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Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Ausgebremst

Gepostet von am Feb. 5, 2015 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 3 Kommentare

Ausgebremst

Ich bin ein recht schneller Mensch. Mein Grundtempo ist hoch, mein Geist agil. Warten müssen ist mir oft ein Gräuel und Geduld ist nicht gerade meine Stärke.

Aber was tun, wenn das Leben andere Vorstellungen hat, als man selbst? Wenn es einem Auszeiten und Zwangspausen verordnet? Dann kann man versuchen, dagegen anzukämpfen, wozu ich immer noch neige – und sich dabei aufrauchen.

Oder man versucht, das anzunehmen, also wieder einmal Ja zu sagen. 

Im Moment bremst mich das Leben auf ganz verschiedenen Ebenen und ich kann nichts tun, als das zu akzeptieren. Und in der Akzeptanz erkenne ich das Geschenk: nämlich die Notwendigkeit, mich wieder mehr mir selbst zuzuwenden.

Denn das geht mir bei meinem hohen Tempo so oft verloren: das Gefühl für mich, das Bei-Mir-Sein und das Bei-Mir-Bleiben. Nun, wo gerade im Außen nicht viel zu tun ist, bleibt mir nur, mich mit mir zu befassen und endlich wieder besser für mich zu sorgen. Danke, Leben! 

Lernen, lernen, lernen

Gepostet von am Jan. 21, 2015 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 2 Kommentare

Lernen, lernen, lernen

Für mich heißt Leben lernen und so sehe ich Herausforderungen als Lernchancen. Bisher konnte ich mich noch um keine einzige meiner Lernaufgaben herumdrücken, denn das Leben führt mich immer wieder an Punkte, an denen ich vor der gleichen Aufgabe stehe – und das so lange, bis ich bereit bin, zu lernen.

Mir hilft dieses Bild, mich auch dem zu stellen, was unangenehm ist oder mir Angst macht.

Was es zu lernen gibt? Zum Beispiel meine Glaubenssätze neu zu formulieren, Dinge anders zu sehen, Sachen zu bewältigen, neue Kompetenzen zu erlangen, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Meist reicht es dabei nicht aus, etwas einfach neu zu verstehen oder eine Fähigkeit neu zu erlangen, sondern es geht auch darum, das Neue zu festigen und zu trainieren, oft um von dort aus wieder Neues zu lernen. Das finde ich persönlich am schwierigsten, denn oft denke ich: „Mensch, das habe ich doch aber jetzt verstanden!“ oder „Hey, das ist mir jetzt schon so viel besser gelungen als früher.“ – aber nicht immer reicht dem Leben das. Dann stellt es mir neue Aufgaben und ich kann hadern oder schimpfen, ich komme nicht um sie herum. 

Also lerne ich und versuche, neue Lernaufgaben mit einem offenen Herzen anzunehmen (was mir nicht immer, aber immer öfter gelingt).  

Im Jetzt verliere ich manchmal den Sinn all der Lernaufgaben und dann ist es gut, zurückzuschauen und zu sehen, wohin mich mein Lernen gebracht hat. Das gibt mir Kraft, mich der nächsten Aufgabe zu stellen. Denn, wann immer ich zurückschaue, sehe ich, was ich mir auf diese Weise alles erarbeiten durfte, was ich tatsächlich alles gelernt habe und wie sehr mich das verändert hat. Ich kann Entwicklung erkennen, ein Weitergehen und ein Vorankommen im Sinne von Wachstum. Und wachsen oder auch reifen, das ist Leben.

Ungelebte Träume

Gepostet von am Jan. 9, 2015 in Alle Beiträge | 8 Kommentare

Ungelebte Träume

Ich denke in diesen Tagen über ungelebte Träume nach, also über Dinge oder Vorhaben, die wir uns wünschen, aber die wir nie wirklich angehen. Vielleicht wagen wir nicht einmal den ersten Schritt dorthin zu machen oder wir probieren einiges, brechen aber ab, oder wir könnten uns den Traum sogar tatsächlich erfüllen, aber tun es einfach nicht, ohne wirklich zu verstehen, warum.

