Buchtipp: Monkey Mind

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Buchtipp: Monkey Mind

Rezension: „Monkey Mind: Was dein Verstand dir sagen will“ von Ralph de la Rosa. – Bielefeld: fischer & gann, 2020 – ISBN:978-3903072848. – 288 S. – 20,- EUR

Was mich viele, viele Jahre vom Meditieren abgehalten hat, war der grundlegende Tenor mit dem das Meditieren in unserer westlichen Welt so oft beschrieben und angeboten wird, alá „den Geist in den Griff bekommen“ oder „sich auf Ruhe und Gelassenheit programmieren“. In mir sträubte sich alles dagegen, mich mittels einer Methode noch mehr selbst zu manipulieren, also war das nichts für mich. Bis ich mich dann in Japan in einem kleinen Zen-Kloster das erste Mal gezielt und bewusst auf eine Meditation einlassen konnte. Der Mönch hatte zuvor so viele kluge Sachen gesagt und ein komplett anderes Bild von der Meditation beschrieben, als ich es bisher kannte, und mir damit einen Zugang eröffnet. Inzwischen gehört die Meditation zu meinen täglichen Ritualen und ich möchte sie nicht mehr missen. Das vorliegende Buch „Monkey Mind“ kann, ähnlich, wie es der Mönch für mich tat, ein Türöffner für alle sein, die eigentlich gerne meditieren würden, aber innere Widerstände empfinden. Denn auch Ralph de la Rosa zeichnet ein ganz anderes Bild von der Meditation.

Der Begriff „Monkey Mind“ stammt aus der buddhistischen Meditationspraxis und beschreibt sehr treffend die stetige Unruhe unseres Verstandes. Doch statt die Affenbande in unserem Kopf zähmen, fesseln und ruhigstellen zu wollen, lädt der Autor dazu ein, von ihr zu lernen. Es geht zunächst um Würdigung, denn die Aktivität unseres Verstand ist sehr wichtig für uns: Im Alltag brauchen wir diesen regen Geist, der Informationen in Bruchteilen von Sekunden aufnimmt und verarbeitet. Unser Verstand macht uns leistungsfähig und Leistungsfähigkeit hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Die Vorstellung, sich nun einmal täglich für 20 Minuten hinzusetzen und diesen so wichtigen Teil in uns gleichsam per Knopfdruck ausschalten zu wollen, weil Meditation ja gut für uns sein soll, ist einmal mehr ein Zeichen dafür, wie mechanistisch wir mit uns selbst umgehen. So als wären wir Maschinen,  … Roboter. Und natürlich weiß unser Verstand das dann auch wirkungsvoll zu verhindern.

Ralph de la Rosa erzählt sehr offen und ehrlich von seinen eigenen Irrwegen und Erkenntnissen, die er daraus gewonnen hat. Das ist sympathisch und glaubwürdig. Trotz des für mich nicht immer ganz leicht zu lesenden Stils (vielleicht, weil es ein eher männlicher Stil ist, vielleicht ist es auch der Übersetzung ins Deutsche geschuldet), habe ich weiter- und weitergelesen und mich tatsächlich auch auf die Übungen einlassen können. Ich freue mich sehr darüber, dass immer mehr solcher „Gegenbücher“ zu den bei uns so verbreiteten zweckorientierten Meditationsanleitungen erscheinen, denn sie entsprechen so viel mehr dem, was Meditation wirklich ausmacht: nicht zu wollen, nichts zu manipulieren, kein Zweck, kein Ziel, sondern das anzunehmen und sein zu lassen, was ist. Das ermöglicht echte Achtsamkeit. 

Ganz am Ende des Buches sind folgende Zeilen zu lesen: „Mögen wir nicht zurückweichen. Mögen wir nicht aufgeben. Mögen wir weitermachen, trotz des Komforts in unserem Kokon. Auf dass sich jeder von weiterentwickeln möge. Immer weiter, immer tiefer. Mögen wir die wertvolle und flüchtige Chance nicht verpassen die wahre Süße des Lebens und aller Dinger zu schmecken, statt nur die Speisekarte zu lesen. Mögen wir erkennen, dass der wahre Mut in deinem Leben mit offenem Herzen liegt.“ – und genau DAS ist Meditation für mich. 

Fazit: Wer sich bisher mit dem Meditieren eher schwer tat, sollte einmal in dieses Buch schauen und vor allem auch die Übungen ausprobieren!

 

Monkey Mind

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