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Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Eine Geschichte

Gepostet von am Feb. 19, 2014 in Alle Beiträge | 3 Kommentare

Eine Geschichte

Ein Mann bat den Meister darum, ihm eine Weisheit aufzuschreiben.

Der Meister schrieb nur ein einziges Wort auf: „Achtsamkeit“.

Der Mann war enttäuscht: „Das kann doch nicht alles sein, oder? Bitte schreib noch etwas dazu.“

Der Meister schrieb „Achtsamkeit. Achtsamkeit.“

„Verzeih, aber das scheint wenig tiefsinnig zu sein“, rief der Mann.

Daraufhin schrieb der Meister: „Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit.“

Der Mann wurde wütend: „Was soll denn Achtsamkeit überhaupt bedeuten?“

„Achtsamkeit heißt Achtsamkeit“, sagte der Meister.

Überlieferte Zen-Geschichte

Kraniche

Gepostet von am Feb. 14, 2014 in Alle Beiträge, Ich mit mir | 2 Kommentare

Kraniche

In diesen Tagen höre ich wieder oft das Rufen der Kraniche.

Immer wieder berührt mich der Gesang dieser großen Vögel ganz tief in meiner Seele. Im Herbst klingen in ihm die Melancholie des Abschieds und das Wissen über die dunklen Monate, die folgen. Jetzt hingegen scheinen mir ihre Rufe wie ein Willkommenslied auf den Frühling, der nicht mehr weit entfernt ist und die Einladung für die bunten Farben, zurückzukehren in die Welt.

Er tröstet mich, der Gesang der Kraniche, denn ihn ihm wird für mich der Lauf des Lebens besungen. Das Kommen und Gehen, der Wandel, die stetige Veränderung, die mir oft so viel Angst macht, all das ist für die Vögel ganz normal, wie für so viele Lebewesen.

Ich beneide sie um ihr Vertrauen in das Leben und Sein, das sie immer wieder davonziehen, aber auch zurückkehren lässt. Ja, manchmal möchte ich mehr Kranich sein und einfach dort ganz oben meine Kreise ziehen, singend, ohne zu klagen.

Fragezeichen-Tage

Gepostet von am Feb. 11, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge, Ich mit mir | 4 Kommentare

Fragezeichen-Tage

Manchmal, da bin ich ein Fragezeichen. An diesen Tagen finde ich keine Antworten. Nicht auf Fragen danach, wie es mir geht oder was ich will, nicht auf ein Warum oder Wieso. Und manchmal nicht einmal auf die Frage, welchen Jogurt ich nun kaufen soll. 

Diese Tage kann ich nur ziehen lassen. Aber das ist nicht leicht. Es fällt mir schwer, nicht doch zu versuchen, sie noch rumzureißen oder sie mit dem Verstand anzugehen oder mich mit Strategien und Techniken zu mehr Klarheit zu zwingen. Es fällt mir schwer, sie einfach anzunehmen und zu leben, mit all der Unsicherheit, die sie mit sich bringen, mit all dem Schwanken und der Angst. An solchen Tagen bin ich froh, wenn ich eine Ahnung habe, WO ich eigentlich bin und wenn ich merke, mich nicht ganz verloren zu haben. 

Ausrufezeichen-Tage, voller Kraft und Energie, sind so viel leichter zu leben als die Fragezeichen-Tage, so undefiniert und vage. 

Heute weiß ich: Das Fragezeichen ist ein Teil von mir und gehört vielleicht schlicht und einfach zum Leben dazu. Vielleicht schon morgen ist die Welt wieder etwas klarer.  

Eine kleine Feder

Gepostet von am Feb. 7, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 8 Kommentare

Eine kleine Feder

Neulich lag im Futterhaus eine Feder. Wahrscheinlich eine Schwungfeder von einer Kohlmeise. Zart und schlank und grau mit einem einem schmalen Streifen Gelb. Sicher sehr unscheinbar für viele.

Aber für mich war diese kleine Feder perfekt und wunderschön.

Die meisten hätten sie wohl einfach übersehen. Oder sie wäre achtlos fortgeworfen worden.

Ich hingegen nahm sie behutsam in die Hand und fühlte mich reich.

Was ich fühlte, war das: Ein Vogel hat mir ein Geschenk gemacht und ich sagte: Danke, kleine Meise!

