Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.
Wochen 19 und 20: Hamster im Himalaya
Ich war wieder unterwegs und so fasse ich auch Wochen 19 und 20 zusammen.
Diesmal trieb es mich ordentlich weit weg, nicht nur räumlich, sondern geradezu in eine andere Dimension. Ich habe eine Trekkingtour in Nepal mitgemacht – ein unvergessliches Erlebnis, von dem ich noch lange zehren werde. Diese Reise war wie ein Superkonzentrat, das es nun erst einmal zu entfalten und zu verdauen gilt.
Wer schon ein bisschen länger bei mir mitliest, weiß von meinen Plänen, im nächsten Jahr auf eine Weltreise zu gehen, und durch die jetzige Reise habe ich eine Vorahnung davon bekommen, dass das Reisen und das Schreiben möglicherweise verschmelzen könnten – dass ich durch das Reisen schreiben werde und schreibend reisen werde und meine Reise schreibe oder durch mein Schreiben reisen werde…
Als Schreiberin kam ich mir wie ein Hamster vor, all die vielen Eindrücke, das Fremde, das Überraschende und Überwältigende in meine Backen stopfend, damit nichts verloren geht. Und gleichzeitig habe ich nicht nur bekommen, sondern ich habe auch etwas da lassen können und bin mit leichterem Herzen zurückgekehrt.
Ich habe einige der höchsten Berge der Welt nicht nur gesehen, sondern ich durfte ihnen ein Stück weit nahe sein. Ich bin viele Stunden in einer fremden und unbekannten Welt gelaufen, zum Einen ganz auf mich und meinen Körper konzentriert, zum Anderen komplett durchlässig für das Außen, denn nur im Fluß war Bewegung dauerhaft möglich. Dicht zu machen hätte zu Blockaden geführt, Stehenbleiben zum Zurückbleiben.
Diese unbedingte Offenheit, dieses unbeirrte Weitermachen, ohne ein Stoppen überhaupt in Erwägung zu ziehen, das möchte ich mir für mein Schreiben mitnehmen. Alles um mich herum vergessen zu können (zum Beispiel die vielen Lästigkeiten, die mich nun schon seit Wochen immer wieder dazu zwingen, lauter Dinge zu tun, die ich gar nicht tun will und auch nicht besonders gut kann und anderes mehr) und meine Energie, mein Wollen und Sein auf eine einzige Sache zu konzentrieren – statt auf das Laufen eben ganz auf das Schreiben. Wow, das wäre großartig!
Tja, und da merke ich wieder, dass ich an dem vielleicht entscheidendsten Punkt meines Schreibjahres bin: Das Leben stellt mir sehr eindringlich die Frage danach, wie ernst ich es eigentlich wirklich mit dem Schreiben meine und es liegt an mir, zu antworten.

Woche 18: Das Ja zu mir
Nachdem ich meinen letzten Wochenbericht geschrieben hatte, war es in Woche 18 erst einmal sehr still in mir. Die Erkenntnis, dass es nicht reicht, was ich tue, dass mein Entschluss allein zu nicht viel führt, sondern dass es mehr Konsequenz braucht, mehr Willen und mehr Power, hallte wie ein Echo durch einen langen Tunnel. Am Ende dieses Tunnels hockte ich, halb hoffend, mich selbst nicht zu hören, halb flehend, dieser Weckruf würde mich nun endlich richtig befreien. Und dann war es ganz ruhig.
Zu Beginn des Jahres dachte ich (wieder einmal), dass eine Entscheidung ausreicht, wenn ich sie nur entschlossen genug treffe. Aber (wieder einmal) lerne ich, dass es nicht allein unsere Entscheidungen sind, die Veränderungen bringen, sondern dass da viel mehr mit verbunden ist.
