Woche 10: Eine übernimmt das Ruder

Gepostet von am Mrz 12, 2018 | Keine Kommentare

Woche 10: Eine übernimmt das Ruder

In Woche 10 meines Schreibjahres hatte eine in mir genug von der für mich typischen Innenschau und Selbstanalyse und erst recht von den vielen Überlegungen, welche Idee ich sinnvollerweise als Erstes angehe und wie und wann und überhaupt. Sie nahm sich Stift und Papier und begann zu schreiben. 

Ich kenne sie schon von früheren Schreibphasen. Irgendwann übernimmt sie einfach das Ruder, wahrscheinlich, wenn ihr das ewige Hin und Her der Bedenkenträger in mir zu dumm wird. Sie schreibt dann gleich als Erstes am Morgen, immer mal wieder zwischendurch und manchmal auch am Abend, wenn ich eigentlich schlafen will, und füllt viele Seiten.

Ihr ist egal, wie viel Zeit sie hat, sie legt einfach los, auch wenn es nur fünf Minuten sind. Sie schreibt auch, wenn vor dem Fenster stundenlang Presslufthammer und Bagger rumoren. Es gibt keine „Idee“ für das, was sie schreibt, es gibt keinen Plan, kein Konzept. Ihr ist egal, ob ich etwas mit den Texten, die sie verfasst, anfangen kann. Sie interessiert sich nicht die Bohne dafür, ob etwas „gut genug“ ist oder gar „verkäuflich“.

Und damit hat sie vielen anderen Teilen in mir einiges voraus: Sie kommt ins Tun.

Ich überlasse ihr gerne das Ruder. Sie ist so erfrischend frei von Zweifeln und inneren Stoppschildern. Sie ist immun gegen die ständigen Zetereien meines inneren Buchhalters, der immer sofort alles auf Wirtschaftlichkeit prüft und deshalb fast alles abschmettert. Sie interessiert sich nicht für Geld und auch nicht für Anerkennung. Sie lässt sich nicht stressen, nicht unter Druck setzen. Sie stellt keine Bedingungen an ihr Tun, sie braucht keine „Stimmung“. Sie ist auf eine sehr wohltuende Art eine „Nicht-Diva“. Sie ruht in sich und dem, was sie tut. Nach außen dürfte sie vielleicht etwas befremdlich wirken, weil sie sich nicht ablenken lässt und weil ihr egal ist, was andere über sie denken. Sie macht einfach. 

Obwohl ich sie schon so lange kenne, war ich mir ihrer nicht bewusst. Wie gut, dass ich sie habe. 

 

Woche 10

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