Weniger fühlen – nein danke!

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Weniger fühlen – nein danke!

„Nimm Dir das doch nicht so zu Herzen!“ oder „Du darfst das nicht so an Dich herankommen lassen.“ – das sind Sätze, die ich schon oft gehört habe. Gut gemeinte Ratschläge, die aber leider gar nicht gut für mich sind, denn weniger fühlen ist aus meiner Sicht der falsche Weg, weil der Preis dafür viel zu hoch für mich ist.

Zugegeben, es klingt logisch und sinnvoll: Menschen, die viel an sich heranlassen, werden auch schnell verletzt – im Umkehrschluss gilt es sich zu schützen, in dem man weniger an sich heranlässt, weniger fühlen muss und so auch weniger verletzt wird. Vielleicht funktioniert das für manch einen, für mich hat es nie funktioniert und ich habe wirklich vieles getan, um weniger an mich heranzulassen. Das Ergebnis war jedes Mal, dass ich mich selbst verloren habe und in der Summe viel mehr Schmerz erlebt habe, als wenn ich mich in meiner Empfindsamkeit angenommen hätte, denn ein Kampf gegen meine Gefühle ist ein Kampf gegen mich selbst. 

Ja, ich bin ein intensiv fühlender Mensch. Intensiv fühlen zu können macht mein Leben und mein Sein aus. Und ja, ich bin dadurch verletzlich, aber genau das liegt in der Natur der Sache bzw. in meiner Natur. Weniger fühlen zu wollen, um mich zu schützen, geht also gegen meine Natur. 

Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass der größte Schmerz nicht durch das entsteht, was wir an uns heranlassen, sondern durch Selbstablehnung. Wenn ich mich abzuschotten versuche, sage ich mir damit, dass ich mit meiner Empfindsamkeit nicht ok bin. Ich will dann anders sein, um besser zu funktionieren oder um nicht so aufzufallen oder schlicht und einfach aus Angst – alles Motive, mit denen ich Nein zu dem sage was ist, also Nein zu mir.

Ja zu mir zu sagen, heißt meine Empfindsamkeit nicht als Schwäche zu sehen, sondern als Geschenk. Ich bin so und ich darf so sein. 

Ich kann heute meine Empfindsamkeit immer besser leben, da ich lerne, dass ich nicht nur in der Lage bin, sehr intensiv zu fühlen, sondern ich kann genau das auch aushalten! Durch den Blick anderer auf mein Sein habe ich oft die Botschaft erhalten, dass ich aufpassen und mich schützen muss – aber das waren die Ängste der anderen, nicht meine! Ich will fühlen, mehr noch: ich MUSS fühlen. Das ist mein Sein. Versuche ich mich abzuschotten, verliere ich so vieles von dem, was mich ausmacht, fast wie ein emotionaler Zombie…

Erst wenn ich mich in meinem eigenen Sein wirklich annehme, wird es mir möglich, gut für mich zu sorgen, ohne gegen mich zu handeln.

11 Kommentare

  1. Liebe Tania,

    wie schön dass du deine Gabe, viel & tief zu fühlen, als Geschenk betrachten kannst. Das ist es auch, da bin ich mir auch sicher.
    Oft sind die Gedanken eines anderen über uns tatsächlich Projektionen, mit denen wir sozusagen verkleidet werden. Manchmal passt uns der Mantel, der uns übergestülpt wird, auch gar nicht (mehr). Da darf in der Tat geguckt werden: Sind das meine Ängste oder die des anderen, die sich hier zeigen wollen?
    Interessant auch, dass du schreibst, der größte Schmerz entsteht durch unsere Selbstablehnung, nicht über das, was wir an uns heran lassen. Ich glaube, Schmerz entsteht nicht durch unsere Wunde, sondern den krampfhaften Versuch, diese vor Berührung schützen zu wollen.
    Also: Auf, dass wir (viel) fühlen:-)!

    Herzlich, Carolin

    • Ein wundervoller Wahlspruch, Carolin!

      Herzlich,
      Tania

  2. Hallo Tania ,

    ich bin auch so ein Mensch , der jede Energie , Gefühle anderer Menschen usw aufsaugt und mitfühlt und oft komm ich dabei an meine Grenzen, so gerade wieder letzte Woche , wo ich so “ zwischen den Stühlen “ sitze und die ganze Energie auf mich aufprallt, ohne Teflonschicht, und dann fühle ich mich tital traurig, könnte schreien , toben und die Tränen fliessen einfach . Zwei Tage später alles wieder gut und ich bin glücklich udn fröhlich bei dem was ich am liebsten mache : auf Konzerte gehen und Freunde treffen udn es passiert so viel Schönes, dass ich es kaum aushalten und verarbeiten kann. Aber ich weiss ich bin wahrhaftig, aufrichtig mit all diesen Gefühlen , auch wenn es für andere Menschen komisch aussehen mag . Aber das alles bin ich und es gehört zu mir 🙂

    lg Maren

    • So ist es, Maren!

      Lieber Gruß,
      Tania

  3. Liebe Tania, „der größte Schmerz entsteht durch die Selbstablehnung „…….DANKE für all deine guten u. vor allem hilfreiche Gedanken – finde mich in Tränen aufgelöst – bin auf dem richtigen Weg, hin zu mir selbst. DANKE Lilo

    • Wunderschön, Lilo – bleib auf diesem Weg!

      Ganz herzlich,
      Tania

  4. Liebe Tania,
    ja, auch ich erlebe das Leben ähnlich wie du. Oft spüre ich in dem Augenblick, in dem ein Mensch mir begegnet, seine Gefühlslage und bin bemüht, entsprechend auf ihn einzugehen. Das kostet immens viel Energie und Kraft, bereitet aber gleichzeitig Freude und Lebenssinn.
    Wir gehören – denke ich – zur Minderheit der ‚Hochsensiblen‘, was durchaus ein Geschenk, aber auch mit Anstrengung verbunden ist.
    Ich selbst benötige viel Auszeit mit mir alleine, um nach dem ‚Geben‘ wieder zu mir selbst zu finden, doch wenn die Balance passt, ist das für mich o.k.
    Was gibt es Schöneres und Sinnvolleres, als andere Menschen intensiv zu fühlen, ihnen vielleicht ein Lächeln zu entlocken oder sogar ein Stück weiter in der Entwicklung zu helfen …?

    Bleib wie du bist, aber pass auch gut auf dich auf!

    Holzvogel

    • Ganz lieben Dank und dasselbe für Dich!

      Alles Gute,
      Tania

  5. Liebe Tania,

    ich spüre ein riesengroßes, weises, uraltes JA zu deinem Text, ganz aus meiner Tiefe. Wunderbar geschrieben. Wow.

  6. Liebe Tania,
    Du sprichst mir voll aus der Seele, ich nehme unterdessen meine Hochsensibilität als ein Geschenk an, es ist aber überhaupt nicht einfach. Ich freue mich nur sehr, solche Zeilen wie Deine lesen zu dürfen und auch Menschen zu begegnen, die ähnlich fühlen, aber sie sind selten, leider. Aber da gibt es auch die Indigo-Kinder, die machen uns Hoffnung in dieser oft sehr egobehafteten Welt. Mach weiter so, ich finde Deine Texte immer so berührend, manchmal so, für mich gemacht. Danke.
    Ganz lieben Gruß
    Elke

  7. Ganz herzlichen Dank für Eure Kommentare, Elke und Elke! Ich freu mich sehr.

    Alles Gute,
    Tania

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