Ich erkenne, dass dieses Jahr, das ich mir „offiziell“ für das literarische Schreiben genommen habe, auch wieder ein Jahr der Entwicklung und des Wachsens ist. Um das zu tun, was wir wirklich tun wollen, können die wenigsten von uns einfach einen Knopf drücken und dann läuft alles von selbst. Es ist nicht nur das Wollen, denn die uns wirklich wichtigen Dinge sind oft überwuchert und verborgen, sie sind belastet mit Ängsten und Zweifeln und Bedenken und sie tragen oft einiges an Gewicht von bereits gescheiterten Umsetzungsversuchen. Nicht selten lässt man es lieber, als dass man riskiert, der Herzenswunsch könnte letztlich an der Realität zerschellen.
Wir haben so viele gewichtige Gründe gehabt, bisher nicht zu tun, was wir tun wollen. Unser Verstand nannte es „gute“ Gründe, aber sie sind nicht gut, sondern sie werden geboren vor allem aus der Angst heraus. Sie entstehen oft aus einem (fast immer falsch verstandenen) Sicherheitsbedürfnis heraus, aus der Furcht vor Verletzungen oder dem Scheitern, aus Erfahrungen, die uns entmutigt haben oder aus ähnlichen Gründen, denen alles eines gemein sind: sie haben eine „Nein-Energie“.
Um tun zu können, was wir wirklich wollen, so spüre ich gerade sehr intensiv, geht es darum, in eine Ja-Energie zu kommen, in ein Ja zu uns selbst. Wenn wir nein zu uns sagen (und sei es noch so versteckt), ist es schwer bis unmöglich, je das zu tun, was wir wirklich tun wollen, denn das erfordert eine Befreiung von all dem, was nicht „unser“ ist. Zu tun, was wir wollen braucht ein ehrliches Ja zu uns selbst. Und damit ist der Entschluss, sich an das zu machen, was wir wirklich aus unserem tiefsten Herzen heraus tun wollen, vielleicht das größte Projekt überhaupt, das wir angehen können.
Nach der anfänglichen Stille übernahm übrigens mal wieder die Schreiberin und … schrieb. Diese Momente waren eine Erlösung. Vollkommen unspektakulär, ohne viel Tamtam setzte sie sich hin und schrieb sie einfach an einer Geschichte weiter. Sie fragte nicht, welche sie sich vornehmen soll (welche zum Beispiel am vielversprechendsten ist…), sie hatte keine Angst, dass es sich nicht lohnt oder nicht gut wird, sondern sie schrieb genau das, was ihr einfiel. Die Sätze flossen und mit ihnen all die guten Gefühle, das zu tun, was ich tun will. Sie ist schon so viel weiter als ich.

Woche 17: Es reicht noch nicht aus
In Woche 17 meines Schreibprojektjahres habe ich mich mal umgeschaut und festgestellt, dass ich mich inzwischen inmitten einer sehr bunten Truppe von Ideen befinde.
Meine Ausrichtung auf das literarische Schreiben hat wie eine Einladung gewirkt: Immer wieder klingelte es an meiner Tür und eine Idee stand davor, die ich natürlich herzlich willkommen hieß und hereinbat. Manche von ihnen kamen auch einfach durchs Fenster, andere Huckepack, wieder andere habe ich auf der Straße aufgelesen.
Ich genieße es, eine Ideensammlerin zu sein, … aber es wird langsam auch ein bisschen sehr voll hier. Ideen sitzen ja nicht alle brav auf dem Sofa und warten, bis sie dran sind, sondern sie wollen umgesetzt werden und das am besten sofort. Sie zappeln und jampeln, sie winken und rufen und jede auf ihre Art reagiert anders, wenn ich mich gerade nicht um sie kümmern kann. Manche von ihnen werden ganz traurig und blass, andere sind höflich, aber dauerhaft dabei, meine Aufmerksamkeit zu gewinnen, noch andere stehen mir regelrecht auf den Füßen oder machen Blödsinn und wieder andere reagieren auch wütend.
