Schwächen und Stärken

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Schwächen und Stärken

Man kann immer wieder lesen, wie wichtig es ist, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden. Deshalb habe auch ich mich damit lange und ausführlich befasst.

Ich habe allerdings inzwischen ein Problem: nämlich, dass es mir immer schwerer fällt, eine Eigenschaft oder Fähigkeit eindeutig als Schwäche oder Stärke zu bezeichnen.

Warum? Weil eine Stärke auch eine Schwäche sein kann, genauso wie eine vermeintliche Schwäche sich als Stärke herausstellen kann. Für sich allein genommen sind Eigenschaften und Fähigkeiten doch zunächst einmal einfach nur Eigenschaften und Fähigkeiten. Eine Bewertung erfolgt dann immer aus dem jeweiligen Kontext, also aus dem Zusammenhang heraus, in dem wir diese Eigenschaften oder Fähigkeiten leben und einsetzen. 

Dazu zwei Beispiele: 

  • Ich habe ja schon öfter über meine Leistungsfähigkeit geschrieben, die auf den ersten Blick wohl ganz klar eine Stärke ist, denn sie sorgt dafür, dass ich viel schaffe und erreiche und dass ich „Erfolg“ habe. „Erfolg“ steht hier ganz bewusst in Anführungszeichen, denn was Erfolg ist, ist ja durchaus eine Definitionssache. Erfolg kann bemessen werden in Geld, Bekanntheit, erreichten Zielen, der Zahl an abgeschlossenen Projekten usw. Wenn aber für diesen Erfolg Gesundheit, Privatleben und Lebensqualität geopfert werden, kann man dann wirklich noch von Erfolg sprechen? 
  • Eine meiner Schwächen hingegen ist wohl, dass ich mich nicht festlegen mag z.B. auf einen bestimmten Stil oder ein bestimmtes Thema. Gerade was meine Kunst angeht oder meine Fotografie hätte ich es leichter, wenn ich einen klaren Stil hätte, eine Handschrift oder eine Marke. Aber das entspricht nicht meiner Persönlichkeit, die Vielfalt leben und frei sein möchte. Interessanterweise erlebe ich diese „Schwäche“ ganz persönlich als Stärke, denn durch sie springe ich recht unerschrocken mal hier mal dorthin und probiere angstfrei alles Mögliche an kreativen Ausdrucksformen aus. 

Tja, und nun schauen Sie doch noch einmal selbst auf Ihre eigenen Schwächen und Stärken. Sind diese wirklich immer so eindimensional, dass Sie sie so klar zuordnen können?

Je mehr ich über Achtsamkeit nachdenke (und vor allem fühle), komme ich zu der Erkenntnis, dass eine sehr feine Differenzierung erforderlich ist, um all die Spielarten des eigenen Seins und des Lebens zu erkennen. Jede Schubladisierung (so nenne ich das jetzt mal) führt zwangsläufig zu einer Begrenzung der Wahrnehmung und damit zu weniger Achtsamkeit.    

3 Kommentare

  1. What dem een sin Nachtigall – is dem annern sin Uul !

    Ich weiß nicht, wie alt dieses Sprichwort ist, aber ich denke, es trifft´s.

    Dinge die für mich „Wert“ haben, können für Andere „Quatsch“ sein.

    Also wird es für mich immer klarer, dass der einzige, der eine Bewertung abzugeben hat – und darf – ich selber für mich – bin.

    Wie sollte eine andere Bewertung sinnvoll sein, wenn jeder „seine“ Bewertung hat ?

    Und imer weiter auf der Suche nach …

    Lieben Gru?
    Elke

  2. Wir alle lernen durch Erfahrungen, die Schwächen die ich habe haben mir geholfen meine Stärke in mir zu erkennen und zu leben.
    Alles hat auch seinen Sinn den viele noch nicht erkennen können.

  3. Sehr schön.
    Eine meiner Stärken ist die Ruhe bzw. Gelassenheit, die ich in vielen Situationen bewahren kann.
    Würde ich das bei einer Bewerbung angeben, könnte es so ausgelegt werden, dass es mir egal ist, wie schnell ein Projekt vorwärts geht, dass ich vielleicht lieber faulenze und abwarte. Vielleicht werde ich auch von vorneherein in die Langweilig-Schublade gesteckt.

    Nur ein Wort kann für verschiedene Menschen sehr viele verschiedene Bedeutungen haben und eben gerade in einem anderen Kontext gesehen werden.
    Wer weiß schon, ob ich gleichzeitig beharrlich oder fokussiert bin? Und überhaupt… heißt fokussiert vielleicht, dass ich dann unflexibel bin? Eventuell das Große und Ganze nicht sehe?

    Achtsamkeit heißt für mich auch meine Facetten kennen zu lernen. Wenn ich sie in eine Schublade packe, gehe ich davon aus, dass sie sich nicht verändern und anpassen und so werde ich unachtsam, weil ich denke, sie zu kennen.
    Nehme ich an, meine Stärken und Schwächen wären Kleidungsstücke, dann bringt es mir auch nichts, diese ständig in der Schublade zu haben. Ich möchte sie tragen und dabei kombinieren und sie passen zu bestimmten Anlässen und in Kombination besser und schlechter.
    Der Vergleich lässt sich ausbauen und wird auch an vielen Stellen hinken, darüber werde ich sicher noch einmal sinnieren und für den Augenblick entscheiden, ob er stark oder schwach ist.

    Danke für die Anregung. Bis bald,
    Kerstin

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