Blog

Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Zeit, lebendig zu sein!

Gepostet von am Feb. 19, 2017 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir | 2 Kommentare

Zeit, lebendig zu sein!

Hin und wieder trifft mich ein Gedanke bis tief ins Mark, weil die Worte mich wachrütteln. Neulich war es sinngemäß der Aufruf, sich für das mehr Zeit zu nehmen, was einen lebendig sein lässt.

Als ich das las, spürte ich so eine tiefe Traurigkeit in mir und solch eine große Sehnsucht nach allem Möglichen, dass mir die Tränen kamen. Denn auch wenn ich ein sehr selbst bestimmtes Leben führe, so gibt es immer wieder Phasen, in denen ich aus den Augen verliere, worum es mir eigentlich geht. Dann arbeite ich zu viel und zu diszipliniert und habe immer weniger Kontakt zu den Anteilen in mir, die sich nicht um Abgabetermine, Rechnungen oder Altersvorsorge kümmern, sondern denen es um Freude, Intensität, Gefühle und Abenteuer geht. Diese Teile in mir schicke ich in ein Zimmer und die Tür bleibt zu.

Eine Weile können sie sich da auch gut beschäftigen, aber irgendwann höre ich sie immer öfter rufen. Sie werden nie sehr laut, dazu sind sie zu gut erzogen. Auch schlagen oder treten sie nie gegen die Tür (vielleicht wäre es gut, wenn sie das mal tun würden…). Vielmehr werden sie nach einer gewissen Zeit immer leiser.

Nur ihr Schmerz bleibt spürbar. 

Tja und mit dem Aufruf nach mehr Lebendigkeit spürte ich mit jeder Faser, wie wichtig genau das tatsächlich ist – egal in welcher Phase des Lebens! Wenn ich diese kunterbunten Teile in mir wegsperre, weil ich fürchte, dass sie mich vom Leisten und Schaffen abbringen, verliere ich so viel von dem, was mich ausmacht. Ich werde immer ernster und schwerer, ich werde grauer und müder und immer unsichtbarer in meinem Sein.

Das Schöne ist: Sowie ich die Tür öffne, sind sie nie nachtragend, sondern kommen herausgehüpft und rennen mit weit geöffneten Armen Richtung Wald und Wiesen und hinein in die große Stadt. Sie tragen Gummistiefel, um durch Pfützen springen zu können und bunte Kleider für die Feste und Flickenhosen, bereit, auf jeden Baum zu klettern. Sie haben Farben mit dabei und Leinwände und malen die Welt immer wieder neu. Sie bringen Musik in mein Leben und den Tanz und das Lachen und die Energie.

Und dann weiß ich wieder genau, was Leben wirklich ausmacht. 

 

lebendig

Gute Tage – was macht sie aus?

Gepostet von am Feb. 7, 2017 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir | 1 Kommentar

Gute Tage – was macht sie aus?

Das dürfte wohl jeder kennen: es gibt gute Tage und es ist gibt schlechte Tage. Von außen betrachtet gibt es oft wenig Unterschiede zwischen diesen Tagen, dieselbe Umgebung, dieselben Herausforderungen, dieselbe Ausgangssituation. Und doch liegen Welten zwischen ihnen.

Ich spüre nach: Was macht eigentlich gute Tage aus?

Gute Tage sind für mich nicht zwingend Tage, an denen alles glatt läuft. Mir muss nichts Tolles widerfahren, ich muss nichts Besonderes erreichen und ich brauche auch keine außergewöhnlichen Erlebnisse (wobei das natürlich auch alles Teile eines guten Tages sein können). Es können also auch leise Tage gut sein. An manchen Tagen, an denen ein Außenstehender denken würde: Wow, wie großartig! empfinde ich das ganz anders, während an manch‘ unscheinbaren Tagen, die wohl keiner sonst für toll halten würde, ich vollkommen glücklich und zufrieden bin. 