Tja, da sitze ich nun hier mit meiner immer größer werdenden Ideenmeute und merke, dass eigentlich nichts wirklich ausreicht: der Raum, den ich geschaffen habe, ist zu klein, die Zeit, die ich mir nehme, ist zu wenig, die Energie, die ich habe, ist zu zerfleddert. Und mir wird sehr klar, dass ich, wenn ich es ernst meine, noch sehr viel konsequenter in meiner Entscheidung für das literarische Schreiben werden muss.
Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich Türen und Tore weit öffnen, ja, und am besten sogar die eigentlich schützenden, im Moment aber eben auch eingrenzenden Mauern, in denen wir hier alle zusammenhocken, verlassen und mit der ganzen Bande hinausrennen in die Welt. An die Luft, an die Sonne, in den Wind! Ich möchte sie laufen und tanzen und fliegen sehen, all meine Ideen. Sie gehören nicht ins Wartezimmer und erst recht in Schubladen. Sie brauchen Leben und Lebendigkeit und das ist das, was auch ich am meisten brauche.
… Wenn ich „könnte“? Was hindert mich denn daran? Was hindert mich wirklich?
Woche 17 war sehr wichtig, merke ich gerade.

Wochen 15 und 16: Wenig bis gar nichts…
Wochen 15 und 16 fasse ich wieder zusammen, weil sie eines eint: nämlich, dass ich kaum zum Schreiben gekommen bin. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen, denn unterschiedlicher können zwei Wochen kaum sein:
In Woche 15 waren es vor allem schwierige Aufgaben, die mich forderten und für die ich wirklich so gar nicht gemacht bin (…wer von Euch auch eine Webseite betreibt, wird sicher von der DSGVO gehört haben, ich sage nur: es gibt deutlich schönere Themen…). Mein Kopf war wie verklebt von rechtlichen Fachtermini und der Recherche nach Informationen und hundert Fragen und Bedenken. Ein bisschen wird mich das wohl auch noch fordern…
Woche 16 hingegen bescherte mir eine sehr angenehme, schreiblose Zeit, denn ich war wandern und das machte meinen Kopf auf eine ganz herrliche Art leer und leicht.
Nun hätte ich erwartet, dass ich nach zwei fast komplett schreiblosen Wochen unzufrieden bin, vor allem, wenn ich es hier auch noch ganz unverblümt eingestehen muss. Aber…, nein, es ist ok so.
Klar, ich würde es mir anders wünschen und wäre gerne mit meinem Geschichten weiter, aber es nützt ja nichts, manchmal kommt es eben anders oder man setzt andere Prioritäten. Mich deswegen auch noch schlecht zu fühlen, würde bedeuten, noch mehr Energie zu verlieren, so viel habe ich inzwischen begriffen. Also schaue ich nach vorn und sage mir:
Ich kann mich jeden Moment
neu zum Schreiben entscheiden!
Woche 14: Schreiben allein reicht leider nicht
In Woche 14 meines Schreibjahres bin ich auf einen großen Engpass gestoßen.
Ich habe als Autorin inzwischen 20 Bücher herausgebracht. Da könnte man annehmen, dass es nicht allzu schwer sein sollte, Nummer 21, 22, 23 und so weiter zu veröffentlichen, nicht wahr? Das Schreiben ist letztlich auch tatsächlich nicht das wirkliche Problem, das Problem ist, daraus „ein Buch“ entstehen zu lassen. So ist beispielsweise Nummer 21 eigentlich fertig – das Manuskript ist geschrieben und korrigiert und wartet auf die Dinge, die nun folgen müssten. Und genau DIE sind das Problem, denn: Ein Manuskript ist noch kein Buch.