In vielen Ratgebern zur Lebensgestaltung kann man nachlesen, wie man aus seinen Träume konkrete Ziele macht, wie man diese Schritt für Schritt angeht, wie man sich zum Dranbleiben motiviert und welche Tricks man nutzen kann, wirklich das zu erreichen, was man will. Tja, und genau an diesem Punkt kommen mir immer öfter Zweifel: nämlich ob das „was man wirklich will“ tatsächlich auch immer das ist, was man bekommen sollte… 

Meine Erfahrung ist immer wieder, dass es Gründe hat, wenn ich bestimmte Dinge nicht bekomme, Ziele nicht erreiche oder Vorhaben nicht angehe. Und so wird es auch Gründe haben, warum ich mir manchen Traum nicht erfülle, den ich eigentlich schon so lange hege. Nicht immer kann ich diese Gründe sogleich erkennen, aber in der Rückschau macht eigentlich alles einen Sinn.

Ich zweifele immer mehr daran, dass es gut ist, sich selbst mit Gewalt zu etwas zu bringen, da man dadurch gegen sich arbeitet (auch wenn es so aussehen mag, als tue man etwas für sich). Klar, ein gewisses Maß an Selbstdisziplin ist für viele Bereiche hilfreich, aber ich glaube immer weniger daran, dass Druck, Kampf und Gewalt etwas Gutes im Umgang mit sich selbst sind, ganz im Gegenteil.  

Ganz persönlich versuche ich im Zusammenhang mit meinem Motto für dieses Jahr „Dem Leben vertrauen“ auch sehr bewusst anzunehmen, wenn sich meine Träume nicht erfüllen und ich gesetzte Ziele nicht erreiche. So erkenne ich z.B., dass sich manche meiner Herzenswünsche gegenseitig widersprechen, ich sie also gar nicht wirklich erreichen kann. Bei anderen Träumen oder Zielen ahne ich, zumindest dann wenn ich mit meinem Bauchgefühl in Kontakt bin, dass es tatsächlich besser für mich ist, wenn diese ungelebt bleiben und manchmal spüre ich, dass vielleicht nur, weil sie sich nicht erfüllen, etwas viel Besseres kommen kann.  

Und in diesem Zusammenhang fällt mir noch ein chinesisches Sprichwort ein, das ich schon lange kenne: „Den die Götter strafen wollen, dem erfüllen sie alle Wünsche.“ Früher konnte ich damit wenig anfangen, aber heute macht es mich sehr nachdenklich. Sie auch?

Motto: Vertrauen!

Gepostet von am Jan. 1, 2015 in Alle Beiträge | 8 Kommentare

Motto: Vertrauen!

Ich starte in dieses neue Jahr mit viel Ungewissheit. Es stehen Veränderungen an, es wollen Pläne umgesetzt und es wollen so viele, verschiedene Facetten gelebt werden.

Wofür und wogegen werde ich mich entscheiden? Wohin wird es mich treiben? Was werde ich erleben? Was werde ich loslassen müssen? Und was alles geschenkt bekommen? Selten habe ich so wenig Konkretes vorausgeplant, wie im Moment.

Aber so ungewiss die vor mir liegende Zeit auch zu sein scheint, so empfinde ich dennoch eine Grundgelassenheit, die ich bisher noch nicht kannte. Es ist das Gefühl, dass alles seinen Weg gehen wird und dass alles, was kommt, auf seine Art richtig sein wird.  Ja, ich merke: in mir ist eine ganz tiefe Überzeugung, dass alles zu etwas gut ist und dass alles, was mir geschieht, einen Sinn haben wird, und dass für alles gesorgt ist.

Wie gut sich das anfühlt! 

Und so starte ich mit dem Motto „Dem Leben vertrauen“ in dieses neue Jahr – vielleicht passt das auch für Sie?

Geschlossene Türen?

Gepostet von am Dez. 28, 2014 in Alle Beiträge | 1 Kommentar

Geschlossene Türen?

Ich habe es in der letzten Zeit als sehr hilfreich empfunden, geschlossenen Türen in meinem Leben zu erkennen. Damit meine ich Gedanken und Überzeugung, die z.B. so klingen:  

„Es ist undenkbar, dass…“  oder „Vollkommen unmöglich, dass ich …“ oder „… geht gar nicht.“ oder „Ich wüsste nicht weiter, wenn…“ oderNiemals würde ich…“ oder auch „Nie wieder mache ich …“ usw.

