Eine Insel gefunden

Gepostet von am Okt 9, 2018 | Keine Kommentare

Eine Insel gefunden

Inmitten einer schwierigen Phase, in der ich wieder einmal nicht gut für mich gesorgt hatte,  weil ich mir dafür keine Zeit nahm, weil doch eh schon alles viel zu viel war, saß ich überfordert, überreizt, überanstrengt und überarbeitet da und spürte voller Angst, wie meine Kräfte immer geringer wurden. Da ich mir in diesem Moment tatsächlich keinen anderen Rat wusste, antwortete ich mit dem, was mich das Leben in den letzten Jahren gelehrt hat: mit Loslassen. 

Ich ließ meine Ansprüche los, meine Erwartungen an mich, all die „Müsste“ und „Sollte“, die Checkliste der Aufgaben und die vielen schönen Ideen, die alle so druck- und verheißungsvoll meine Aufmerksamkeit wollen. Ich ließ auch die Existenzangst los und die (vermeintliche) Wichtigkeit, mit der ich alles versah, das erledigt werden musste.

Statt dessen gab ich dem nach, was tief in mir schon lange jemand wollte: der Sehnsucht nach Ruhe. 

Und so fand ich eine Insel in mir, auf der innerer Frieden herrscht. Auf der ich einfach nur ein bisschen herumsitzen kann. Auf der keiner an mir zerrt und ich nichts leisten muss. Eine Insel, die außer mir keiner kennt und keiner erreichen kann. Eine Insel, auf der ich sicher bin vor der oft so lauten und fordernden Welt und vor allem auch vor mir selbst.

Als ich da so auf meiner kleinen Insel saß, kamen mir die Tränen, denn ich fühlte so sehr mit mir: Ich spürte die Not der letzten Zeit, die enorme Anstrengung und die Erleichterung nach all der Anspannung, die dadurch entstand, endlich einmal nichts zu müssen und nichts zu sollen. 

Mir ist bewusst, dass auf dieser kleinen Insel zu sitzen kein Dauerzustand sein kann, denn das Leben besteht immer auch aus Anforderungen – ganz realen und notwendigen (aber auch aus selbst gemachten und selbst gedachten…). Dann muss und werde ich, wie wir alle, auch wieder reagieren und „funktionieren“. Aber, ich weiß nun über die kleine Insel in mir. Ich war dort und habe sie gespürt und mich auf ihr. Wie schön, dass es sie gibt!

Ich habe einige Seelenfotos von meiner Insel gemacht und mir innere Postkarten für Zeiten geschickt, in denen ich mich wieder ein Stück verliere. Ich erzähle mir auf ihnen von meiner Insel, damit ich an sie erinnere, wenn ich sie brauche. 

 

Eine innere Insel

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