Jetzt steht an, das Manuskript entweder an Verlage zu schicken oder es selbst herauszubringen. In beiden Fällen sind damit eine ganze Reihe von Tätigkeiten verbunden, die mit dem Schreiben eigentlich gar nichts zu tun haben, die ich auch zum Teil höchst ungern mache und die viele Fragen und Zweifel aufwerfen: Wie viele Verlage müsste ich anschreiben, um einen zu finden, der mein Buch veröffentlichen möchte? Wie viele Chancen hat mein Buch, wenn ich es selbst herausbringe? Kann ich es überhaupt schaffen, selbst ein halbwegs professionell wirkendes Buch zu produzieren? Sollte ich mir vielleicht einen Literatur-Agenten suchen? Aber wie finde ich da einen wirklich guten? Fragen über Fragen.
Was ich damit deutlich machen möchte ist, dass man selbst als etablierte Autorin vor ganz ähnlichen Herausforderungen steht wie auch als unbekannter Autor. Auch wenn ich inzwischen vielleicht einen „gewissen Namen“ habe, so öffnet mir das nicht einfach Türen und Tore und einen roten Teppich gibt es auch nicht für mich. Dennoch soll es Nummer 21 & Co geben!
Und so, wie ich mich selbst nun versuche nicht entmutigen zu lassen, möchte ich auch all Euch da draußen, die Ihr vom Bücherschreiben träumt, aufrufen, Euch nicht entmutigen zu lassen. Ja, es gibt viele, die schreiben und es gibt endlos viele Bücher und manchmal kann man schon arg daran zweifeln, ob die Welt wirklich ein weiteres braucht und ob man das alles hinbekommt… Aber wenn wir etwas wirklich wollen, gibt es immer auch Wege. Manche sind nicht ganz so einfach zu begehen, aber ich bin überzeugt: es lohnt sich.
Woche 14 hinterlässt in mir den festen Vorsatz, mich auch den Aufgaben zu widmen, die mir nicht so lieb sind, um meine persönliche Nummer 21 in die Welt zu bringen!

Woche 13: Das Schreiben liegt flach
In Woche 13 meines Schreibprojektjahres tat ich vor allem eines: flach liegen. Offenbar hatte ich mir von meiner letzten Reise eine nette Grippe mitgebracht, die postwendend einsetzte und mir hohes Fieber bescherte.
Dass da nicht viel Schreibenergie zu erhoffen war, war klar, und doch: Inmitten der Fieberträume entwickelte jemand in mir die Geschichte weiter, an der ich zuletzt gearbeitet hatte. Und zwar nicht nur von der Idee her, sondern in Formulierungen und ganzen Sätzen. Da musste ich schon echt lachen… – da liege ich komplett ausgeschaltet und was macht mein benebeltes Schreiberhirn? Nutzt die Zeit und produziert.
Wirklich gebrauchen konnte ich das dann zwar leider nicht, aber immerhin habe ich die Idee nicht verloren, das ist die Hauptsache.
Nun werde ich zusehen, dass ich wieder ganz zu Kräften komme, um mich weiter ans Schreiben machen zu können – vielleicht auch mal wieder ohne massive Störungen; das wäre schön.
Gleichzeitig hat mir diese Grippe deutlich gemacht, wie wichtig Gesundheit ist und dass es mein Job ist, da besser für mich zu sorgen. Nehmen wir uns Neues vor, reicht es meist nicht, dafür irgendwie Platz zu schaffen, sondern es ist entscheidend, auch für Kraftressourcen zu sorgen, um das Neue wirklich bewältigen zu können. Sie Gefahr, sonst immer mehr Kraft zu verlieren, ist groß.
Ich hatte mir ja für dieses Jahr schon einiges an Freiraum geschaffen, habe aber nun noch mehr Entscheidungen getroffen, durch die ich nach dem letzten, sehr anstrengenden Jahr, weiter auftanken und meine Zeit noch freier nutzen kann. Zu Beginn des Jahres schienen mir solche weiteren Schritte als etwas zu gewagt, jetzt empfinde ich sie als natürlich und sie fühlen sich gut an. Konsequent und entschlossen – für mich!

