Ein Jahr auf dem Yoga-Weg

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Ein Jahr auf dem Yoga-Weg

Es ist nun über ein Jahr her, dass ich von meiner Weltreise zurück kam und aus Bali für mich Yoga mitbrachte. Seitdem beginne ich jeden Tag mit dem Üben von Asanas und einer Meditation.

Ich weiß noch genau, wie ich nach der Rückkehr oft so verloren auf meiner Matte saß, als wäre sie ein kleines Floß auf einem riesigen Ozean. Und ich weiß auch noch, wie oft ich in all den vergangenen Monaten verzweifelt nach der Kraft suchte für die Asanas, um sie halten zu können, um gut zu sein und besser zu werden – … etwas, um das es aber gar nicht geht und um das es vielleicht sogar nie ging, obwohl ich so fest daran glaubte.

Heute bin ich keine andere als vor einem Jahr und doch ist vieles anders geworden. Damit meine ich weniger die Veränderungen in der Welt, denn für mich fühlen sich nach jahrelangen Umwälzungen in meinem Leben selbst große Veränderungen inzwischen schon fast normal an, eben als ein Teil des Lebens ganz allgemein. Anders ist aber, wie ich heute auf Veränderungen reagiere und anders ist immer öfter, wie ich mit mir selbst umgehe.

Die tägliche Zeit auf meiner Matte ermöglicht mir, immer wieder zu mir zu kommen und mir auch dann zu begegnen, wenn ich mal wieder anderswo bin. Nicht, wie sonst erst nach Wochen oder gar Monaten, sondern jeden Tag neu. Das ist anders und das ist gut so.

Eine tiefe Dankbarkeit erfüllt mich, dass ich diesen Weg für mich finden durfte, und vor allem, dass ich es mir ermögliche, ihn tatsächlich zu gehen. Denn die tägliche Praxis, die Entscheidung zu einer Ausbildung und die intensive Auseinandersetzung mit körperlichen und spirituellen Themen gleichermaßen, traf und trifft immer wieder auf Widerstände in mir. Die rationalen, skeptischen und berechnenden Teile halten das alles für Humbug und einen Irrweg. Doch diese Teile sitzen schon lange nicht mehr an der Macht. Großes hat sich verändert in mir – die Ausrichtung auf das Außen tritt zurück zugunsten des Wunsches, mich sein zu lassen, was und wie ich wirklich bin. Immer weniger scheint es mir erstrebenswert zu sein, Erwartungen zu erfüllen, immer weniger ist mein Ziel, jemanden gefallen zu wollen, statt dessen leitet mich die Sehnsucht danach, mich in meinem Sein zu spüren.

Ich wollte so viel, als ich von meiner Weltreise zurück kam – allem voran war da der feste Entschluss, endlich zu der Schriftstellerin zu werden, die ich immer sein wollte: erfolgreich und vielleicht sogar berühmt. Ich stürzte mich in die Arbeit mit einem Mut, den uns nur die Angst schenkt – … die Angst vor dem Scheitern und vor dem Verlieren. Und wieder einmal zeigte mir das Leben, dass ich zwar viel wollen und auch viel tun kann, aber dennoch nicht alles erreiche, was ich anvisiere und dass das möglicherweise auch gut so ist. Sanft und dabei sehr nachdrücklich verschob das Leben wieder einmal Fundamente und zeigt mir, dass anderes ansteht.

Ich bin ein gutes Stück bescheidener, ja, vielleicht sogar demütiger geworden in meinen Ansprüchen – nach außen, aber auch mir selbst gegenüber. Denn ich merke, dass es nicht länger darum gehen darf, das Leben durch Leistung meistern zu wollen, als könnte ich mir durch gute Noten etwas kaufen. Alles, was ich mir im Moment oft wünsche, ist einfach ruhig dasitzen und dem Wachsen in mir nachspüren zu können. Intensiv all das zu fühlen, was da gerade entsteht – oder besser gesagt: was sich entfaltet. Denn es ist nichts Neues, es ist uralt.

Und so feiere ich gemeinsam mit mir mein erstes Jahr auf dem Yogaweg, der mich mehr als alles zuvor etwas von dem erleben lässt, was ich mir sehnlichst wünschte: Ein Stück anzukommen – nicht irgendwo draußen, sondern in mir.

 

Ein Jahr Yoga-Weg

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