Gute Tage sind für mich Tage, an denen ich mich spüren kann und gut für mich sorge. An diesen Tagen verliere ich mich nicht im Außen und verzettele mich nicht in Ansprüchen und Erwartungen an mich, sondern lebe meinen ganz eigenen Rhythmus. An guten Tagen bin ich in Kontakt mit mir und merke, was ich brauche – und gebe mir genau das. An guten Tagen gehe ich nicht über meine Leistungsgrenzen, sondern sorge für Pausen und Bewegung, für ausreichend Nahrung und Getränke. 

Gute Tage haben darüber hinaus vor allem mit dem Ja in mir zu tun, zu genau dem, was gerade ist. Ich kann an guten Tagen energievoll sein, fröhlich oder abenteuerlustig, aber genauso kann ich auch traurig sein oder melancholisch oder müde – entscheidend ist, dass ich annehme, was ist. 

Gute Tage sind also vor allem solche Tage für mich, an denen ich bei mir bin und bei mir bleibe. 

Und was sind gute Tage für Sie?

Andere Wege – gab es sie je?

Gepostet von am Jan. 29, 2017 in Alle Beiträge, Ich mit mir, Ich und andere | 5 Kommentare

Andere Wege – gab es sie je?

Ich denke hin und wieder mal darüber nach, was passiert wäre, wenn ich früher andere Entscheidungen getroffen hätte. Wenn ich also an den berühmten Wegkreuzungen andere Wege gewählt hätte.

Wie wäre mein Leben dann verlaufen und wie sähe es heute aus? 

Nun kam mir neulich im Gespräch der Gedanke, dass es vielleicht ja auch so sein könnte, dass es eigentlich nie wirklich andere Wege für mich gab. Und diesen Gedanken finde ich sehr spannend.

Die Entscheidungen, die ich getroffen habe, waren ja ganz wesentlich durch die Muster bestimmt, die mich damals ausmachten. Ich hatte bestimmte Sachen bis dahin erlebt und verschiedene Erfahrungen gemacht. Ich wusste einiges, anderes nicht, ich konnte einiges, anderes nicht. Und mir waren bestimmte Dinge wichtig, durch die ich mir genau das erhoffte, was ich mir damals eben erhoffte.

Tja, und nun denke ich: Hätte ich nicht genau die Entscheidungen getroffen, die ich getroffen habe, wäre es doch wohl wahrscheinlich gewesen, dass ich zumindest sehr ähnliche getroffen hätte, oder nicht? 

Wenn ich heute zurückschaue, tue ich das aus meiner Geschichte heraus, die mich geprägt hat und durch die ich viel erfahren und lernen durfte. Ich sehe deshalb heute natürlich vieles ganz anders als damals und mir sind heute ganz andere Dinge wichtig als früher. Heute würde ich andere Entscheidungen treffen, das ist klar…, aber das doch nur, weil mich meine damaligen Entscheidungen auf genau den Weg brachten, den ich gegangen bin. 

Es war mein Weg, mein ganz persönlicher Weg – und der war genau richtig so, wie er war.

Ich selbst bin kein Haderer, aber ich weiß von vielen Menschen, dass sie im Nachhinein einiges schmerzlich bereuen und wünschten, sie hätten andere Wege gewählt. Sich wirklich einmal ganz bewusst die Frage zu stellen, ob andere Wege tatsächlich überhaupt möglich gewesen wären, kann, denke ich, etwas ganz Versöhnliches und auch viel Mitgefühl mit sich selbst in solche Rückblicke bringen. 

Von der Seele reden

Gepostet von am Jan. 25, 2017 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir, Ich und andere | 9 Kommentare

Von der Seele reden

Eines meiner großen Bedürfnisse im Zusammensein mit Menschen, die mir etwas bedeuten, sind Aussprachen. Ich möchte mir das, was mich bewegt, genauso von der Seele reden wie ich die Erfahrenswelt anderer Menschen wenigstens ein Stück weit begreifen möchte und ich möchte möglichst immer gleich Belastendes aus der Welt schaffen.