Es gab eine Zeit, in der ich so ziemlich in jeder Richtung von fest verschlossenen Türen umgeben war. Türen, die ich oft genug selbst ge- und abgeschlossen hatte und bei denen ich wachsam darauf achtete, möglichst nicht einmal in deren Nähe zu kommen. Zu wissen, dass ich diese Türen nicht öffnen würde (und auch Acht darauf gab, dass es kein anderer tat), gab mir ein  (vermeintliches) Gefühl von Sicherheit, denn so konnte ich daran glauben, dass mich das, was ich dahinter vermutete, nie treffen, nie überrennen und nie umwerfen würde (was für ein Irrtum!). 

Was mir aber nicht bewusst war (obwohl ich es sicher ahnte): Geschlossene Türen sperren viel weniger etwas aus, sondern sie sperren viel mehr etwas ein: nämlich einen selbst. Bei der Anzahl von Türen, die ich um mich geschlossen hatte, wurden die offenen Wege und die Möglichkeiten immer spärlicher und Bewegung mehr und mehr unmöglich.

Heute versuche ich mit einem ganz anderen Geist durch das Leben zu gehen. Wann immer ich auf eine geschlossene Tür treffe, gehe ich nicht mehr einfach weg, gar nicht erst ausprobierend, ob diese Tür überhaupt verschlossen ist. Sondern ich setze mich oft erst einmal davor, um zu spüren, was das für eine Tür ist und was ich dahinter vermute. Ich versuche zu verstehen, wer in mir diese Tür schloss und wohin sie führen könnte. Ich sammele dann Mut, um meine Hand an die Tür zu legen und vielleicht auch die Klinke zu ergreifen. Für manche Türen muss ich erst noch nach einem Schlüssel suchen und die eine oder andere bleibt auch für den Moment  zu. Immer mehr Türen aber öffne ich vorsichtig und manche reiße ich auch weit auf und renne los, einfach so.

Das Leben – mein Coach

Gepostet von am Dez. 17, 2014 in Alle Beiträge | 6 Kommentare

Das Leben – mein Coach

Wieder einmal bekomme ich ein Intensiv-Coaching vom Leben. Inhalte sind Gelassenheit, Vertrauen und Fokus. 

Lange Zeit habe ich Lebensherausforderungen über den Kopf zu meistern versucht. Ich habe Unmengen von Büchern gelesen, Programme gemacht und Umsetzungspläne entwickelt. Ich weiß so viel, aber es nützte mir oft so wenig. 

Jetzt, wo mich das Leben mal wieder durch unruhige Gewässer führt, ist es nicht mein Verstand, der mir Halt gibt, sondern es ist wieder einmal mein Bauch. Wenn ich im Gefühl bin, spüre ich Zuversicht, Gelassenheit und Hoffnung. Dann WEIß ich, dass alles gut werden wird. Zweifeln tut nur mein Kopf und wenn ich ihm nachgebe, fühlt es sich an, als bewege ich mich direkt am Abgrund. 

Ich bin oft als mutig bezeichnet worden und habe mich immer darüber gewundert, da ich mich selbst ängstlich erlebte. Ich beginne zu verstehen, dass meine Angst im Kopf entsteht. Mein Verstand will Sicherheit und weiß doch gleichzeitig, dass die unmöglich ist. Deshalb versucht er händeringend alle Eventualitäten zu durchdenken und kontrollieren zu wollen. Was für ein kräfteaufreibendes und letztlich aussichtsloses Unterfangen, fast so, als würde ich versuchen, eine Straße auf dem bewegten Meer zu bauen, um damit sicher über die Wellen zu kommen.

Fühle ich jedoch achtsam in mich hinein und komme ich in Kontakt mit meinem Bauchgefühl, dann gelingt es mir, die Lebenswellen zu surfen, und genau so lassen sie sich bewältigen! Ja, dann stehe ich gar nicht mehr wacklig auf dem Brett, sondern ich kann die Höhen und Tiefen geschmeidig nehmen und oft sogar den Fahrwind genießen.

Ich merke, dass ich viel gelernt habe in der letzten Zeit: Auch wenn ich manchmal zuerst noch wie gewohnt reagiere, so kann ich Automatismen inzwischen leichter durchbrechen und durch Neues ersetzen. Dabei ist das Neue eigentlich genau genommen das Alte: nämlich mein ureigenes Ich, losgelöst von all dem Wissen, all den Techniken und Strategien, mit denen ich glaubte, das Leben meistern zu können. Ich habe gelernt, mit immer mehr selbst zu vertrauen. 

