Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.
Auch eine Art zu fühlen…
Manchmal da möchte ich nicht fühlen. Weil ich zu viele schlechte Nachrichten gesehen oder gehört habe, weil mir zu viel Unrecht präsent ist und weil ich mich so hilflos fühle. Weil ich eigentlich die Welt retten will oder wenigstens einen Teil, es aber nicht kann. Weil ich nicht einmal meine Lieben retten oder wenigstens bewahren kann, vor Schmerzen, Krankheiten oder Unheil. Weil ich begreife, dass ich eigentlich gar nicht viel machen kann.
Das zu erkennen, tut weh. Und um das alles nicht zu spüren, mache ich dicht. Fahre die harte Mauer hoch, hinter der ich mich verstecken kann. Die zeigt vorne das selbstbewusste Lächeln einer starken Frau, für alle, die das glauben wollen. Und dahinter rolle ich mich zu einem kleinen Ball zusammen und warte auf bessere Zeiten.
Meist bekomme ich in diesen Phasen Kopfweh und das ist etwas Gutes! Denn Kopfweh zu haben, heißt zu fühlen. Kein schönes Gefühl, aber immerhin ist es eines. Und selbst wenn mich die Kopfschmerzen zu einer Auszeit zwingen (oder vielleicht sogar gerade deshalb?), lerne ich, sie immer besser anzunehmen. Anzunehmen als eine Leiter, mit der ich über meine Mauer klettern kann, um wieder auf die andere Seite zu kommen.
Dorthin, wo das Leben ist und da, wo ich wieder fühlen kann. Dorthin, wo ich mich weiter darin üben kann, ja zu sagen zu allem, zu dem Schönen und dem Traurigen, zu dem Lustigen und dem Schlimmen, zu der ganzen Vielfalt. Damit ich nicht wieder dicht machen muss.
Aufgeben, um zu gewinnen?!
Ich staune immer wieder, wie sehr doch manche Zitate eigene Erfahrungen auf den Punkt bringen können. Neulich fand ich z.B. diese Zeilen von Joseph Campbell:
„Du musst das Leben, das du geplant hast, aufgeben, damit du das Leben führen kannst, das auf dich wartet.“
Und ich konnte beim Lesen einfach nur stumm nicken.
Wie viele von uns planen sorgfältig ihr Leben bis ins kleinste Detail, um dann irgendwann zu erleben, dass all das schöne Planen nichts genützt hat, weil alles anders kommt als man denkt?! Und wie verzweifelt sind wir oft darüber, dass das, was wir uns vorgenommen haben, nicht eintritt, obwohl das, was wir statt dessen bekommen, vielleicht viel schöner ist, viel bunter und viel erfüllender?
Wie oft habe ich mit dem Leben schon Armdrücken gespielt, weil ich glaubte, besser zu wissen, was gut für mich ist, als das Leben! Aber wie gut es doch ist, dass oft alles anders kommt, als wir es gerne hätten. Denn wäre wirklich alles planbar, wäre wirklich alles kontrollierbar, wäre dass dann noch Leben? Ist es nicht gerade auch die Ungewissheit, die das Leben ausmacht? Dass man eben nicht weiß, was hinter der nächsten Biegung auf uns wartet? Dass es Überraschungen gibt? Veränderungen? Umbrüche? Dass wir heute vielleicht an einem Punkt stehen, von dem wir vor 5 Jahren nicht mal andeutungsweise ahnten, je dort hinzukommen? Und dass auf den nicht geplanten Wegen oft Geschenke auf uns warten, die wir sonst nie bekommen hätten?
Wann immer sich wieder Veränderungen in meinem Leben zeigen, versuche ich heute mit offenen Armen dazustehen und „Ja!“ zu rufen, anstatt anzugreifen und um meine schönen Pläne zu kämpfen. Oft finde ich Veränderungen noch immer bedrohlich, aber ich habe auch erfahren können, wie gut es tut, Pläne manchmal einfach aufzugeben und dem Leben seinen Lauf zu lassen. Nicht so viel zu wollen, sondern mehr geschehen zu lassen.
Und nein, ich habe keine Ahnung, wo ich in 5 Jahren stehen werde oder in 10 oder gar in 20 – und inzwischen bin ich darüber sogar froh.
Eingeschlichen
Vor kurzem stellte ich fest, dass die Angst in meinem Leben wieder einmal größer geworden war, ohne dass ich es gemerkt hatte. Sie kommt ja auch nicht gerade mit einem Klingeln an der Haustür zu uns, sondern sie schleicht sich heimlich ein. Angst kommt oft durch die Hintertür.
Und dann ist sie einfach da.