Miteinander reden zu können schafft für mich Nähe.

Es war mir schon immer wichtig, mich verständlich zu machen und mein Verhalten zu erklären, genauso wie das des anderen wenigstens ein bisschen zu begreifen und mehr über seine (Hinter-)Gründe zu erfahren.

Nicht reden zu können, empfinde ich als trennend und belastend. Ich stehe dann gefühlt wie vor einer unüberwindlichen Mauer, die mich oft schon hat verzweifeln lassen.

Wahrscheinlich habe ich schon eine ganze Menge Menschen zu Gesprächen gedrängt, die sie eigentlich so gar nicht führen wollten bzw. auch nicht konnten. Denn mir wird immer klarer, dass manch einer eben wirklich nicht über sich und seine Gefühle und sein Sein reden mag oder es ihm nicht möglich ist. Und das ist ok so, ich muss es nicht mehr ändern. Ich weiß inzwischen, dass ich vor einer Mauer nicht mehr stehen bleiben muss, sondern mich umdrehen und wo anders hingehen kann.  

Mein tiefes Bedürfnis nach Gesprächen aber bleibt und ich denke, ich habe einen für mich ganz hilfreichen Weg gefunden, wie ich damit umgehen kann, auch wenn mein Gegenüber mir solche Gespräche verweigert, sie unbefriedigend laufen oder auch einfach nicht sinnvoll sind: Und zwar schreibe ich Briefe. 

Ich schreibe Briefe an die Menschen, die mich nicht anhören wollen, die mich nicht verstehen können oder die nicht erreichbar sind. Diese Briefe schicke ich nie ab, sie bleiben bei mir – und genau das ist entscheidend! Würde ich sie abschicken, würde ich die gezogene oder natürlicherweise vorhandene Kommunikationslinie doch wieder überschreiten und genau das will ich nicht mehr tun.

Ich schreibe die Briefe für mich, denn genau in ihnen kann ich mir alles von der Seele reden oder besser gesagt „schreiben“, meine Gedanken und Gefühle sortieren und oft etwas mehr Klarheit finden. Diese Art Briefe zu schreiben, mag vielleicht wie eine Nabelschau wirken, aber tatsächlich scheinen sie auch Energie freizusetzen. Denn hin und wieder bewegen die Briefe auch ohne dass ich sie abschicke etwas auf der anderen Seite, aber das ist nicht mein Hauptanliegen.

Ich schreibe die Briefe, damit das Ungesagte nicht in mir gärt oder wuchert oder bitter wird und mich vergiftet. So muss ich nichts verdrängen, sondern kann achtsam in meinen Wahrnehmungen bleiben und vor allem auch achtsam in dem, was mir im Miteinander (oder auch in der Trennung) zu anderen nicht gut tut. Für mich ist es ein sehr schöner Weg vor allem in frustrierenden und schmerzenden Beziehungen gut für mich zu sorgen und nicht in den Groll oder die Ohnmacht zu gehen. Briefe ermöglichen mir, in Kontakt zu bleiben, auch wenn die Kommunikation schwierig oder unmöglich ist. 

Das ist mein Fuß, auf dem Du stehst!

Gepostet von am Jan. 18, 2017 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich und andere | 4 Kommentare

Das ist mein Fuß, auf dem Du stehst!

Das große Thema „Grenzen setzen“ scheint mir noch ein bisschen erhalten zu bleiben. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren dazu ein Intensiv-Coaching vom Leben bekommen habe, um die Grundlagen zu erlernen, folgt nun offenbar das Fortgeschrittenen-Training, so fühlt es sich jedenfalls an.

