon in mir ist.“  

 

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Ich war mal wer, jetzt bin ich ich

Gepostet von am Juni 8, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir | 5 Kommentare

Ich war mal wer, jetzt bin ich ich

Die vielleicht größte Tücke bei dem, was man eine „aktive Lebensgestaltung“ nennt, ist für mich die Idee, werden zu können, wer immer man sein will. Selbsterkenntnis wird hier oft nur als Startpunkt dafür gesehen, um sich zu jemand anderen zu machen: 

Schritt 1: Ich finde heraus wer ich bin (meine Stärken, meine Schwächen, was mich abhält vom großen Glück und Erfolg usw.).

Schritt 2: Ich überlege mir, wer ich viel lieber sein will (was mich also meinen Zielen näher bringen würde und wie ich sein müsste, um erfolgreich und zufrieden usw. zu sein).

Schritt 3: Ich gehe dieses neue Ich systematisch als Ziel an.

Ganz nach dem Motto „Alles ist möglich“ entwickeln wir also ein Idealbild von uns selbst und arbeiten dann an uns, um genau die Person zu werden, die wir sein wollen – … vielleicht dynamisch und erfolgreich oder ganz locker und gelassen oder liebevoll und aufopfernd oder was auch immer wir uns aussuchen und anstreben – in dem Glauben, wenn wir das erreichen, auch endlich zufriedener zu werden. Auf den Punkt gebracht mündet dieser Ansatz in dem Ausspruch: „Es ist nicht entscheidend, wer Du bist, sondern es ist entscheidend, wer Du sein willst.“

Klingt schon verlockend, nicht wahr? Und tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von wirkungsvollen Methoden, mit denen wir uns selbst nicht nur motivieren, sondern auch effektiv drillen können, um tatsächlich viel zu erreichen. Stolz präsentieren wir dann unser selbstgeschaffenes Ich nach außen, … während es in uns immer leerer und dunkler werden kann – denn leider führt dieser Ansatz, so stelle ich immer öfter fest, kaum jemanden wirklich zu mehr Zufriedenheit, geschweige denn Erfüllung.

Bleibe ich für ein Beispiel doch ganz einfach bei mir selbst: Ich war mal das, was man eine ziemlich große Nummer im Internet nennen könnte. Als Mitbegründerin des Onlineratgebers „Zeit zu leben“ noch in der frühen Anlaufzeit des Internets feierte ich recht große Erfolge. Bis vor einigen Jahren wurde ich Woche für Woche von über 80.000 Menschen gelesen – was für eine Zahl! Ja, ich war das, was man „erfolgreich“ nennt, … oder besser gesagt, die Person, zu der ich mich gemacht hatte, war erfolgreich. 

Heute agiere ich sehr viel unscheinbarer und habe eine eher überschaubare Anzahl an Leser und Leserinnen. Aber das Tolle daran ist, dass ich zwar vielleicht nach herkömmlichen Maßstäben weniger erfolgreich bin (ich bin weniger bekannt, weniger präsent und verdiene weniger Geld), dafür aber bin ich heute viel mehr ich selbst und nicht länger das Hochglanz-Produkt, zu dem ich mich gemacht hatte. Ich tanze hier in meiner ganz persönlichen Ecke im Netz mit dem Leben und fühle mich endlich mir selbst nah. Und das ist mehr wert als mir alle Erfolge je hätten geben können. 

Interessanterweise konnte ich meine Erfolge früher nie richtig spüren. Ich hatte selten das Gefühl, wirklich gut zu sein oder dass es ausreichte, was ich tat und gab (egal, wie viel es war). Heute hingegen bin ich viel zufriedener mit mir und meiner Arbeit und kann auch Lob und Anerkennung annehmen und mich darüber freuen. 

So phantastisch es auch klingen mag, fast alles erreichen zu können und in so ziemlich jede erdenkliche Richtung an sich selbst arbeiten zu können, so sehe ich inzwischen auch die andere Seite dieser Ansätze sehr deutlich: nämlich allem voran die Gefahr, sich bei all dem selbst zu verlieren und das sogar, ohne es überhaupt zu merken. 

Achtsam mit sich selbst zu sein, erfordert für mich inzwischen auch den Mut, sich immer wieder ehrlich zu fragen, wie sehr man eigentlich noch man selbst ist und ob das Leben, das man führt, wirklich das eigene ist oder nicht viel mehr ein konstruiertes Wunschleben, das man (aus welchen Gründen auch immer) anstrebt. Denn oft wird das Preisschild übersehen, das an manch‘ schönem Glitzerleben hängt …

An dieser Stelle passt ein Zitat des Dalai Lama sehr schön: „Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erreichen.“ 

Sich selbst zu verlieren, ist IMMER ein zu hoher Preis, denke ich. Ich jedenfalls möchte nie mehr dahin zurück, irgendwer zu sein, ich bin nur noch ich selbst. Und das tut verdammt gut!