Wenn ich Angst habe, versuche ich zu kontrollieren. Es ist schon schräg: Je größer meine Angst ist, desto mehr versuche ich in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig merke ich, dass mir das nicht gelingt, und dieses unterschwellige Wissen darüber, dass ich eben keine Kontrolle habe, erhöht natürlich meine Angst. Sie nährt sich auf diese Weise selbst und wird größer und mächtiger.
Ein Problem ist, dass ich überhaupt merken muss, dass ich wieder in die Angst gerutscht bin, um zu verhindern, dass sie sich mehr und mehr ausbreitet in mir. Und da hilft mir einmal mehr eine Portion achtsamer Selbstwahrnehmung. Wenn ich Angst habe, werde ich hart und schotte mich ab. An dem Grad meiner inneren Härte kann ich inzwischen gut erkennen, ob ich der ungebetene Gast wieder bei mir eingezogen ist. Und dann kann ich die Türen und Fenster weit öffnen, damit der Wind sie wieder herauspustet, aus mir und meinem Leben, und ich wieder frei atmen kann.
Gehalten
Am Samstag lag ich für eine Weile in meiner Hängematte. Mitten in dem aktuellen Stress, in dem ich gerade bin, nahm ich mir eine kleine Auszeit und ließ Körper und Seele unter meinen riesigen Linden baumeln. Über mir der blaue Himmel, um mich herum Vogelgesang und Schmetterlinge, seufzte ich wohlig auf, denn ich konnte wieder durchatmen.
Eigentlich nichts Besonderes, oder? Aber für mich war es das!
Ich kam zur Ruhe. Der Verstand fuhr langsam herunter, die Anspannung ließ nach und ich konnte fühlen. Fühlen, wie ich da so in meiner Hängematte lag, an diesem herrlichen Sommertag. Ich konnte spüren, wie ich gehalten wurde. Gehalten von dem Stoff der Hängematte, aber vor allem vom Leben. Gehalten von Liebe und Zuneigung und all dem Schönen in meinem Leben.
Und da merkte ich, dass ich zuvor doch wieder ein ganzes Stück in die Angst gerutscht war, in alte Muster, die mich mehr strampeln ließen, als eigentlich nötig war (typisch für Phasen, in denen ich eh schon zu viel zu tun habe). Und es tat so gut, sie einfach in den Wind zu pusten, die Angst, und dafür das Vertrauen zu spüren, das inzwischen in mir gewachsen ist.
Wie schön, dass ich es wahrnehmen konnte, dieses gute Gefühl, gehalten zu sein. Ohne den Moment des Innehaltens wäre es mir entgangen.
Wie wichtig doch Achtsamkeit ist!
Was ist Liebe?
Das große Thema Liebe – wer versucht nicht, sie etwas besser zu verstehen? Ich habe jedenfalls schon sehr oft darüber nachgedacht, was Liebe für mich bedeutet – und natürlich habe ich noch nicht DIE Antwort gefunden. 😉
Aber ich finde immer mehr Mosaiksteinchen für so dieses vielschichtige und wundervolle Phänomen.
Liebe ist nicht, einen Menschen zu verklären. Liebe ist nicht, jemanden auf ein Podest zu stellen. Liebe ist nicht, wenn man Bedingungen an seine Gefühle knüpft. Liebe ist kein Deal. Liebe „funktioniert“ nicht. Liebe kann man nicht erzwingen, man kann auch nicht dafür arbeiten und man kann sie sich nicht verdienen.
Liebe ist ein Geschenk. Liebe ist einfach. Liebe ist nicht zu ändern, nicht aufzuhalten. Liebe ist bedingungslos. Liebe ist eine Form von Achtsamkeit. Liebe ist ein Ja, ein gefühltes und ein gelebtes. Liebe nährt. Liebe macht größer. Liebe macht weiter und offener.
Liebe ist Leben.
Mit den Schmetterlingen fliegen
In diesem Sommer waren sie bisher noch recht rar, aber jetzt sind sie da: die Schmetterlingstage.
Schmetterlingstage sind für mich Tage, an denen alles zu flattern scheint, weil an ihnen Schmetterlinge in großer Zahl auf meinen Oregano- und Lavendelfeldern sitzen oder über meine Wiese fliegen. Überall sind sie an solchen Tagen zu sehen, besuchen mich kurz, um gleich darauf schon wieder ganz anders zu sein, diese wundervollen Luftwesen, die mich jedes Mal durch ihren Flug, ihre Schönheit und vor allem ihre Leichtigkeit ganz tief berühren.