Ich träum‘ vom Sommer…

Gepostet von am Dez. 11, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 2 Kommentare

Ich träum‘ vom Sommer…

Im Moment träume ich mich zwischendurch gerne einfach mal davon. Zurück in den Sommer, in meine Hängematte, ans Meer, auf grüne Wiesen und in die Sonne. Ich springe gedanklich in leichtere Tage und unbeschwertere Stunden, was mich lächeln lässt.

Realitätsflucht? Vielleicht. Aber vor allem eine Möglichkeit, aufzutanken. Denn nur weil sie vergangen sind, sind meine Erinnerungen ja deshalb nicht wertlos.

Im Gegenteil: sie können mich hier und jetzt nähren. Sie sind mein und je mehr ich mir ihrer bewusst bin, desto reicher fühle ich mich. 

Wenn mich der Alltag also mal wieder überrennt, dann schließe ich für einen Moment die Augen und bin ganz bewusst mal kurz weg. Bin dann da, wo es schöner war, als hier es gerade ist. Und ich nehme wahr, was das mit mir macht, mich daran zu erinnern. So bin ich ganz achtsam im Gestern und finde neue Energie für die Anforderungen im Heute. 

Keine Zeit, keine Ruhe – oder umgekehrt?

Gepostet von am Dez. 6, 2014 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 6 Kommentare

Keine Zeit, keine Ruhe – oder umgekehrt?

Im Moment fehlt mir die Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Zu viel zu tun, zu viel zu erledigen, zu viel zu organisieren. Keine Zeit für Pausen, keine Zeit für Muße, keine Zeit für mich.

… aber, da kommt mir ein Gedanke: Vielleicht ist es eigentlich andersherum? Denke ich vielleicht nur, dass ich keine Zeit habe und finde ich deshalb keine Ruhe? Müsste ich also zunächst zur Ruhe kommen und hätte dann Zeit?

Was würde passieren, wenn ich mir einfach gezielt Pausen nehmen würde, wäre die Zeit dann nicht einfach da? Wenn ich jetzt z.B. eine Grippe mit Fieber bekäme, würde ich mich ins Bett legen und die Zeit dafür wäre einfach da, nicht wahr?

Notiz für mich selbst: Lernen, mir Zeit für mich zu nehmen, GERADE dann, wenn ich eigentlich keine Zeit habe (und diese Notiz überall hinterlassen, wo mein Blick im Alltag hinfällt, denn ich kann mich nicht oft genug daran erinnern). 

 

 

 

Schwächen und Stärken

Gepostet von am Nov. 27, 2014 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 3 Kommentare

Schwächen und Stärken

Man kann immer wieder lesen, wie wichtig es ist, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden. Deshalb habe auch ich mich damit lange und ausführlich befasst.

Ich habe allerdings inzwischen ein Problem: nämlich, dass es mir immer schwerer fällt, eine Eigenschaft oder Fähigkeit eindeutig als Schwäche oder Stärke zu bezeichnen.

Warum? Weil eine Stärke auch eine Schwäche sein kann, genauso wie eine vermeintliche Schwäche sich als Stärke herausstellen kann. Für sich allein genommen sind Eigenschaften und Fähigkeiten doch zunächst einmal einfach nur Eigenschaften und Fähigkeiten. Eine Bewertung erfolgt dann immer aus dem jeweiligen Kontext, also aus dem Zusammenhang heraus, in dem wir diese Eigenschaften oder Fähigkeiten leben und einsetzen. 

Dazu zwei Beispiele: 

  • Ich habe ja schon öfter über meine Leistungsfähigkeit geschrieben, die auf den ersten Blick wohl ganz klar eine Stärke ist, denn sie sorgt dafür, dass ich viel schaffe und erreiche und dass ich „Erfolg“ habe. „Erfolg“ steht hier ganz bewusst in Anführungszeichen, denn was Erfolg ist, ist ja durchaus eine Definitionssache. Erfolg kann bemessen werden in Geld, Bekanntheit, erreichten Zielen, der Zahl an abgeschlossenen Projekten usw. Wenn aber für diesen Erfolg Gesundheit, Privatleben und Lebensqualität geopfert werden, kann man dann wirklich noch von Erfolg sprechen? 
  • Eine meiner Schwächen hingegen ist wohl, dass ich mich nicht festlegen mag z.B. auf einen bestimmten Stil oder ein bestimmtes Thema. Gerade was meine Kunst angeht oder meine Fotografie hätte ich es leichter, wenn ich einen klaren Stil hätte, eine Handschrift oder eine Marke. Aber das entspricht nicht meiner Persönlichkeit, die Vielfalt leben und frei sein möchte. Interessanterweise erlebe ich diese „Schwäche“ ganz persönlich als Stärke, denn durch sie springe ich recht unerschrocken mal hier mal dorthin und probiere angstfrei alles Mögliche an kreativen Ausdrucksformen aus. 

