Woche 26: Die Sache mit der Vergangenheit

Gepostet von am Jul 3, 2018 | Keine Kommentare

Woche 26: Die Sache mit der Vergangenheit

Das war wieder eine gute Schreibwoche, diese Woche 26. Ich schreibe, es schreibt sich, wir schreiben. 🙂 

Die Auseinandersetzung mit meinem inneren Buchhalter hat vieles bewegt. Ich weiß nicht, ob mir zuvor klar war, wie einflussreich dieser Teil in mir war. Dass er überhaupt so stark wurde, hat Gründe, die tief in meiner Geschichte und meinen Wurzeln liegen und mich ihm und den damit verbundenen Themen (wieder einmal) zu stellen, hat mich (wieder einmal) weitergebracht. 

Erfolgsratgeber schreiben so oft davon, dass man nach vorne schauen soll und nicht zurück, dass die Zukunft zählt und nicht die Vergangenheit, dass Rückschau nur unnötig Kraft kostet, die man eigentlich für das Vorwärts nutzen soll.

Das sehe ich anders.

Woher ich komme, prägt meinen Weg und mein Tun. Nur wenn ich wenigstens ein bisschen verstehe, wie ich ticke, was mich antreibt und vor allem auch, was ich zu vermeiden versuche, kann ich dahinter kommen, warum ich welche Entscheidungen treffe. So vieles in uns findet unbewusst statt und mit reinen Willensbekundungen alá „Ich glaube an mich.“ oder „Ich kann alles erreichen, wenn ich nur will.“ kommen die wenigsten wirklich weiter. 

Ich glaube, es braucht Aussöhnung für die meisten von uns – Aussöhnung mit der eigenen Geschichte, mit prägenden Erfahrungen und Erlebnissen, mit uns selbst und den für uns entscheidenen Menschen. Ohne Aussöhnung führen wir Schattenkämpfe, derer wir uns nicht bewusst sind. Und DAS kostet Kraft. Immer wieder auch mal stehen zu bleiben und sich umzudrehen und anzuschauen, was uns verfolgt, was uns treibt und was uns beeinflusst, hat sich für mich als ein hilfreicher und heilender Umgang mit der Vergangenheit herausgestellt. Und nur so habe ich überhaupt eine Chance, tatsächlich irgendwann zu tun, was ich wirklich tun möchte. 

Es geht dabei nicht darum, im Gestern zu versinken, es geht nicht um Schuldzuweisungen und nicht um nachträgliches Leid. Es geht vielmehr um Achtsamkeit: den eigenen Weg achtsam anschauen und wahrnehmen, was uns zu dem gemacht hat, was wir jetzt sind und wer wir darüber hinaus sind. Es geht um Mitgefühl mit uns und um Verständnis.

Wir brauchen manchmal viele, viele Jahre, um uns an alte Themen zu wagen, um sie wirklich anschauen und be- oder auch verarbeiten zu können. In den letzten Tagen habe ich mich durchaus gefragt, wie mein Weg verlaufen wäre, wenn ich einige meiner Themen schon vor 20 Jahren hätte lösen können – und die Antwort lautet: Dann wäre es ein anderer Weg gewesen und ich eine andere Person.

Der Blick zurück darf kein Hadern sein, sondern die Grundmotivation sollte ein offenes und liebevolles Verstehenwollen sein. Sich selbst zu verstehen, bringt uns uns selbst näher als alle Erfolgsstrategien der Welt. Und nur wenn wir uns selbst nahe sind, können wir das tun, was wirklich uns entspricht, weil wir es nur dann erkennen können. 

Es ist letztlich immer dasselbe: Wir kommen um uns selbst nicht herum – und das ist auch gut so, davon bin ich fest überzeugt. 

 

Woche 26

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