Mir ist bereits klar geworden, dass ich, um überhaupt Grenzen setzen zu können, in der Lage sein muss, mich selbst zu spüren. Da es mir naturgemäß leicht fällt, andere Menschen zu fühlen (deren Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen), ist es immer wieder eine Herausforderung, tatsächlich MICH zu spüren. Wenn ich das aber schaffe, dann merke ich sehr deutlich, wie oft und wie kräftig mir manch‘ ein Mitmensch auf die Füße tritt – und, wenn ich ehrlich bin, wie oft ich das geradezu eingeladen habe. 

Ok, so dachte ich, wenn ich nun „Aua“ sage und die Person bitte, das zu lassen, dann ist alles gut. Aber weit gefehlt! Denn nur weil ich meine Empfindung ausdrücke und mich bemühe, auch mal klar eine Grenze zu ziehen, führt das noch lange nicht bei allen dazu, dass sie aufhören mit dem, was mich verletzt oder was zu weit geht, ganz im Gegenteil: manch einer scheint dann erst recht noch eins drauf zu setzen.

Das fand ich zunächst sehr frustrierend und unfair, denn, hey, ich hatte doch so toll begriffen, um was es geht und, hey, eigentlich sollte doch der andere auch ein Interesse haben, mir nicht so zuzusetzen, nicht wahr? Mit etwas Abstand betrachtet verstehe ich, dass ich, indem ich beginne Grenzen zu setzen, ausgesprochen unbequem für mein Gegenüber werde, der vorher hintreten konnte, wohin er wollte. Nun soll er das nicht mehr tun und vielleicht sogar auch noch von sich aus aufpassen? Wie anstrengend! 

Tja, und darum geht es wohl im Fortgeschrittenen-Kurs in Sachen Grenzen setzen: sich zu erlauben, auch mal anstrengend für andere zu sein. Wenn ich den anderen auf meinen Füßen stehen lasse, muss der sich nicht bewegen, sondern kann es sich da weiter gemütlich machen. Klar, dass er dann nicht erfreut ist, wenn ich ihm nicht nur sage, dass er bitte einen Schritt zurück machen soll, sondern wenn ich ihn vielleicht sogar ein gutes Stück wegschubsen muss, damit er mir nicht gleich wieder auf die Füße tritt.

Es sind MEINE Füße und es ist nicht nur mein Recht, sondern es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass sich da keiner drauf stellt, denn letztlich wird das kein anderer für mich machen, so sehr ich mir das vielleicht auch wünschen mag. Weder Jammern noch Vorwürfe helfen, ich muss selbst dafür sorgen, nicht mehr getreten zu werden.

Und wissen Sie was? Genau das zu tun, tut ziemlich gut! 

Eine begrenzte Zeit…

Gepostet von am Jan. 11, 2017 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 6 Kommentare

Eine begrenzte Zeit…

Es gibt eine Übung, die immer wieder gerne eingesetzt wird, damit wir uns über unsere Ziele klarer werden und über das, was uns wirklich wichtig ist – und die lautet:

„Was würdest Du tun, wenn Du wüsstest,
dass Du nur noch eine begrenzte Zeit zu leben hättest?“
 

Eine machtvolle Übung, keine Frage.

Aber,… was macht der Konjunktiv in dieser Frage? 

Wir haben doch alle nur noch eine begrenzte Zeit zu leben! Jede/r von uns. Diese Vorstellung macht vielen von uns offenbar so viel Angst, dass wir diese Tatsache nur im Konjunktiv im Rahmen einer Selbsterfahrungsübung durchdenken können, obwohl sie doch ständige Gewissheit ist, seit wir geboren wurden! 

Je achtsamer ich werde, desto klarer wird mir die Begrenzung meiner Zeit hier. Das ist nicht immer angenehm. Und doch ist es gut so, denn es lässt mich bewusster leben. Ich glaube inzwischen, das wir nur dann wirklich lebendig sein können, wenn wir den Tod als Teil des Lebens akzeptieren. Und zwar nicht nur als abstraktes Phänomen, das anderen passiert, sondern eben wirklich als unumstößlicher Teil unseres EIGENEN Lebens. 