Ja, es ist wohl besonders die Unbeschwertheit, die ich mit den Schmetterlingen verbinde. Der freie Flug hier hin und dorthin, das angstfreie Spiel mit dem Wind, der spiralförmige Tanz mit einem Partner, hoch und immer höher hinauf.
Und natürlich das Loslassen und Weiterziehen – auf und davon.
Wie ich heute, da mir meine Angst nicht länger den Blick auf mich selbst versperrt, immer deutlicher spüre, habe ich eine Schmetterlingsseele, denn dieses freie Flattern ist auch in mir. Aber meine Schmetterlingsseele scheint mir oft wie ein siamesischer Zwilling von etwas Großem und Schwerem zu sein. Etwas Bodenständigem und Kraftvollem. Ich weiß diese erdende Energie inzwischen zu schätzen und auch zu nutzen. Doch ich erkenne auch, dass ein Teil meiner Melancholie und Traurigkeit daher stammen, dass meine Schmetterlingsseele zu selten fliegen darf.
Deshalb freue ich mich über die Schmetterlingstage, an denen ich zwischen und mitten in all diesen Seelenverwandten durch den Garten schwebe, ganz verzaubert, ganz verzückt und für den Moment losgelöst von allem.
Auf dass noch viele davon in diesem Sommer kommen!
Seelennahrung
Wenn wir Hunger haben, essen wir, wenn wir Durst haben, trinken wir und wenn wir müde sind, gehen wir schlafen (im Normalfall jedenfalls). Unsere grundlegenden körperlichen Bedürfnisse befriedigen die meisten von uns recht zuverlässig (wenn auch vielleicht nicht immer optimal, denn z.B. nur „irgendetwas“ zu essen, ist es ja auch nicht, gesund sollte es möglichst auch noch sein, aber das ist ein anderes Thema…).
Wie aber ist es mit anderen Bedürfnissen? Spüren Sie z.B., wenn Ihre Seele hungert und wissen Sie dann auch, wonach sie sich dann sehnt?
In diesen Wochen merke ich bewusster als je zuvor, wie wichtig Inspiration für mich ist. Ich entdecke seit einiger Zeit immer wieder neue Künstler/innen und Fotografen/innen und komme aus dem Staunen nicht heraus. Wie ein Schmetterling flattere ich von einem kreativen Output zum nächsten, nehme hier einige Farben für mich mit und da einige Formen. Ich schwelge in der Kreativität anderer, tauche ein in das reichhaltige Angebot all derer, die so vieles erschaffen, ich atme Schönes und Schräges tief in mich ein. So sammele ich unendlich viele Eindrücke, Ideen, Bilder und Gefühle und füge sie alle als Mosaiksteinchen in meine innere Welt, die mit jeder Inspiration bunter, schöner und lebendiger wird. Auf diese Weise erlebe ich ein Gefühl von Reichtum, das mich mit tiefer Dankbarkeit erfüllt.
Und gleichzeitig merke ich, wie ich durch diese Seelennahrung, durch das gute Gefühl von Sättigung, selbst immer mehr erschaffen kann. Ich fühle die düngende Kraft der Inspiration, die mich vibrieren und selbst schöpferisch werden lässt. Ich bin so kreativ wie nie zuvor. Ich erschaffe Fotos und Bilder und Texte, überall in mir entstehen Knospen, die zu Blüten werden. Es wuchert in mir und aus mir heraus und ganz oft wandere ich auch in mir selbst mit großen Augen und einem offenen Herzen herum, begeistert von all dem, was da wächst.
Spüren Sie doch einmal in einem ruhigen Moment in sich hinein: Wonach hungert Ihre eigene Seele? Was können Sie ihr geben, damit auch sie wachsen kann?
HINsehen
„Es ist nicht wichtig, was du betrachtest, sondern was du siehst.“ – bevor ich dieses Zitat von Henry David Thoreau gefunden habe, hatte ich keine Worte, das auszudrücken, was ich auch für mich herausgefunden habe: Nämlich dass es tatsächlich ganz oft nicht darauf ankommt, WAS man anschaut, sondern dass entscheidend ist, was man tatsächlich SIEHT – und das kann ein sehr, sehr großer Unterschied sein.
Oft geht es mir so, dass ich durch eine andere Welt zu gehen scheine als viele andere Menschen. Ich liebe es, staunen zu können und ich entdecke überall kleine Wunder und wundervolle Kleinigkeiten. Für mich ist fast jeder Ort wie eine Schatzkiste, denn es gibt immer und überall etwas Kostbares zu finden. Manchmal muss man etwas länger suchen, oft aber liegt das Zauberhafte auch ganz offen da. Wenn ich oft einfach so losrenne und rufe: „Oh, schau mal hier!“ oder „Wow, guck mal wie schön.“ dann mag manch einer den Kopf über meine Kindlichkeit schütteln. Viele aber staunen über das, was sie vorher gar nicht gesehen haben, obwohl sie doch genauso davor standen wie ich.
