Das ist mein Fuß, auf dem Du stehst!

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Das ist mein Fuß, auf dem Du stehst!

Das große Thema „Grenzen setzen“ scheint mir noch ein bisschen erhalten zu bleiben. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren dazu ein Intensiv-Coaching vom Leben bekommen habe, um die Grundlagen zu erlernen, folgt nun offenbar das Fortgeschrittenen-Training, so fühlt es sich jedenfalls an.

Mir ist bereits klar geworden, dass ich, um überhaupt Grenzen setzen zu können, in der Lage sein muss, mich selbst zu spüren. Da es mir naturgemäß leicht fällt, andere Menschen zu fühlen (deren Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen), ist es immer wieder eine Herausforderung, tatsächlich MICH zu spüren. Wenn ich das aber schaffe, dann merke ich sehr deutlich, wie oft und wie kräftig mir manch‘ ein Mitmensch auf die Füße tritt – und, wenn ich ehrlich bin, wie oft ich das geradezu eingeladen habe. 

Ok, so dachte ich, wenn ich nun „Aua“ sage und die Person bitte, das zu lassen, dann ist alles gut. Aber weit gefehlt! Denn nur weil ich meine Empfindung ausdrücke und mich bemühe, auch mal klar eine Grenze zu ziehen, führt das noch lange nicht bei allen dazu, dass sie aufhören mit dem, was mich verletzt oder was zu weit geht, ganz im Gegenteil: manch einer scheint dann erst recht noch eins drauf zu setzen.

Das fand ich zunächst sehr frustrierend und unfair, denn, hey, ich hatte doch so toll begriffen, um was es geht und, hey, eigentlich sollte doch der andere auch ein Interesse haben, mir nicht so zuzusetzen, nicht wahr? Mit etwas Abstand betrachtet verstehe ich, dass ich, indem ich beginne Grenzen zu setzen, ausgesprochen unbequem für mein Gegenüber werde, der vorher hintreten konnte, wohin er wollte. Nun soll er das nicht mehr tun und vielleicht sogar auch noch von sich aus aufpassen? Wie anstrengend! 

Tja, und darum geht es wohl im Fortgeschrittenen-Kurs in Sachen Grenzen setzen: sich zu erlauben, auch mal anstrengend für andere zu sein. Wenn ich den anderen auf meinen Füßen stehen lasse, muss der sich nicht bewegen, sondern kann es sich da weiter gemütlich machen. Klar, dass er dann nicht erfreut ist, wenn ich ihm nicht nur sage, dass er bitte einen Schritt zurück machen soll, sondern wenn ich ihn vielleicht sogar ein gutes Stück wegschubsen muss, damit er mir nicht gleich wieder auf die Füße tritt.

Es sind MEINE Füße und es ist nicht nur mein Recht, sondern es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass sich da keiner drauf stellt, denn letztlich wird das kein anderer für mich machen, so sehr ich mir das vielleicht auch wünschen mag. Weder Jammern noch Vorwürfe helfen, ich muss selbst dafür sorgen, nicht mehr getreten zu werden.

Und wissen Sie was? Genau das zu tun, tut ziemlich gut! 

4 Kommentare

  1. Liebe Tania,

    deine Zeilen bewegen mich mal wieder.
    Hängen geblieben bin ich bei dem „ich muss mich selbst spüren, wenn ich Grenzen setzen will“ und dem „sich zu erlauben, auch mal anstrengend für andere zu sein“. Wohl wahr.
    Wahrnehmungsguide Claudia Heipertz, die sich viel mit dem Thema Bedürfnisse und „de eigenen Raum wahrnehmen“ beschäftigt, spricht von innerer und äußerer Abgrenzung: Die äußere Abgrenzung besteht darin, sich anderen gegenüber zu behaupten, seine Grenzen zu verteidigen; die innere Abgrenzung impliziert ein Bewusstsein über die eigenen Grenzen und Bedürfnisse. Die äußere Abgrenzung ist demnach erst dann erfolgreich, wenn diese innere Vorarbeit geleistet wurde.

    Ein schönes Wochenende wünscht

    Carolin

    • Herzlichen Dank, Carolin, für diese Ergänzung.

      Alles Liebe,
      Tania

  2. Danke, liebe Tania für das Mit-Teilen.
    Das triffts wieder genau.
    An dem Thema bin ich auch schon lange Zeit dran.
    Fällt mir immer noch sehr schwer.

    Erst gestern. Da bin ich ein paar Schritte für mich gegangen.
    War mir hinterher gar nicht sicher, ob es so gut war.
    Nachdem ich dann ein paar Stunden und eine Nacht mit mir gegangen bin, habe ich erkannt, dass es gut und wichtig war.

    Hab ein schönes Wochenende !
    Theresia

    • Ja, dieses Gefühl der Unsicherheit kenne ich auch, die nagenden Zweifel. Aber, ja. es IST gut und vor allem wichtig, für sich einzustehen.

      Lieber Gruß,
      Tania

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