Immer wieder wird die Vision von Unsterblichkeit gezeichnet. Ist das wirklich etwas, das wir uns wünschen sollten? Schenkt uns nicht gerade das Wissen darüber, dass nichts unendlich ist, eben (oder gerade) auch unser Leben nicht, die Chance, es wirklich zu schätzen und zu würdigen? Wie würden wir wohl leben, wenn wir wüssten, dass wir nicht sterben müssten… – ich mag es mir nicht ausmalen.

Was ich mir aber ausmalen mag ist, wie ich leben würde, wenn ich das Sterben umarmen kann und keine Angst mehr davor hätte. Wenn ich mit einem wundervollen, kunterbunten  und gewaltigen Ja zu allem in die Welt hinaustanzen könnte, ohne all die Furcht und Lähmung, die mich manchmal überkommt, wenn ich daran denke, irgendwann gehen zu müssen… 

Tja, wie wäre das wohl?

Über Abschiede…

Gepostet von am Jan. 6, 2017 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich und andere | 4 Kommentare

Über Abschiede…

Wie schwer uns doch oft Abschiede fallen, vor allem natürlich die, die für immer sind. Etwas Geliebtes oder Geschätztes, etwas, das uns wichtig ist und viel bedeutet, für einige Zeit oder eben tatsächlich ganz loslassen zu müssen, löst oft einen Schmerz aus, der uns zu zerreißen droht. 

Und doch… es ist auch etwas Schönes, so empfinden zu können!

Von Winnie the Pooh stammt dieser Ausspruch: „How lucky I am to have something that makes saying goodbye so hard.“ (übersetzt in etwa: „Wie glücklich ich doch bin, dass ich etwas habe, zu dem ‚Leb wohl‘ zu sagen so schwer fällt.“) – und stimmt das nicht? Wir vergessen oft uns klarzumachen: Wenn wir etwas vermissen, sind wir zuvor reich gewesen.

Überlegen wir einmal für einen Moment: Was ist die Alternative? Dass es vollkommen beliebig wäre, ob etwas vergeht oder bleibt, es würde einfach keinen Unterschied machen für uns. Wer will schon so leben, nur um nicht verletzt zu werden? Ich jedenfalls nicht!

(Abschieds-)Schmerz und Trauer sind in ihrer reinsten Form für mich ein Ausdruck von Liebe. Und deshalb möchte ich trotz all des zu erwartenden Schmerzes mein Herz immer und immer wieder für Menschen und andere Lebewesen öffnen, für Momente, für Erlebnisse und für alles, was mich berührt, auch wenn ich genau weiß, dass ich irgendwann wieder loslassen muss.

Fühlen will ich! Liebe, Begeisterung, Begegnung, Bewunderung, Leidenschaft, ja, den Zauber und die Magie von all dem, was mich bewegt, auch wenn es noch so flüchtig ist. 

Manchmal müssen wir Abschied nehmen, obwohl wir nicht bereit dazu sind. Wir hatten nicht mit dem Verlust gerechnet, er kam aus heiterem Himmel und verzweifelt wünschen wir uns eine Verlängerung dessen, was uns genommen wurde. Dann drängt sich die Sinnfrage auf, die jeden Schmerz ins Destruktive treibt. Die Antwort darauf kann für mich nur heißen: Der Sinn ist das Fühlen selbst, unsere Liebe, das was wir geben können und das, was wir bekommen haben. Manche Wege mit dem, was uns wichtig ist, sind kurz, so kurz. Aber auch sie haben uns bereichert  und auch für sie können wir dankbar sein. Dankbarkeit mildert den Schmerz und lässt unser Herz trotz allem offen bleiben.

