Ungelebte Träume

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Ungelebte Träume

Ich denke in diesen Tagen über ungelebte Träume nach, also über Dinge oder Vorhaben, die wir uns wünschen, aber die wir nie wirklich angehen. Vielleicht wagen wir nicht einmal den ersten Schritt dorthin zu machen oder wir probieren einiges, brechen aber ab, oder wir könnten uns den Traum sogar tatsächlich erfüllen, aber tun es einfach nicht, ohne wirklich zu verstehen, warum.

In vielen Ratgebern zur Lebensgestaltung kann man nachlesen, wie man aus seinen Träume konkrete Ziele macht, wie man diese Schritt für Schritt angeht, wie man sich zum Dranbleiben motiviert und welche Tricks man nutzen kann, wirklich das zu erreichen, was man will. Tja, und genau an diesem Punkt kommen mir immer öfter Zweifel: nämlich ob das „was man wirklich will“ tatsächlich auch immer das ist, was man bekommen sollte… 

Meine Erfahrung ist immer wieder, dass es Gründe hat, wenn ich bestimmte Dinge nicht bekomme, Ziele nicht erreiche oder Vorhaben nicht angehe. Und so wird es auch Gründe haben, warum ich mir manchen Traum nicht erfülle, den ich eigentlich schon so lange hege. Nicht immer kann ich diese Gründe sogleich erkennen, aber in der Rückschau macht eigentlich alles einen Sinn.

Ich zweifele immer mehr daran, dass es gut ist, sich selbst mit Gewalt zu etwas zu bringen, da man dadurch gegen sich arbeitet (auch wenn es so aussehen mag, als tue man etwas für sich). Klar, ein gewisses Maß an Selbstdisziplin ist für viele Bereiche hilfreich, aber ich glaube immer weniger daran, dass Druck, Kampf und Gewalt etwas Gutes im Umgang mit sich selbst sind, ganz im Gegenteil.  

Ganz persönlich versuche ich im Zusammenhang mit meinem Motto für dieses Jahr „Dem Leben vertrauen“ auch sehr bewusst anzunehmen, wenn sich meine Träume nicht erfüllen und ich gesetzte Ziele nicht erreiche. So erkenne ich z.B., dass sich manche meiner Herzenswünsche gegenseitig widersprechen, ich sie also gar nicht wirklich erreichen kann. Bei anderen Träumen oder Zielen ahne ich, zumindest dann wenn ich mit meinem Bauchgefühl in Kontakt bin, dass es tatsächlich besser für mich ist, wenn diese ungelebt bleiben und manchmal spüre ich, dass vielleicht nur, weil sie sich nicht erfüllen, etwas viel Besseres kommen kann.  

Und in diesem Zusammenhang fällt mir noch ein chinesisches Sprichwort ein, das ich schon lange kenne: „Den die Götter strafen wollen, dem erfüllen sie alle Wünsche.“ Früher konnte ich damit wenig anfangen, aber heute macht es mich sehr nachdenklich. Sie auch?

8 Kommentare

  1. *seufz* Das paßt mir jetzt eigentlich nicht wirklich daß Du das jetzt so schreibst… aber die passenden Dinge holen einen immer wieder ein, nicht wahr?
    Lassen wir uns also überraschen, was sich erfüllen wird und was nicht. Aber ganz klar – wenns nicht läuft dann hakts mit Gründen. Auch wenn man die erst hinterher oder ggfs. auch mal gar nicht versteht. Das Leben fließt, und wo es sich staut gibts ein Hindernis damit andere Wege gefunden werden.
    Lassen wir uns also vom Flow zu unserem Glück und unserer Zufriedenheit mitnehmen! Und dazu brauchts wirklich eine Menge (Zu)Vertrauen.
    Liebe Grüsse
    Birgit

    • Hi Birgit,

      mir geht es mit dem Thema ganz ähnlich – auch für mich ist der Gedanke, einige meiner Träume / Ziele loslassen zu müssen nicht so einfach. Aber spür mal in Ruhe rein, bei mir macht sich zu einem Teil auch eine gewisse Erleichterung breit, das loslassen zu können, was schon so lange Energien bindet. Denn das ist vielleicht die andere Seite der Sache: Träume / Ziele zu verabschieden heißt auch, Kraft und Raum für anderes zu gewinnen.