Wochen 11 und 12: Das Schreiben geht unter und taucht wieder auf
Auch die Wochen 11 und 12 fasse ich zusammen, denn ich war mal wieder unterwegs. Schon in der Vorbereitung für meine Reise kam ich wenig zum Schreiben, denn es gibt ja immer sehr viel zu tun. Dort angekommen, galt es sich zu akklimatisieren und das im ganz wörtlichen Sinne: winterliche Temperaturen wo es keine Heizungen gibt, sind eine Herausforderung und auch meine Arbeit, für die ich gekommen war, lief nicht wie erhofft und erwartet. So waren Körper und Kopf mehr als gut beschäftigt und das Schreiben ging entsprechend zunächst etwas unter.
Doch dann geschah etwas Tolles: Das Schreiben poppte immer wieder hoch, ein bisschen so als wäre es mit einem Schwimmring versehen. Mal meldete sich hier eine Idee, dann da eine Formulierung und wenn ich zur Ruhe kam, schrieb sich in meinem Kopf manche Seite von ganz allein.
Wie schön, dachte ich und fing zunächst den Ball auf, den es mir zuwarf: nämlich die Idee zu einer neuen Geschichte, in die ich gleich einstieg. Dass ich schrieb, ermunterte dann auch andere Projekte, an denen ich schon dran bin, ihre Nasen aus den Wellen zu stecken und so kam ich auch da weiter voran.
Was für ein Geschenk: Das Schreiben beginnt sich selbst Raum zu schaffen!
Das macht mich sehr froh, denn ich will eigentlich genau diese Tätigkeit nicht mit Disziplin und Druck verfolgen. Ich weiß ja, dass mir das Schreiben etwas ganz Natürliches ist und so soll es auf seine ganze eigene Art fließen können, eben auch wenn kein roter Teppich liegt und ich es nicht schaffe, mir alle Zeit der Welt dafür freizuhalten.
Ich empfand es in den letzten Wochen schon manchmal auch frustrierend, dass ich oft viel weniger zum Schreiben kam, als ich das eigentlich vorgehabt hatte (zumal ich das ja dann auch hier in meinen Berichten öffentlich zugeben muss…). Aber es geschieht nun das, was ich mir erhofft hatte: dass mein Schreiben auf dem Stück Boden, den ich für es bereitet habe, von sich aus zu wachsen beginnt. Und das ist für mich viel wertvoller als eine eindrucksvolle, erreichte Zeichenzahl pro Tag.

Woche 10: Eine übernimmt das Ruder
In Woche 10 meines Schreibjahres hatte eine in mir genug von der für mich typischen Innenschau und Selbstanalyse und erst recht von den vielen Überlegungen, welche Idee ich sinnvollerweise als Erstes angehe und wie und wann und überhaupt. Sie nahm sich Stift und Papier und begann zu schreiben.
Ich kenne sie schon von früheren Schreibphasen. Irgendwann übernimmt sie einfach das Ruder, wahrscheinlich, wenn ihr das ewige Hin und Her der Bedenkenträger in mir zu dumm wird. Sie schreibt dann gleich als Erstes am Morgen, immer mal wieder zwischendurch und manchmal auch am Abend, wenn ich eigentlich schlafen will, und füllt viele Seiten.
Ihr ist egal, wie viel Zeit sie hat, sie legt einfach los, auch wenn es nur fünf Minuten sind. Sie schreibt auch, wenn vor dem Fenster stundenlang Presslufthammer und Bagger rumoren. Es gibt keine „Idee“ für das, was sie schreibt, es gibt keinen Plan, kein Konzept. Ihr ist egal, ob ich etwas mit den Texten, die sie verfasst, anfangen kann. Sie interessiert sich nicht die Bohne dafür, ob etwas „gut genug“ ist oder gar „verkäuflich“.
Und damit hat sie vielen anderen Teilen in mir einiges voraus: Sie kommt ins Tun.
