Das wahre Alter

Gepostet von am Dez 6, 2017 | 3 Kommentare

Das wahre Alter

Mit dem Alter ist das so eine Sache: Ich muss sagen, dass ich mich eigentlich nie so alt gefühlt habe, wie ich war. Lange erschien es mir, dass ich vom Gefühl her so irgendwie bei Anfang / Mitte 20 stehen geblieben bin. Doch das hat sich geändert und langsam nähere ich mich vom Grundgefühl her meinem tatsächlichen Alter an. Und das ist etwas Gutes, denke ich. 

Gut, weil darin die Entwicklung der letzten Jahre deutlich wird und eine gewisse Reife, die daraus erwachsen ist. Ich spüre auch eine bisher noch neue Gelassenheit in Bezug auf viele Dinge im Leben. Und es fällt mir immer leichter, zu mir zu stehen und Grenzen zu setzen und tatsächlich auch genießen zu können, wie ich bin.

Gleichzeitig bringt mich dieses Gefühl für mein eben doch nicht mehr ganz so jugendliches Alter auch dahin, bewusster wahrzunehmen, dass mein Leben enden wird. Und das in nicht mehr allzu langer Zeit (oder auch früher, wer weiß das schon…). 

Wie immer versuche ich aus Themen und Herausforderungen für mich herauszuarbeiten, wie ich dadurch mein Leben bewusster und intensiver führen kann. Gedanken an den Tod zu verdrängen, führt automatisch dazu, in diesem Bereich weniger zu fühlen und weniger an mich heranzulassen, also zum Gegenteil von Intensität. Gleichzeitig kann und will ich diesem Thema aber auch nicht allen Raum geben, den es vielleicht einnehmen möchte, denn es kann schon arg in die Tiefe ziehen und sehr dunkel werden drin.

Ich setze darauf, auch das zu surfen. Fühle ich mich zum Beispiel durch die alte Dame berührt, die ich in die Bahn einsteigen sehe, lasse ich das zu und frage mich, wie es wohl sein wird, auch so alt zu sein. Sehe ich den kleinen Jungen mit großen Augen am Karussell auf dem Weihnachtsmarkt stehen, komme ich in Kontakt mit dem kleinen Mädchen in mir, das genauso staunen mag.

Und das ist das eigentliche Wunder: Wir sind nie nur ein Alter, sondern in uns sind noch immer alle Altersstufen, die wir durchlebt haben. Ich kann also gleichzeitig alt sein und ganz jung. Ja, ich kann alle schon durchlebten Altersstufen in mir spüren: ich als ich sechs war, ich mit 18, ich in meinen 30igern und so weiter. Und ich kann mich sogar ein Stück vorausdenken, in das was kommen mag, und zumindest Wegmarken für mich setzen dafür, auch ein hohes Alter mit einem bewussten Ja zu leben.

Inmitten all dessen stehe ich dann, so wie ich heute bin – irgendwo zwischen Jung und Alt, mit vielen, vielen Jahren Leben, die hinter mir liegen und hoffentlich noch vielen vor mir. Und ich fühle ganz tief in mir, dass Zeit ein Geschenk ist. 

 

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3 Kommentare

  1. Ja,Zeit ist ein Geschenk. Ich lerne das immer wieder, wenn ich Menschen beim Weltenwechsel begleite. Die noch verbleibende Zeit in dieser Welt wird sehr kostbar. Und ich durfte bezaubernde Momente mit diesen Menschen teilen. Ich schenke Zeit und bekomme soviel mehr zurück.
    Liebe Grüße
    Luna

  2. liebe Tanja,
    das ist natürlich ein allumfassendes Thema. Ich bin ja nun schon 70 Jahre alt, aber oft bin ich auch immer wieder Kind, weil ich mit meinen Enkelkindern zusammen lebe – da gibt es so viel Jugendhaftes und Spielerisches. Meine 2 Kleinen sagen mir auch immer ganz begeistert: Heia (das bin ich) was du dir immer wieder einfallen läßt! Ja, das macht Freude und hält jung. Das ist natürlich auch ganz viel geschenkte Zeit – und das ist gut so.
    Durch das Thema „sexuelle Gewalt“, das uns zur Zeit umtreibt, bin ich sehr viel in der Erinnerung was ich da alles so erlebt habe, da holt mich dann ganz viel wieder ein. Aber es macht mich auch stark, wenn ich mich in der Öffentlichkeit einmische und sage, was mir wichtig ist. Ja, und da merke ich: Ich kann mehr und mehr sagen, was ich denke, ich muss weniger auf Menschen und Dinge Rücksicht nehmen (selbstverständlich immer auf anständige, menschenwürdige Art!)- und das kann ich auch gut.
    Durch mein Ehrenamt, wo ich Menschen in Lebenskrisen begleite, ist auch die geschenkte Zeit ein großer Anteil. Und dafür habe ich sogar den Bundesverdienstorden verliehen bekommen.
    Also ein reiches Leben – nicht gemessen mit Euro, aber gemessen am liebevollen Umgang mit meinen Mitmenschen.
    Und wenn es dann ans Sterben geht, bin ich mir sicher, dass ich vielseitige Erinnerung zurück lasse, und auch das macht mich froh.
    In dieser Vielfalt könnte ich jetzt ein Buch schreiben!

    Vielen Dank Tanja, für diese Anregung.

  3. Ganz herzlichen Dank Euch beiden, für Eure Zeilen!

    Alles Gute,
    Tania

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