Tja, und nun schauen Sie doch noch einmal selbst auf Ihre eigenen Schwächen und Stärken. Sind diese wirklich immer so eindimensional, dass Sie sie so klar zuordnen können?

Je mehr ich über Achtsamkeit nachdenke (und vor allem fühle), komme ich zu der Erkenntnis, dass eine sehr feine Differenzierung erforderlich ist, um all die Spielarten des eigenen Seins und des Lebens zu erkennen. Jede Schubladisierung (so nenne ich das jetzt mal) führt zwangsläufig zu einer Begrenzung der Wahrnehmung und damit zu weniger Achtsamkeit.    

Tabu-Gefühle

Gepostet von am Nov. 21, 2014 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 1 Kommentar

Tabu-Gefühle

Im Zusammenhang mit dem Thema Achtsamkeit begegnet mir immer wieder ein Phänomen – und zwar, dass es eine ganze Reihe von Tabu-Gefühlen zu geben scheint. Mit Tabu-Gefühlen meine ich solche, die die meisten Menschen nicht haben und auch nicht wahrnehmen wollen. 

Beispiele gefällig? Da gibt es eine ganze Reihe: Das Hadern gehört dazu, genauso wie die Reue. Wut ist auch ein solches Gefühl. Und Neid. Oder Pessimismus.

All diesen Gefühlen ist etwas gemeinsam: es sind negativ besetzte Gefühle. Denn wie wir alle wissen, soll man solche Gefühle nicht haben, … weil es nichts bringt, … weil es Energieverschwendung ist, … weil wir mit ihnen einen falschen Fokus haben, … weil wir uns damit selbst im Weg stehen usw.

Ich sehe das inzwischen ein bisschen anders, denn ich denke, diese Gefühle sind vor allem eines: menschlich. Sie sind bis zu einem gewissen Grad in jedem von uns und in bestimmten Situationen spüren wir sie.

Achtsam zu sein heißt für mich, zunächst einmal genau das wahr- und auch anzunehmen. Also meine Wut zu registrieren, meine Enttäuschung, meine Reue. Wenn ich solche Gefühle verneine oder wegschiebe, weil ich sie nicht haben will (oder ich in einem Buch gelesen oder gehört habe, dass ich sie nicht haben soll), dann verneine ich mich bis zu einem gewissen Grad selbst und schiebe etwas weg, das mich in diesem Moment ausmacht. Die Gefühle gehen damit aber noch lange nicht weg, sondern sie gehen vielmehr in den Untergrund, wo sie weiter gären und oft sogar wachsen. 

Ich möchte alle meine Gefühle wahrnehmen, weil ich nur dann eine Chance habe, mich besser zu verstehen. Nur dann kann ich erkennen, was gerade los ist mit mir. Keiner von uns ist neidisch oder wütend, weil es gerade so viel Spaß macht, sondern es gibt immer Gründe für solche Gefühle. Und ich stelle fest, wie gut es ist, diese Gründe zu verstehen. Die Auseinandersetzung damit ermöglicht es mir dann entweder etwas für mich zu tun (vielleicht eine Grenze zu ziehen, etwas zu verändern o.Ä.) oder ich kann das Gefühl loslassen, wenn ich erkenne, dass ich eigentlich keinen wirklichen Grund dafür habe. Loslassen ist etwas ganz anderes als verdrängen. 

Wichtig ist dabei für mich das Bewusstsein, dass, wie drängend ein negatives Gefühl auch immer ist, ich NICHT NUR dieses Gefühl bin, sondern dass gleichzeitig ganz viel anderes in mir ist. Selbst wenn ich mich also auf meine Wut einlasse oder auf ein Bereuen oder meinen Pessimismus spüre, erfüllt das nicht ALLES in mir, sondern ich kann trotzdem auch noch lustig sein oder etwas Kreatives schaffen oder mich an etwas Schönem freuen. Negative Gefühle fressen uns nicht auf, wenn wir uns ihnen stellen, ganz im Gegenteil: Meine Erfahrung ist, dass sie kleiner werden, wenn man genau hinschaut – nur das muss man sich eben auch trauen.