Ich überlasse ihr gerne das Ruder. Sie ist so erfrischend frei von Zweifeln und inneren Stoppschildern. Sie ist immun gegen die ständigen Zetereien meines inneren Buchhalters, der immer sofort alles auf Wirtschaftlichkeit prüft und deshalb fast alles abschmettert. Sie interessiert sich nicht für Geld und auch nicht für Anerkennung. Sie lässt sich nicht stressen, nicht unter Druck setzen. Sie stellt keine Bedingungen an ihr Tun, sie braucht keine „Stimmung“. Sie ist auf eine sehr wohltuende Art eine „Nicht-Diva“. Sie ruht in sich und dem, was sie tut. Nach außen dürfte sie vielleicht etwas befremdlich wirken, weil sie sich nicht ablenken lässt und weil ihr egal ist, was andere über sie denken. Sie macht einfach.
Obwohl ich sie schon so lange kenne, war ich mir ihrer nicht bewusst. Wie gut, dass ich sie habe.

Woche 9: Vertrauen
In Woche 9 meines Schreibjahres hat mich das Vertrauen an die Hand genommen und mir ins Ohr geflüstert, wie wichtig es ist. Wichtig, nicht nur für das Schreiben, sondern für alle möglichen Prozesse und für das Leben als Ganzes.
Vertrauen ist eine Quelle von Kraft und Inspiration. Ohne Vertrauen ist der Weg unklar und es geht oft nicht weiter. Ohne Vertrauen verpufft ganz viel Energie im Nichts. Vertrauen schenkt auch dann Zuversicht, wenn der Sinn mal verlorengeht.
Was ich mit Vertrauen meine, bezieht sich auf ganz verschiedene Ebenen:
- Vertrauen in den gefassten Entschluss.
- Vertrauen in die Richtigkeit des Tuns.
- Vertrauen in das eigene Vermögen.
- Vetrauen in die Sinnhaftigkeit.
- Vertrauen in den Prozess.
- Vetrauen in das Leben.
Was ist es, das Menschen bei längeren Projekten und Vorhaben durchhalten lässt? Ist es die Aussicht auf Erfolg? Auf Geld? Die Unterstüzung durch andere? Sinn? Begeisterung? All das wirkt sich positiv auf jedes Vorhaben aus, aber ich glaube, dass ohne Vertrauen trotz all solcher Ressourcen das Voranschreiten immer wackelig wird. Denn Vertrauen ist etwas, das unter oder über allem liegt (oder auch mitten drin) – es ist für mich inzwischen wie die Luft zum Atmen: Wird die Luft dünn, fällt das Atmen schwer, atmen wir zu schnell und zu flach, wird uns schwindelig, hören wir auf zu atmen, endet alles.
Vertrauen war nicht nur ein Thema in meiner Woche 9, sondern es begleitet mich schon solange ich denken kann. Es ist wohl für uns alle ein großes Thema und für die wenigsten von uns selbstverständlich. Auch ich muss einiges dafür tun… Und das ist eines der großen Geschenke von Achtsamkeit: Bewusstwerdung der wirklich wesentlichen Dinge.

Wochen 6 bis 8: Auf und davon und zurück
Die Wochen 6 bis 8 meines Schreibjahr-Projekts fasse ich zusammen, weil ich in dieser Zeit keine einzelnen Wochenberichte geschrieben habe. Der Grund dafür ist, dass ich Urlaub hatte. Richtigen Urlaub, ganz ohne Rechner und Arbeit – und tatsächlich auch fast ohne Schreiben.
Von meiner Energie aus der fünften Woche her schien es mir etwas bedenklich, tatsächlich auch Urlaub vom Schreiben zu nehmen. Was würde aus meinen vielen Ideen werden und aus meiner Lust zum Schreiben und meiner Freude an diesem besonderen Jahr? Würde mich das nicht hoffnungslos rausbringen und ist das Schreiben nicht eigentlich viel wichtiger als ein Urlaub? Nein, in diesem Fall nicht und es war gut, dass ich den Urlaub auch auf dieses Projekt ausgedehnt habe. Denn ich war selten erholungsbedürftiger und habe eine echte Arbeitsauszeit wirklich gebraucht.