Das achtsame Porträt: Kann man ein Wir fotografieren?

Gepostet von am Juni 1, 2016 in Alle Beiträge, Das achtsame Porträt | 2 Kommentare

Das achtsame Porträt: Kann man ein Wir fotografieren?

Die schönsten meiner Shootings bringen oft Bilder hervor, die sich nur bedingt zum Veröffentlichen eignen, weil sie ganz persönlich sind. Ein solches Shooting hatte ich mit Babette und Lars. Das Shooting hatte sich Babette gewünscht und es war etwas ganz Schönes für mich, die beiden zu fotografieren. 

Ein Paar zu fotografieren, ist eine besondere Herausforderung, denn es geht dabei ja nicht nur darum, zwei einzelne Menschen dazu zu ermutigen, sich auf sich selbst einzulassen und auf das, was sich in ihnen zeigen will, sondern bei einem Paar geht es darum, das Wir einzuladen, sich zu zeigen.

Mir war, als ich die beiden zu fotografieren begann, nicht wirklich bewusst, dass mein Ziel bei diesem Shooting nicht sein würde, Babette und Lars zu fotografieren, sondern ihr Wir. Nun ist so ein Wir ja aber keine Person, die man ansprechen kann. Man kann so ein Wir nur erspüren und mit ihm schwingen, damit es sich immer mehr und mehr zeigt. 

So ein Wir ist etwas sehr Intimes und es braucht einen Schutzraum, damit es sich zeigen kann und zeigen mag. Dieser Schutzraum besteht vor allem darin, dass es bei all meinen Shootings ausdrücklich nicht darum geht, „vorzeigbare“ Fotos zu machen. Die Fotos, die in meinen Shootings entstehen, sind einzig und allein für die Fotografierten gedacht. Ich habe deshalb lange überlegt, ob ich die beiden überhaupt darum bitten soll, ein Foto aus dem Shooting veröffentlichen zu dürfen, denn es sind IHRE Fotos. Aber Liebe ist etwas so Wundervolles, Nährendes und Bereicherndes, dass ich denke, wir können eigentlich nicht genug davon in die Welt bringen. 

Babette und Lars verbindet etwas ganz Besonderes und ich war tief bewegt und regelrecht verzaubert, dass mir beide genug vertraut haben, dieses Besondere leuchten zu lassen, so dass ich es für sie erfassen und sichtbar machen konnte.

Und ich freu mich sehr, dass ich hier mein Lieblingsfoto von den beiden zeigen darf: 

 

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Einfach gesagt…

Gepostet von am Mai 29, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 6 Kommentare

Einfach gesagt…

In vielen Ratgebern, Blogs und Onlinekurse sind Lebensweisheiten zu lesen, wie „Nimm dich einfach an, wie du bist!“ oder „Sei einfach nicht mehr so hart zu dir!“ oder „Sei einfach du selbst!“ – und ja, ich selbst habe genau solche Formulierungen auch schon in eigenen Texten verwendet. 

Heute ist mir klar, dass das viel zu kurz gegriffen ist, denn: nichts davon ist für die meisten Menschen EINFACH! Ganz im Gegenteil, für viele ist es sogar sehr, sehr schwer. 

Die locker-flockigen Sprüche klingen so herrlich motivierend und positiv, aber inzwischen machen sie mich manchmal auch traurig und ich empfinde sie an vielen Stellen als achtlos. Sich selbst anzunehmen, sich nicht ständig zu pushen und zu kritisieren und gar den Mut zu haben, wirklich man selbst zu sein, das müssen sich die meisten Menschen hart erarbeiten und es steckt sehr viel Leid und Schmerz in vielen Lebenswegen. 

Viele tun sich oft unendlich schwer, auch nur ein kleines bisschen netter zu sich selbst zu sein, denn sie ringen mit innerer Ablehnung und einer unglaublichen Strenge sich selbst gegenüber. Und mit der Aufforderung das „einfach mal zu ändern“ wird Wasser auf die Mühlen gekippt, denn wenn es eigentlich doch „so einfach“ ist, muss der Fehler ja einmal mehr an einem selbst liegen – … und damit dreht sich das Rad immer weiter. 

