Mein achtsames Ich

Ein herzliches Hallo zu Ausgabe Nr. 55

newsletter_kasten_55Ich befasse mich gerade mit dem Thema „Wut“, bisher so etwas wie ein Tabu für mich.

„Sei brav und niemals wütend. Wut ist hässlich und uncool. Wer wütend ist, hat sich nicht im Griff. Beherrschung ist alles.“ 

Leider habe ich mir solche Sätze so lange und intensiv eingeredet, bis ich den Zugang zu meiner Wut fast vollständig verloren hatte. 

Heute vermisse ich meine Wut hin und wieder sehr, denn ich glaube, es fehlt mir oft genau die Energie, die aus einer gesunden Wut entsteht, z.B. dafür, für mich selbst einzustehen und mir das Recht zu nehmen, für mein ganz eigenes Sein auch zu kämpfen, wenn es nötig ist. 

Ja, ich fühle mich manchmal regelrecht flügellahm, weil ich sie nicht nutzen kann, meine Wut. Und deshalb habe ich mich auf der Suche nach ihr gemacht.

Es erfordert viel Mut, mich diesem verbotenen Bereich zu nähern. Aber ich weiß inzwischen: auch sie gehört zu mir.

Mir zu verbieten, wütend zu werden, führt dazu, dass ich mich abschneiden muss von Gefühlen und Wahrnehmungen und genau das will ich nicht mehr. Ich möchte nichts mehr verneinen in mir, nichts unterdrücken, nichts ausklammern. Ich sein heißt auch das zu umarmen, was ich bisher bekämpft habe mit allen Mitteln. 

Und: So nachdrücklich ich die Wut in mir auch fortgejagt habe, so ist sie nie verschwunden, sondern ich habe sie nur tief in mir versenkt. Dort führte sie ein Schattendasein und brach nur in seltenen Momenten hervor, dann allerdings leider ungesteuert und destruktiv, was mich in meiner Überzeugung bestätigte, dass ich nicht wütend werden darf. 

Ich weiß inzwischen sehr genau, wo meine Wut in mir sitzt. Ich habe diese hinterste Ecke meines Ichs entdeckt, in der ich sie versteckt habe. Ich spüre, wo sie ist und dass sie wartet. Auf mich wartet. Darauf, dass ich sie endlich berge wie einen Schatz. 

Denn, ja, ich ahne, dass ich eigentlich viel weniger Angst vor meiner Wut haben muss als ich immer dachte, sondern dass sie etwas Kostbares ist für mich, etwas, das mich ausmacht…  

Wie wütend sind Sie manchmal und können Sie das spüren?

Ihre Tania Konnerth

 

Neues auf „Mein achtsames Ich“

Diese Beiträge sind in den letzten zwei Wochen erschienen:

 

Meine Wut,
du Unbekannte.

Bist du
vielleicht
nur

eine
Schwester
des Muts?
 

Meine Wut,
kenne ich dich besser als gedacht?

Tania Konnerth

 

Inspirationen – das Leben ist bunt

Und hier finden Sie noch Bilder und Texte von meiner kreativen Spielwiese:

 

Bis zur nächsten Ausgabe
alles Gute für Sie!

 

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