Ein Verlust

Gepostet von am Feb. 4, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 10 Kommentare

Ein Verlust

Gestern las ich von dem Tod eines Schauspielers, den ich sehr geschätzt habe: Philip Seymour Hofmann. Wie traurig, dass dieser Mann offenbar am Leben zerschellte oder in ihm ertrank oder wie auch immer er es empfunden hat. Eine Überdosis scheint die Todesursache zu sein, der Sieg der Sucht über sein Leben. 

Ich habe erst überlegt, ob es passt, hier darüber zu schreiben, denn natürlich kannte ich den Mann nicht persönlich. Aber ich bin unzählige Male persönlich von ihm berührt worden und sein Tod hat mich sehr bewegt. Hat mich wieder einmal nachdenken lassen über das Leben und den Tod, warum manche aufgeben und andere nicht und dass so schnell alles vorbei sein kann. 

Endlichkeit – ich werde mir ihrer immer bewusster. Das ist oft schmerzlich, aber gleichzeitig sensibilisiert es mich sehr dafür, dass JETZT der Moment zum Leben ist. Nicht morgen, nicht nächstes Jahr und schon gar nicht gestern oder früher – sondern JETZT. Und dass leben heißt, sich dem Leben zu stellen, mit der Angst vor Verletzungen und Schmerz, denn sie gehören dazu. Dass mich das Hadern genauso wenig weiterbringt wie in Angst zu erstarren und dass auch Flucht keine Lösung ist. Dass Leben nicht festhalten heißt, sondern loslassen, nicht schließen, sondern öffnen, nicht Nein sagen, sondern Ja.

Und so will ich ganz da SEIN, mit allem, was in mir ist. Ich will fühlen und lachen und weinen, traurig sein und fröhlich, ich will sehen, hören, riechen und schmecken, ich will lieben und tanzen und fliegen. Jetzt will ich sein, ganz und gar. Denn DAS ist Leben für mich.

Entschleunigung

Gepostet von am Feb. 2, 2014 in Alle Beiträge | 4 Kommentare

Entschleunigung

Neulich fand ich einen inspirierenden Bericht über Orvieto, eine kleine Stadt in Italien. Der kurze Film „Orvieto sagt Nein zum Globalisierungsstress“ ist für jeden sehenswert, dem manchmal alles zu viel ist und alles zu schnell geht. 

Mich sprach die Botschaft sofort an: nicht immer höher, schneller, weiter, nicht immer lauter, bunter, schriller, nicht immer mehr, mehr, mehr, sondern innehalten, wahrnehmen, wertschätzen. Mehr Leben und mehr Sein, weniger Tun oder Schaffen. Muße statt Masse. Und damit mehr Zeit und Raum, um achtsamer sein können. 

Was manch‘ einem vielleicht rückschrittlich erscheinen dürfte, empfinde ich als Antwort auf das ständige Treiben der Gesellschaft, in der wir leben. Keine rückwärtsgerichtete Nostalgie, sondern eine echte Alternative zum eingeschlagenen Weg. Ein anderer Weg zu leben. 

Was denken Sie?

 

Für wen?

Gepostet von am Jan. 29, 2014 in Alle Beiträge | 8 Kommentare

Für wen?

Manch einer mag sich fragen, für wen ich diese Seite aufgebaut habe. Für Frauen und Männer? Für Jüngere und Ältere? Für Glückssucher und Zielorientierte? Für die, die schon meine Bücher gelesen haben und die, die meine Fotos mögen? Für Traurige und Verzweifelte? Für die, die Sehnsucht kennen und den Schmerz? Tja, für wen habe ich diese Seite eigentlich gemacht?

Ganz ehrlich? Für mich selbst.

Ich habe diese Website aufgebaut, um nicht wieder zu vergessen, wer ich bin. Um mir immer wieder klar zu machen, was ich mir erarbeitet und was ich alles geschenkt bekommen habe. Um nicht wieder in alte Muster zu fallen. Um mich immer wieder daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist, worauf es wirklich ankommt und was Leben wirklich für mich ausmacht.

Denn nichts davon ist nicht selbstverständlich, nichts davon gelingt mir einfach so. Im Gegenteil, immer wieder muss ich feststellen, doch wieder einen falschen Weg eingeschlagen zu haben, doch wieder in alte Muster gefallen zu sein, mich doch wieder außer Acht oder sogar aktiv weggedrängelt zu haben.