Am Jahresende

Gepostet von am Dez. 31, 2016 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 4 Kommentare

Am Jahresende

Eigentlich ist das Jahresende ja auch nur ein Datum und doch ist es so viel mehr als das. Kaum jemand, der zum Jahreswechsel nicht zurückschaut auf all die Monate, die hinter einem liegen und kaum jemand, der nicht auch ein Stück weit nach vorne blickt, vielleicht mit konkreten Plänen und Zielen, vielleicht auch eher vage mit Hoffnung, Neugier oder auch Angst. Und auch ich merke immer wieder, wie stark für mich dieser symbolische Schlusspunkt und Neustart wirkt. 

Achtsam in den Jahreswechsel zu gehen heißt für mich nicht mehr, To-do-Listen zu erstellen oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Erreichen meiner Ziele. Ich bin gelassener geworden, was die Zukunft angeht, da ich für mich inzwischen weiß, dass eh kommt, was kommen soll. Ja, auch ich habe natürlich einige Vorstellungen und Ideen von dem, was ich gerne 2017 angehen würde, vor allem aber möchte ich an diesem Jahresende mit Hingabe meine Arme öffnen für das, was das Leben für mich bereit hält. 

2016 war ein sehr anstrengendes Jahr für mich. Es hat mich an viele Themen gebracht, hat mich viel Kraft gekostet und ich habe sehr, sehr viel gelernt. Das Wort, dass ich zu Beginn des Jahres für mich gefunden hatte, war „Freiheit“ gewesen und ja, darum ging es in diesem Jahr. Für Freiheit steht Befreiung an und Befreiung beschreibt den gewaltigen Prozess, in dem ich gerade bin.

2016 hat mir auch ein kostbares Geschenk gemacht: Ich habe erkannt, wie wichtig es für mich ist, im Ja zu bleiben, was immer auch gerade ansteht. In meinem Ja steckt all meine Kraft, all meine Energie. Mein Ja möchte ich nicht nur mitnehmen in das nächste Jahr, sondern ich möchte es nie wieder verlieren. 

Für 2017 ist das Wort „Leichtigkeit“ da. Es hüpfte vor einigen Tagen einfach auf mich zu und beschloss, mein nächstes Jahresmotto zu werden. Es steht für eine tiefe Sehnsucht in mir und so nehme ich dieses, für mich noch etwas fremde Wort in mich auf und gehe mit ihm ins neue Jahr.

Auf das, was kommt!

Ich schrei mein Ja in die Welt

Gepostet von am Dez. 20, 2016 in Alle Beiträge | 2 Kommentare

Ich schrei mein Ja in die Welt

Heute ist wieder so ein Tag der Fassungslosigkeit. Diesmal hat es „meine“ Stadt getroffen. Dort, wo ich als Jugendliche mit meinen Freunden saß und lief, starben gestern Menschen. Beliebig und brutal aus dem Leben gerissen, vielleicht den Glühwein noch in der Hand. 

Mit jedem dieser Geschehnisse wird mein Trotz größer und langsam reicht es mir nicht mehr, diese Worte nur zu flüstern oder mit Freunden zu teilen, sondern ich beginne, sie in die Welt zu rufen:

Ihr bekommt sie nicht,
meine Angst und meinen Hass!

Mit jeder dieser Taten, die so irrsinnig sind, wird das Ja zum Leben in mir größer und stärker. Und es bekommt mehr und mehr eine Stimme. 

Am liebsten würde ich es mit aller Kraft hinausbrüllen mein Ja, denn es ist das einzige was mir einfällt zu all diesem Wahnsinn, der Menschen andere Menschen töten lässt, wahllos und zufällig. Ich verstehe den Sinn in all dem nicht, aber ich spüre in jeder Faser in mir, dass die Antwort auf all das nur sein kann, erst recht mit weit geöffnetem Herzen ins Leben zu rennen und zu jedem Tag, zu jedem Augenblick, zu jeder Sekunde JA zu sagen.