Und das Schöne ist: Kaum bin ich wieder zurück, beginnt es schon in meinen Fingern zu kribbeln und die Ideen hüpfen wieder winkend um mich herum. Es ist wichtig und gut zu wissen, dass Auszeiten keine Endzeiten sind, sprich: Eine Pause zu machen heißt nicht, nicht wieder reinzukommen. Im Gegenteil: Oft sind Pausen sehr förderlich.
Der Vollständigkeit halber will ich noch kurz berichten, was ich in den Wochen 6 bis 8 gemacht habe: Die ersten Tage von Woche 6 bestanden vor allem in Reisevorbereitungen. Da blieb keine Zeit zum Schreiben, sondern ich musste einiges für meine Webseiten vorbereiten und alles für die Abreise fertig machen. Womit ich aber vorangekommen bin: Ich habe einer meiner Erzählungen korrigieren lassen, so dass diese nun so gut wie bereit ist, veröffentlich zu werden. Das wird eines der nächsten Projekte werden, die ich konkret angehe.
Und dann ging es auf die wundervolle Insel Mauritius, dieses Mal ganz klassisch in ein Hotel, um wirklich ausspannen zu können. Meine Tage waren so gut gefüllt mit Sonne, Meer und allem, was man als Urlauber so macht, dass ich den Rechner nicht vermisst habe und auch kaum zum Lesen gekommen bin. Wenn doch, dann las ich in Zen in der Kunst des Schreibens von Ray Bradbury. Es waren nicht allzu viele Seiten, die ich geschafft habe, aber ich fand darin etwas bestätigt, das ich schon immer so gesehen habe: Nämlich der Gedanke, dass wir mit unserem Leben und mit allem, was wir tun, sehen, lesen, erleben, angehen und unternehmen, kontinuierlich unsere Muse füttern. Es gilt also aus dem eigenen Leben zu schöpfen, es ist prall gefüllt mit Stoff für unzählige Geschichten! Und so habe ich letztlich die schreibfreie Zeit in dem Hotel genauso genutzt: Ich nahm wie immer alles um mich herum intensiv mit all meinen Sinnen auf – … wer weiß, wozu ich die wunderlichen Abenteuer und ungeahnten Herausforderungen, die ein Pauschalurlaub für eine normalerweise Individualreisende so mit sich bringt, noch gebrauchen kann! 😉
Nach meiner Rückkehr widerstand ich dann der Versuchung, mich sofort in die (Schreib-)Arbeit zu stürzen, denn es tut mir gut, eine Reise ausklingen zu lassen und erst langsam in den Alltag zu gleiten. Auch wollte ich einige meiner gefassten Vorsätze ausformulieren und setzen lassen. Zwei davon teile ich hier mit Ihnen/Euch, weil ich denke, dass sie eine gute Anregung sein können:
- Ich werde deutlich weniger Zeit im Internet (vor allem in den Social Media) verbringen, um mehr Zeit und vor allem Energie zum Schreiben zu haben. Ohne Facebook & Co wurde mir mal wieder sehr klar, wie viel Kraft ich dort verliere und was diese Angebote mit mir machen, indem sie meine Aufmerksamkeit zerfleddern und meine Konzentrationsfähigkeit massiv verringern (kein Wunder bei all den Informationen, die man da innerhalb kürzester Zeit aufnimmt…).
- Ich möchte wieder behutsamer und achtsamer mit mir selbst sein, denn leider habe ich mal wieder viel Druck gegen mich selbst eingesetzt und das ist nicht gut. Was auch immer ich mir vornehme oder auch zu bearbeiten habe, ich will mich nicht mehr selbst verlieren. Und konkret auf mein Schreibjahr bezogen: Ich will MIT mir schreiben und nicht gegen mich.
Und so geht es gut erholt und gut gewappnet wieder ans Werk – und ich freu mich riesig darauf!