Ich denke darin zeigt sich Achtsamkeit sehr praktisch: dass es nicht ums Sehen, sondern ums HINsehen geht. Und auch das gilt wohl wieder für alle unsere Sinne, mit denen wir die Welt wahrnehmen.
Relativ
Manchmal sind wir groß wie Riesen und manchmal winzig klein. So, wie die Sonne unsere Schatten verzerrt, so kann auch unsere Wahrnehmung den Blick auf uns selbst verändern.
Wie klein ich mich z.B. fühle, wenn ich wieder kein gutes Haar an mir lasse und nur denke, dass ich doch endlich sollte… und müsste… und überhaupt… Und wie groß fühle ich mich, wenn ich statt an mir zu nörgeln mich einfach sein lasse und ich mich entfalten kann mit dem, was ich bin. Wie winzig fühle ich mich unter geringschätzigen oder missgünstigen Blicken und wie weit öffnet sich meine Seele, wenn ich Liebe spüre. Wie mickrig komme ich mir vor, wenn ich mal wieder den Drill-Sergant für mich selbst mache und wie schön kann ich schillern, wenn ich in meiner Kreativität schwimme.
Es hängt so viel ab vom Fokus, davon, wie wir uns anschauen und was wir in uns und in unserem Leben den Mittelpunkt rücken. Um weiter zu wachsen, brauche ich Licht und Luft und Liebe – von mir und anderen, und kein Gemäkel, kein Gezeter und keine Bremsen. Und so rufe ich mir zu: Lass mich! Und auch zu allen anderen: Lasst mich!
Mitten rein ins Wunderland
Je offener ich durch die Welt gehe, desto mehr fühle ich mich wie in einem Wunderland: so viele Inspirationen und Anregungen, so viel zu sehen und zu staunen, so viel zu erleben und zu tun. Tja, und so renne ich manchmal von hier nach da und von rechts nach links, hüpfe da hinein und dort hinaus, koste mal hier und probiere mal da … und ja, genau, verliere mich auch hin und wieder in all dem was möglich und machbar, wünschenswert und verlockend ist.
Oft frustriert es mich, wenn ich wie ein Schmetterling überall mal kurz hinfliege, nur um gleich dort drüben noch eine schönere Blüte zu sehen oder noch einen verführerischen Duft wahrzunehmen. „Nun bleib doch mal bei einer Sache!“ oder „Man muss sich entscheiden!“ sind Sätze, die mir dann in den Schädel hämmern und mir den freien Flug madig machen. „So wird das nie was!“ – auch ein schöner Killersatz.
Doch, genau so wird das was, denn so habe ich trotz allem immer gelebt: mich inspirieren zu lassen von der ganzen Fülle der Welt, von der Magie der Vielfalt, vom kunterbunten Sein. Nein, ich bekomme auf diese Weise nicht immer alles fertig. Ich habe noch nicht meinen Traum von einem Bilderbuch realisiert, ich bin auch noch nicht die bekannte Künstlerin, die ich gerne wäre, oder die berühmte Schriftstellerin. Aber genau das ist mir immer öfter vollkommen egal, wenn ich so vor mich hinmale oder schreibe. Es ist das Tun, das mich glücklich macht, auch ohne Zweck und Ziel.
Und könnte es nicht tatsächlich so sein, dass man sich in einem Wunderland gar nicht entscheiden muss, sondern dass man so lange hin- und herhüpfen kann, wie man will oder bis man müde ist?! Ist nicht genau das das Wesen eines Wunderlands?
Ich male manchmal an fünf Bildern gleichzeitig (oft auch noch in verschiedenen Techniken), schreibe an zehn verschiedenen Texten (für verschiedene Projekte) und spiele mit mindestens fünfzehn weiteren Ideen für neue Vorhaben… Ja, ich verliere bei all dem oft den Überblick und ja, vieles fällt hinten runter – aber immerhin tue ich etwas und dabei entsteht ganz viel Neues und das wächst ständig weiter und sprudelt und glitzert. Und beruhigenderweise bekomme ich irgendwie jedes Mal das, was wichtig ist, dann auch noch gebacken.
Je mehr ich mich einlasse, desto wilder wird das alles. Aber je näher ich mir dadurch komme, desto kleiner wird die Angst vor dem Versagen und dem Misserfolg, denn ich kann sie ersetzen durch das Vertrauen: Es ist genau richtig so, wie es ist, eben auch das kreative Chaos, das manchmal in und um mich herrscht.