Einen Ausweg gibt es meiner Erfahrung oft nur, wenn wir uns bewusst darüber werden, wie groß diese Aufgabe für uns ist und das ganz individuell. Auch für mich war Selbstannahme immer schon ein Thema. Ich arbeitete zwar unzählige Ratgeber durch, besuchte Seminare und machte brav alle möglichen Übungen, aber all das blieb auf einer vorgelagerten Ebene. Sie ließ mich nach außen recht selbstsicher auftreten, aber ich hatte kaum Kontakt zu meinem Inneren, konnte mich selbst nur in raren Momenten fühlen. Erst als ich bereit war anzuerkennen, dass mir kein „einfacher“ Weg helfen würde, sondern ich nicht darum herumkommen würde, mich wirklich mit mir selbst zu befassen und mich auf mich einzulassen, begann ich mich zu langsam mehr und mehr zu spüren. Aber es war ein harter Weg dorthin, auf dem auch erst vieles kaputt gehen musste … 

Und einfach ist es auch heute oft nicht – sich selbst nahe zu sein und bleiben zu wollen, heißt Grenzen setzen zu müssen, sich immer Raum zu schaffen und möglichst gut für sich zu sorgen (wovon andere nicht immer begeistert sind). Sich selbst nahe zu sein, heißt auch dann bei sich zu bleiben, wenn man gerade nicht das schafft, was man schaffen will oder wenn man nicht so gut drauf ist, wie man von sich erwartet (oder wie es sich andere von einem wünschen) oder wenn man mal wieder in eines der schwarzen Sumpflöcher in einem rutscht, die in all den schönen „Ist-doch-so-einfach-Ansätzen“ kaum erwähnt werden. 

Mir ist bewusst geworden: So zu tun, als sei doch alles ganz einfach, erhöht den Druck auf Menschen, die mit sich, mit Themen oder dem Leben ringen, ganz enorm. Es soll Hoffnung schaffen, bewirkt aber meinem Eindruck nach oft das Gegenteil.

Inzwischen denke ich, dass das Leben gar nicht dafür gedacht ist, einfach zu sein, sondern dass es für uns alle freudvolle und leichte Momente aber auch schwere und dunkle Aufgaben bereit hält. Und genau diese Tatsache verbindet uns alle. Indem wir auch das Ringen und den Schmerz annehmen und umarmen, indem wir den Gedanken und vor allem auch das damit verbundene Gefühl zulassen, nicht alles kontrollieren zu können und uns ganz ehrlich erlauben, auch mal nicht weiter zu wissen, schwach zu sein und Hilfe zu brauchen, kommen wir an einen Punkt, an dem wir merken: so wird es wirklich ein Stück einfacher … 

Das achtsame Porträt: Natürlich künstlich?!

Gepostet von am Mai 23, 2016 in Alle Beiträge, Das achtsame Porträt, Ich mit mir | 2 Kommentare

Das achtsame Porträt: Natürlich künstlich?!

Ich arbeite bei meinen achtsamen (Selbst-)Portraits gerne mit Utensilien wie Perücken, Hüten und Schminke. Manch einem mag das künstlich erscheinen, aber ich habe eine ganz andere Erfahrung gemacht. 

Verkleidet habe ich mich schon immer gerne und dachte, der Reiz dabei sei, in andere Rollen zu schlüpfen. Tatsächlich aber wird mir immer klarer, dass mir Verkleidungen ermöglichen, Teile in mir überhaupt erst einmal wahrzunehmen, die ich sonst eher verberge – vor mir und vor anderen.

Die meisten von uns tragen im alltäglichen Leben ganz ohne Verkleidung verschiedene Masken und das oft ohne sich darüber bewusst zu sein. So, wie wir ein bestimmtes „Foto-Gesicht“ haben, haben wir oft auch eine „Arbeitsmaske“, eine „Gesellschaftsmaske“ und andere mehr. Achtsame Fotografie heißt für mich, hinter diese Masken zu schauen, um das zu erspüren, was uns wirklich ausmacht – das sind verletzliche Teile, manchmal ängstliche und verträumte, manchmal auch wütende und wilde, in jedem Fall aber emotionale.

Das Spiel mit verschiedenen Requisiten schenkt mir persönlich die Möglichkeit, mich anders zu geben und anders zu sehen – nein Moment, gar nicht mal anders, sondern vielmehr lerne ich, MEHR von mir zu sehen. Und deshalb setze ich das auch in meinem Shootings mit anderen ein – jedes Requisit kann zu einer Tür führen, hinter der sich ein Teil verbirgt, der bisher noch unentdeckt war. Und es ist so spannend, die Türen behutsam zu öffnen.