      Herzlich,
      Tania

  2. Hallo Tania

    Ich bin heute auf wundersame Weise auf Deine Webseite gestossen, ich sage wundersam weil all die Themen die Du behandelst mich gerade enorm beschaeftigen. Erst die Achtsamkeit: damit hab ich so meine Probleme im Moment weil ich gerade vom lieben Leben so durchgeschuettelt werde dass ich gar nicht mehr weiss was und wie ich mich fuehle. Und dann Traeume loslassen, eigentlich mein Kernthema…nichts hat so geklappt wie ich es mir ausgemalt habe, der beruehmte Boden unter den Fuessen hat sich gerade mal verabschiedet…eigentlich bleibt mir ja nichts anderes uebrig als loszulassen und darauf zu vertrauen dass es irgendwann mal Sinn macht. Falls Du einen Tip hast wie einem das leichter faellt waere ich aeusserst dankbar!

    Wundersam im uebrigen auch weil ich mir von Dir und einigen der Kommentatoren aus der Seele gesprochen fuehle. Ha, doch was gefuehlt heute 🙂

    Herzlichst,
    Sigrid

    • Liebe Sigrid,

      Deine Zeilen berühren mich sehr, denn ich glaube, ich weiß sehr gut, wie Du Dich fühlst. In diesem Verlust des Boden unter den Füßen lag für mich etwas, das ich erst nicht sehen konnte: die Aufforderung vom Leben, endlich zu fliegen. Ja, zunächst ist es ein Fallen, auch ein Stürzen, aber es kann zum Flug werden. Zugegeben, kein sehr praktischer Rat, aber ein Bild, das mir sehr geholfen hat.

      Alles Liebe und Gute für Dich,
      Tania

  3. „…sich mit Gewalt zu etwas zu bringen…“ Ich hege meine Zweifel ob diese Formulierung in dem an sich gut umschriebenen Themenbereich achtsam gewählt wurde.

    • Hallo Marcus,

      danke für Deinen Kommentar. Für mich selbst ist diese Formulierung sehr bewusst so gewählt gewesen, … aber da kann sicher jeder für sich ggf. eine passendere Formulierung suchen und finden.

      Herzlich,
      Tania

      • Was für Dich sehr bewusst gewählt ist mag in sich stimmig sein. Doch „öffentlich“ von Achtsamkeit zu schreiben heißt auch die Verantwortung für das zu übernehmen was vermittelt werden soll und damit auch für andere Leute zu übernehmen die vielleicht in ihrem Weg der Entwicklung noch nicht so weit gegangen sind. Feedback anzunehmen ist auch eine Form von Achtsamkeit und Größe ;-))

        • Ja stimmt, Marcus 🙂 Nur heißt Feedback anzunehmen nicht auch, dass man gleich seine Texte umschreiben muss. 😉

          Es geht in diesem Beitrag darum, dass ich eine Gefahr darin sehe, uns zu sehr auf gesetzte Ziele zu fixieren und diese mit Hilfe von Techniken und Methoden auf jeden Fall zu erreichen – und damit eben manchmal gegen unsere Natur und/oder das Leben ankämpfen. Da scheint mir der Begriff „Gewalt“ immer noch angemessen, da er ausdrückt, wie genau das wirken kann und wie ich es bei mir selbst und auch bei anderen Menschen immer wieder erlebe. Genau das Wort, auf das Du anspringst, soll das Nachdenken darüber anregen, wie wir oft mit uns selbst umgehen. Gewalt gibt es in vielen Abstufungen, schau doch mal in die Motivationsratgeber und achte darauf, mit viel sanftem und weniger sanftem Druck da gearbeitet wird…

          Fazit: Ich denke, es gilt, Widerstände achtsam wahrzunehmen und sie nicht einfach zu übergehen, wie uns oft geraten wird.

          Alles Gute für Dich,
          Tania

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