Auch wenn es vielleicht komisch klingt, aber ich lese hier oft selbst und es tut mir gut. Es bringt mich wieder zurück zu mir, zu dem, was ich eigentlich weiß und zu all dem, was ich leben will.

Vielleicht fragen Sie jetzt, ob ich nicht auch ein bisschen an Sie, also meine Leser/innen denke? Ob das Angebot nicht für Sie ist? Ja, es ist für Sie, wenn Sie sich hier berührt und angesprochen fühlen. Aber ich denke beim Schreiben nicht mehr in Kategorien wie „Zielgruppe“ oder „Leserschaft“. Ich richte meine Themen nicht auf Trends aus oder auf Verkaufszahlen. Ich schreibe hier, was mich bewegt, was mich berührt. Ich schreibe vor allem für mich. Und ich tue das öffentlich, weil es schön ist, nicht allein zu sein mit all dem – das ist schön für mich, aber wie ich aus all den Rückmeldungen lese, auch für Sie. Und damit ist es dann wohl letztlich doch auch ein Angebot für Sie, nicht wahr?

Verwirrung

Gepostet von am Jan. 26, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 6 Kommentare

Verwirrung

Vor einigen Tagen saß ich im Auto und wollte am liebsten einfach nur immer weiter geradeaus fahren, so lange, bis ich kein Benzin mehr gehabt hätte. Nur geradeaus, ohne entscheiden zu müssen, wann ich wo abbiegen muss. Ich saß hinter meinem Lenkrad und weiterzufahren erschien mir so erlösend einfach (und das, obwohl ich wirklich keine begeisterte Autofahrerin bin). Einfach, weil ich nichts anderes hätte tun müssen, weil es hätte so bleiben können, wie es gerade war.

Ich erschrak, als mir klar wurde, wie verwirrt und erschöpft ich an diesem Tag war. Ich war schrecklich müde angesichts all der Entscheidungen, die ich ständig traf, ich war müde vom Denken, Tun und Schaffen, vom ständigen Reflektieren und Hinterfragen, vom Überdenken, Analysieren und Verstehen wollen. Und ich verstand, dass ich mal wieder das Wichtigste auf dem Weg verloren hatte: mich selbst.

Ja, der Impuls, einfach nur weiterzufahren, immer weiter geradeaus, war natürlich „dumm“, weil sinnlos. Auf eine sehr rührende Weise war er aber auch kindlich entlarvend. Denn letztlich zeigte sich darin nichts anderes, als das vollkommen gesunde Bedürfnis nach Ruhe und einer Pause. Nach einer Auszeit von all den verstandesgeleiteten Entscheidungen und von dem geschäftigen Leben, das ich gerade wieder so angestrengt führte.

So bog ich dann brav an der Kreuzung ab, um nach Hause zu fahren. Nicht aber ohne in diesem Moment wieder Verantwortung für mich zu übernehmen, achtsam, liebevoll und fürsorglich. Und damit war alles wieder ein ganzes Stück besser.

Lauschen

Gepostet von am Jan. 23, 2014 in Alle Beiträge | 6 Kommentare

Lauschen

„Lausche aufmerksam auf die Geräusche der Natur,
auf deine eigenen Gedanken,
deine inneren Empfindungen,
auf deine Emotionen
und Reaktionen der Umgebung,
ohne Gewalt, 
mit Liebe und Verehrung.

Dann wird dein Geist sich öffnen wie eine Blüte am Morgen.“

Indianische Weisheit

Sein dürfen

Gepostet von am Jan. 20, 2014 in Alle Beiträge, Ich mit mir, Ich und andere | 4 Kommentare

Sein dürfen

Vor einigen Tagen wog ein Tag mal wieder schwerer als die anderen. Meine Stimmung war dunkel und dumpf, ich war unerklärlich traurig.

An meiner Seite war ein Mensch, der keine Angst davor bekam. Der mich weder aufzumuntern oder zum Lachen zu bringen versuchte, noch einen Bogen um mich machte oder mich mied und mich auch nicht mit Samthandschuhen anfasste.

Jemand, der einfach da war und mich in den Arm nahm, wie immer. Jemand, der mich sein lassen konnte, so wie ich war, an diesem Tag.

Und das war gut so.

So gut.

Deine Liebe

Ein
Ja. 

Tania Konnerth