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Hier finden Sie Reflexionen, Inspirationen und Anregungen rund um das Thema Achtsamkeit.

Mutig?

Gepostet von am Jan. 17, 2014 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 14 Kommentare

Mutig?

Viele Rückmeldungen, die ich auf diese Seite hin bekommen habe, beinhalten eine Kernaussage: Wie mutig es sei, mich so zu zeigen. Mutig, so viel von mir preiszugeben, meine Gefühle in dieser Weise zu offenbaren, mein Sein mit anderen zu teilen. Darüber denke ich nun viel nach.

Warum gilt es eigentlich als mutig, wenn sich jemand zeigt?

Offenbar ist es für die meisten von uns normal, sich nicht zu zeigen und lieber vorzugeben, jemand anderes zu sein oder zumindest Wesentliches von uns zu verbergen. Warum fürchten wir entdeckt, ja, regelrecht entlarvt zu werden? Warum wollen wir uns  nicht in die Karten schauen lassen? Was für ein Spiel spielen wir denn da? Und wovor ganz konkret haben wir nur solche Angst?

Ich persönlich war z.B. lange davon überzeugt, nicht liebenswert zu sein, wie ich bin, und baute deshalb ein (vermeintlich) vorzeigbareres Ich auf. Ich fürchtete, abgelehnt und verlassen zu werden, wenn ich mich ehrlich und offen zeige. Nun darf ich erleben: das komplette Gegenteil ist der Fall! Ich habe mich noch nie in meinem Leben so geliebt und angenommen gefühlt, wie jetzt, wo ich nicht mehr hinter einer Fassade lebe, sondern einfach nur ich selbst bin.

Eigentlich ist es schon ziemlich schräg (und vor allem auch traurig), dass es Mut braucht, dem Natürlichsten in uns zu folgen, nämlich unserem eigenen Sein. Finden Sie nicht? Müsste es nicht eigentlich viel gruseliger sein, sich nicht zu zeigen, weil man dann die Gefahr läuft, dass die Leute einen für einen anderen halten? Dass dann keiner weiß, wer wir sind und in der Folge die Leute mit uns auch anders umgehen, als es vielleicht viel besser für uns wäre? Denn genau das passiert doch, wenn wir uns nicht zeigen: wir werden nicht erkannt. Leute reden dann mit uns auf eine andere Art, sie behandeln uns anders, sie gehen von anderen Wünschen und Bedürfnissen aus usw. Und je mehr wir unser Sein vor anderen verstecken, desto weniger können wir uns auch selbst spüren, wodurch dann genau dasselbe passiert: Auch wir verkennen uns und können gar nicht mehr genau sagen, was wir wirklich brauchen, was wir uns wirklich wünschen, was uns wirklich erfüllt.

Ich persönlich kann aus heutiger Sicht sagen, dass wir viel mehr Angst davor haben sollten, NICHT wir selbst zu sein als uns anderen zu zeigen, wie wir sind. Ich zittere jedenfalls nicht mehr davor, erkannt zu werden, sondern nur noch davor, mich wieder zu verlieren.

Der Tag danach

Gepostet von am Jan. 15, 2014 in Alle Beiträge | 6 Kommentare

Der Tag danach

Heute, am Tag nach dem „Launch“ (so nennt man das, wenn eine Website erstmals online geht – ein lustiges Wort, das in meinen Ohren mehr nach einem Gemüse klingt als nach etwas so Aufregendem wie einen Webseiten-Start):

Riesige Freude ist in mir über all die tollen, bewegenden Rückmeldungen und eine große Erleichterung darüber, dass alles funktioniert und vor allem, dass meine doch sehr persönliche Schreibe gut ankommt und – hoffentlich! – tatsächlich auch ein solches Projekt tragen kann. Gleichzeitig spüre ich Müdigkeit und Erschöpfung. Gut 11 Stunden saß ich allein gestern vor dem Rechner. Meine Augen mögen im Moment nicht mehr sehen, meine Finger nicht mehr tippen, aber mein Geist ist kreativ. Er sendet Ideen, Sätze, Bilder, will schaffen und schöpfen und kreieren.

So ist es also bunt in mir: sanfte, ruhige Töne, dunkle Flecken und Knallbuntes dazwischen gemixt. Mein Job besteht nun darin, zu vermitteln zwischen den verschiedenen Teilen in mir, denen, die Ruhe brauchen und sich erholen wollen und denen, die lossprinten wollen, die es kaum erwarten können, Workshops zu konzipieren, Texte zu schreiben und Ideen umzusetzen. Ach ja, und es gibt auch noch jemanden in mir, der mahnend auf all das hinweist, was in den letzten Tagen liegen geblieben ist und die Stimme ist nicht gerade leise.

Mal wieder (und immer wieder!) geht es um das richtige Maß, darum Balance zu finden und (mir) angemessen zu handeln. Gut auf mich zu achten und gut für mich zu sorgen. Das ist nicht leicht, wenn so unterschiedliche Bedürfnisse in mir sind. Aber es geht, wenn ich bei mir bleibe, ganz nah bei mir und alles einfach sein lasse. Nicht zu verändern versuche, sondern nur zulasse, was ist. Dann lass ich mich in die Ecke kuscheln und schließe die Augen, weil ich endlos müde bin und schreibe danach diesen Text, weil er einfach geschrieben werden will. Dann mache ich mir den heißen Tee, der mich wärmt und plane in Gedanken die nächsten Schritte. Dann kann ich beides in einem Moment sein: erschöpft und voller Energie, müde und tatendurstig, k.o. und kreativ, und stelle fest: es geht durchaus, auch ganz Verschiedenes in sich zuzulassen. Ich muss mich nicht entscheiden, ich kann alles sein, was ist.