Perücken, Hüte, Kleider, Schminke und dergleichen mehr ermutigen Verstecktes, Scheues, manchmal auch Verstörendes in mir, einen Schritt nach vorn zu machen. Und das meinte ich, als ich im letzten Beitrag von Selbsterkenntnis durch Selfies schrieb:  dass wir Ungeahntes an uns entdecken können, bisher Ungewürdigtes, oft Ungelebtes und manchmal auch Ungeheuerliches.

Zugegeben, es braucht ein bisschen Mut, sich auf dieses Abenteuer einzulassen, haben Sie ihn?

 

 

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Das achtsame Porträt: Selbsterkenntnis durch „Selfies“

Gepostet von am Mai 19, 2016 in Alle Beiträge, Das achtsame Porträt, Ich mit mir | 8 Kommentare

Das achtsame Porträt: Selbsterkenntnis durch „Selfies“

(Dieser Text stammt aus meinem Selbstlernkurs Mein achtsames Ich.)

Seit einigen Jahren fotografiere ich mich selbst. Ich weiß, die so genannten Selfies, also Fotos, die man mit einem Handy oder einer Digitalkamera von sich selbst macht, haben inzwischen den Ruf oberflächlicher Selbstdarstellung. Tatsächlich aber schenken sie uns eine wirklich wundervolle Möglichkeit: nämlich die, uns immer wieder selbst ganz neu sehen zu lernen.

Ich habe in einer Zeit begonnen, mich selbst zu fotografieren, als es mir alles andere als gut ging. Ich war traurig und verzweifelt und begann damit, trotzig Bilder von meinem verheulten und abgemagerten Gesicht zu machen. Zu Beginn wollte ich automatisch alle „schlimmen“ Fotos löschen. Aber je mehr Fotos ich machte, desto spannender fand ich es, gerade auch die aufzuheben, auf denen ich mich zuerst ganz schrecklich fand. Ich sah sie nämlich mit etwas Abstand ganz anders. Ich sah nicht mehr das Äußere, sondern bekam Mitgefühl mit der verhärmten, verquollenen und so endlos traurig aussehenden Frau. Ich glaube, das war der Moment, in dem ich begann, meine eigene Hand zu ergreifen und nicht länger gegen mich zu kämpfen. Ich begann, mit mir zu fühlen.

Bis zum heutigen Tag ermöglichen es mir Selbstportraits, immer wieder zu mir zu kommen und mich mir selbst zu nähern.

Oft bin ich mir so fern. Ich lasse kein gutes Haar an mir, kritisiere mich, mach mich fertig. Ich finde mich dann hässlich und dick und doof. Diese alten Muster übernehmen immer dann, wenn ich durch zu viel Anforderungen von außen, zu viel Stress und zu wenig Zeit für mich, nur noch funktioniere. Dann treibe ich mich an und wenn der Antreiber erstmal an der Macht ist, ist der innere Kritiker nicht weit. Dann zur Kamera zu greifen und mich zu fotografieren, ist dann so etwas wie Selbsttherapie.

Meine Selbstportraits geben mir eine Art Vorwand, mich mit mir zu befassen, schließlich muss ich die Bilder in Ruhe sichten und aussortieren. Wenn ich dann die Fotos anschaue, die ich bei einer solchen Sitzung von mir gemacht habe (und das können schon einige Dutzend sein), berührt mich dieser Mensch dort oft sehr. Manchmal ist es ein bestimmtes Bild, das mich wieder fühlen lässt, manchmal eine Serie. Manchmal komme ich schnell zu mir durch, manchmal dauert es.

Ich kann mich auf den Fotos immer liebevoller und mitfühlender anschauen. Ich spüre, dass es sich dieser Mensch nicht immer leicht macht, dass die Frau dort hart mit sich ins Gericht geht, und ich setze dann einen sanften, liebevollen Blick dagegen. Ich sehe den Glanz in den Augen, das Lächeln, die schönen Haare. Ich bewundere die Ausstrahlung und bin manchmal ganz gefangen von der Traurigkeit oder auch der Fröhlichkeit, die die Fotos von mir zeigen.

Ich möchte Sie mit diesem Text einladen und ermutigen, auszuprobieren, sich selbst zu fotografieren. Und zwar nicht einfach mal ein Foto vor einem Gebäude, vor dem Sie gerade stehen, oder wie Sie am Strand mit anderen sind, sondern es geht darum, dass Sie sich selbst begegnen

 

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