Wer bin ich mit Dir?

Gepostet von am Mai 23, 2017 | 5 Kommentare

Wer bin ich mit Dir?

Für mich hat sich der Fokus in meinen Beziehungen über die letzten Jahre stark verändert. Früher war ich regelrecht getrieben von der Frage: „Wie kann ich eine Beziehung oder Freundschaft halten, wie verhindere ich also, den anderen zu verlieren?“ Heute hingegen frage ich mich: „Wer bin ich, wenn ich mit dieser Person zusammen bin – kann ich sein, wer ich wirklich bin?“

Interessanterweise hätte ich mich früher mit meinem heutigen Beziehungsfokus wahrscheinlich für egoistisch gehalten, denn damals war ich überzeugt davon selbstlos zu handeln. Schließlich ging es mir doch um den anderen und darum, die Beziehung zu halten, also um das Wir!

Ich weiß heute, dass das so nicht stimmt. Meine Motive waren nicht selbstlos, sondern vor allem angstgetrieben. Ich wollte, dass meine Beziehungen „funktionierten“, weil meine größte Angst war, Menschen zu verlieren. Es war mir wichtiger als alles andere, dass sie hielten. Die Dauer einer Beziehung war für mich ein Qualitätsmerkmal und ich tat sehr, sehr viel dafür, Beziehungen zu halten. Darauf war ich sehr stolz, aber lange nicht alles von dem ich tat war gut…

Nicht nur, dass ich mich für Beziehungen immer wieder selbst verloren habe. Mehr noch, ich war oft jemand, der ich nicht sein wollte. Ausgerichtet auf die Erwartungen des anderen und auf das, was ich an Anforderungen an mich wahrnahm, bediente ich das, von dem ich glaubte und oft auch wusste, dass es nötig war, um die jeweilige Beziehung halten zu können. Da aber vieles davon nicht wirklich mir entsprach, musste ich ein Stück weit jemand anderes sein. Und so tat ich vieles, was falsch war.

In der Rückschau kann ich erkennen, dass ich durch meinen Fokus in vielen Beziehungen tatsächlich ein „schlechteres“ Ich war – und die Wertung hier ist bewusst von mir gesetzt. Sie bringt zum Ausdruck, dass ich für mich heute weiß, dass nur wenn ich wirklich ich selbst sein kann, auch ein „gutes“ Ich bin – gut im Sinne von dem, was ich in die Welt bringen kann, gut in Bezug auf das, was mich ausmacht:

  • Nur wenn ich ich selbst in einer Beziehung sein kann, kann ich wirklich geben.
  • Und nur dann kann ich auch annehmen, also bekommen, was ich brauche und mir wünsche.
  • Nur, wenn ich ich bin, bin ich wirklich ehrlich und authentisch.
  • Nur, wenn ich mich ich sein lassen kann, kann ich den anderen so sein lassen, wie er ist. 
  • Nur wenn ich in einer Beziehung wirklich ich selbst bin, kann ich lieben. 

Irrwege und falsche Überzeugungen zu erkennen, ist oft schmerzhaft – gleichzeitig aber sehr befreiend. Ich kann heute verstehen, warum Beziehungen und Freundschaften kaputt gehen mussten und ich erkenne heute besser, welche Beziehungen ich selbst beenden oder reduzieren muss. Ich bin in meinen Beziehungen heute viel gebensfähiger und wahrhaftiger. Ich bin mehr ich.

5 Kommentare

  1. Liebe Tania, von Herzen Dank für diesen wunderbaren Beitrag u. mit vielen Menschen teilst! Du hast mir aus der Seele geschrieben – DANKE !! Mir fehlen sooft die Worte – da lese ich einen deiner Beiträge u. alles ist rund, stimmig u. hat einen Namen.
    Bin auf dem besten Weg, immer mehr ICH zu sein! Liebe Grüße Lilo

  2. eine sehr wichtige Frage, liebe Tania, die zum Nachdenken anregt. Wie gut auch zu erkennen, dass manche Trennungen in der Vergangenheit letzlich beFREIUNG war. Grüsse aus Mainz ❤️

  3. Liebe Tanja,
    ich erkenne mich darin wieder, was du über deine früheren Beziehungen schreibst. Ich muss also noch viel lernen. Ich bin ja nicht unglücklich, mwerke aber doch, dass ich viel voh meinem „Ich“ aufgebe, dem Partner zuliebe.
    Ich bin jemand, der immer alles richtig machen möchte. Doch „allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann“.

    Du hast mich sehr zum Nachdenken und Bessermachen angeregt, ich danke dir.
    Liebe Sonntagsgrüße, Hanni

  4. Ein herzliches Dankeschön an Euch für Eure Rückmeldungen.

    Liebe Grüße,
    Tania

  5. Hallo Tanja,

    Ich kann Deine Erfahrungen mittlerweile auch völlig nachvollziehen. Es ist mir ganz ähnlich ergangen und ich bin sehr froh, in Beziehungen viel mehr auf mich zu achten. Nur ist dieses „mich“ etwas enorm wandelbares. Seit geraumer Zeit stelle ich mir immer mal wieder die Frage: Du hast noch 10 Minuten zu leben: wie kannst du die optimal füllen? Das relativiert ganz ganz viel, was „mich“ und anderen sehr wichtig vorkommt. Liebe Grüsse, André

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