Und das ist gut.

Unter Strom

Gepostet von am Jan. 14, 2014 in Alle Beiträge | 4 Kommentare

Unter Strom

In diesen Tagen stehe ich unter Strom. Morgen kündige ich diese neue Website an, an der ich die letzten Wochen gearbeitet habe. Um Achtsamkeit geht es auf dieser Seite und genau um die muss ich gerade immer wieder ringen, denn sie droht in all den vielen Punkten, die noch zu tun sind, unterzugehen.

Achtsam mir gegenüber sein, heißt im Moment meine Anspannung wahrzunehmen, die Unsicherheit, ob dieses neue Projekt ankommen wird, ob ich rüberbringen kann, was ich möchte und auch die Angst, solch ein weiteres Projekt allein nicht zu schaffen. Ich spüre aber auch den Stolz darüber, diese Seite zum Großteil ganz allein gebastelt zu haben und ich freue mich über die Kraft, die ich nun wieder habe, so etwas anzugehen. Und natürlich fühle ich auch das Kribbeln, die Vorfreude und die Nervosität, denn so ein neues Projekt in die Welt zu bringen, ist aufregend und elektrisierend.

In manchen Moment zittere ich innerlich, ob ich mir wieder zu viel vornehme, ob die Arbeit wieder ein zu großes Gewicht in meinem Leben einnimmt und in anderen kann ich es kaum erwarten, all das umzusetzen, was in mir wächst und nach außen will. Manchmal bin ich unendlich müde und denke, vielleicht habe ich mir zu viel vorgenommen, dann wieder spüre ich genau, dass das erst der Anfang ist, eine Tür, die sich gerade öffnet und hinter der Tolles auf mich wartet.

All das ist in mir, all das nehme ich wahr, all das darf sein. Ich darf unter Strom stehen und ich darf aufgeregt sein. Ich darf Angst haben, ich darf mich freuen, ich darf stolz sein.

Das alles bin ich.

Und was sind Sie gerade in diesem Moment?

Eine Zen-Geschichte

Gepostet von am Jan. 5, 2014 in Alle Beiträge | 2 Kommentare

Eine Zen-Geschichte

Es kam eine Frau zum Meister, die ihn nach dem Geheimnis eines erfolgreichen Lebens fragte.

Die Antwort des Meister lautete: „Mach jeden Tag einen Menschen glücklich!“

Und nach einem kurzen Moment fügte er hinzu: „Selbst wenn dieser Mensch du selbst bist.“

Und einen weiteren Augenblick später sagte er: „Vor allem, wenn dieser Mensch du selbst bist.“

Genuss

Gepostet von am Jan. 2, 2014 in Alle Beiträge | Keine Kommentare

Genuss

„Wer nicht genießt, ist ungenießbar.“ 

Konstantin Wecker

Um genießen zu können, müssen wir achtsam sein, denn nur dann sind wir empfänglich für die verschiedensten Sinnesfreuden. Unter Stress und in Eile können wir uns keinem köstlichen Geschmack hingeben, keinem verlockenden Geruch, keiner zärtlichen Liebkosung, keines feinen Tones und keines betörenden Bildes. Wahrnehmen zu können braucht Aufmerksamkeit und Konzentration und die Bereitschaft, sich einzulassen.

Türen

Gepostet von am Dez. 30, 2013 in Achtsamkeit im Alltag, Alle Beiträge | 5 Kommentare

Türen

„Es ist ein Gesetz im Leben: Wenn sich eine Tür vor uns schließt, öffnet sich eine andere.
Die Tragik jedoch ist, dass man meist nach der geschlossenen Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet.“

André Gide

Das dürften wir alle kennen: dass wir vor allem auf das schauen, was wir verlieren oder nicht haben können und dabei nicht mehr wahrnehmen, was wir statt dessen haben oder bekommen. Wie wir unseren Fokus setzen, hat viel mit der Fähigkeit zur Achtsamkeit zu tun, denn es braucht bereits eine gute Portion Achtsamkeit, überhaupt erst einmal realisieren, dass das, was wir automatischen sehen, nicht das Ganze ist. Dass es oft nur ein winziger Teil des großen Ganzen ist.

Achtsam sein heißt den Blick zu öffnen und mehr zu sehen, als das, was direkt vor unserer Nase liegt.

Achte auf diesen Tag

Gepostet von am Dez. 20, 2013 in Alle Beiträge | Keine Kommentare

Achte auf diesen Tag

„Achte gut auf diesen Tag, denn er ist das Leben –
das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf liegen alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Herrlichkeit der Kraft.

Das Gestern ist nichts als ein Traum,
und das Morgen nur eine Vision.

Aber das Heute – richtig gelebt –
macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück
und das Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.

Achte daher wohl auf diesen Tag.“

Aus dem Sanskrit