Stress mit dem Schenken?

Gepostet von am Dez. 16, 2016 in Alle Beiträge, Ich und andere | 3 Kommentare

Stress mit dem Schenken?

Gehören Sie auch zu den Menschen, die in den letzten Wochen Stress verspürt haben, da Sie noch nicht alle Weihnachtsgeschenke zusammen hatten? Und machen Sie sich vielleicht auch jetzt gerade Stress, weil Sie immer noch nicht durch damit sind? Dann sind Sie nicht allein – auch mir ging es schon öfter so, leider! Das Schenken scheint für viele immer mehr eine fast lästige und eben auch stressige Angelegenheit zu werden und irgendwie finde ich das traurig. 

In diesem Jahr habe ich mich auch wieder dabei erwischt, wie ich ziemlich genervt zu jemanden sagte: „Und Weihnachtsgeschenke muss ich auch noch besorgen…“ Ich hielt inne und ließ das, was und vor allem auch, wie ich es gesagt hatte, nachwirken – und beschloss dem ein Ende zu machen. Nicht dem Schenken, sondern dem Genervtsein!

Ich schenke nämlich richtig gern. Ich liebe es, schöne Dinge für meine Lieben auszusuchen. Oder praktische. Oder lustige. Oder auch mal nachdenklich machende. Auf jeden Fall passende, denn darum geht es mir beim Schenken: Ich möchte etwas finden, von dem ich mir ziemlich sicher bin, dass es den anderen in irgendeiner Weise berührt oder bewegt. Genau darin steckt für mich die Freude beim Schenken – und gleichzeitig macht es genau das auch so anstrengend. Denn solche Geschenke finde ich nicht mal eben auf die Schnelle und schon gar nicht, wenn ich überall nur Botschaften bekomme, wie: „Kauf mich, ich bin besonders billig.“ oder „Kauf mich, von mir gibt es gleich zwei.“ oder „Kauf mich, weil man mich unbedingt kaufen muss.“  

Werbung, grelle Präsentationen und Marktschreierei machen es mir schwer, mich aufs Schenken einzulassen. Und ich glaube, dass ich deshalb gerade in der Vorweihnachtszeit das Aussuchen von Geschenken eher als lästig empfinde – ich bin oft viel zu abgelenkt von allem, was sich mir in den Weg drängt, damit ich es mitnehme. 

Ich möchte achtsam Geschenke auswählen, mit Ruhe, Muße und Bedacht. Ich möchte mich ins Schenken hineinfühlen, denn dann finden mich genau die Geschenke, die zu den Menschen passen, an die ich jeweils denke. Aber dafür muss ich bei mir bleiben und zwar bei meinem Bauch- und Herzgefühl. Ich darf mich nicht ablenken lassen von dem Sparschweinchen in mir, dass dort etwas superbillig sieht und nicht von der Vernünftigen in mir, die mich auf das hinweist, was jeder brauchen kann und auch nicht von der Praktischen in mir, die am liebsten das besorgt, was sich leicht verschicken, tragen oder verpacken lässt und erst recht nicht von der Unsicheren, die ganz schnell sagt: „Na, was der da anbietet, klingt doch gut!“ Nein, all jeden will ich nicht über meine Geschenke entscheiden lassen.

Schenken soll mein Herz!

Damit ich aber wirklich mit ihm Geschenke auswählen kann, muss ich mich loslösen von dem allgemeinen Druck der Vorweihnachtszeit, der im Takt hämmert: „Kaufen! Kaufen! Kaufen!“ Früher habe ich das ganze Jahr über mal hier und mal da nach Geschenken gesucht oder selbst welche hergestellt und so hatte für viele meiner Lieben eigentlich immer etwas Passendes bereit. Ich glaube, genau damit sollte ich wieder beginnen, denn damals machte mir Schenken wirklich Freude. Es wäre schön, mir das wieder zurückzuerobern.