Trauer ist wie das Meer

Gepostet von am Mai 16, 2017 | 2 Kommentare

Trauer ist wie das Meer

Das Thema Trauer begleitet mich weiterhin und so, wie ich immer über das schreibe, was mich selbst berührt und bewegt, schreibe ich weiter darüber. Ich habe ein Bild gefunden, das für mich Trauer sehr anschaulich beschreibt: Trauer ist wie das Meer. 

Ich schwimme in meiner Trauer wie in einem Ozean. Manchmal sind da dichte Wälder aus Seegras und Algen, die mich festhalten und regelrecht hinabziehen in eine unendliche Tiefe. Im ersten Moment denke ich, ertrinken zu müssen, doch ich muss mich nur selbst darin erinnern, dass ich Kiemen habe für die Trauer, ja, ich kann auch in der Tiefe atmen. Nicht so leicht wie Luft, aber es ist möglich, Trauer zu atmen und es gilt zu lernen, genau das zu tun: Trauer ein- und wieder auszuatmen, um sie fließen zu lassen.

Trauer kommt oft in Wellen. Mal sind es kleine oder mittlere Wellen, und in ihren Bewegungen können wir uns auf den Schmerz einlassen, der wie in Wehen kommt. Manche Wellen aber brechen mit einer Wucht über uns hinweg, dass wir weit fortgespült oder zum Boden gedrückt werden. Und wieder gilt es, nicht zu vergessen, dass wir auch in der Trauer atmen können, mehr noch: atmen müssen, denn atmen heißt leben. 

Dann gibt es Zeiten, in denen treiben wir scheinbar ganz allein auf der unendlichen Weite unserer Trauer, kein Land in Sicht, kein rettendes Schiff. Für diese Zeiten brauchen wir uns selbst so sehr und unser Ja zu dem, was da gerade ist an Schmerz und Tränen. Denn es ist dieses Ja, das unsere Planke ist, mit der wir oben bleiben und nicht untergehen.

Dieses Ja lässt uns auch Ausschau halten nach fliegenden Fischen, Delphinen und den Möwen, die uns ein Stück begleiten, denn tatsächlich sind wir auch im tiefsten Schmerz nie ganz allein. Und dieses Ja ermöglicht uns, das Glitzern auf dem Wasser zu sehen und die Sonne zu spüren, die uns wärmt und die Leuchttürme zu entdecken, die uns zeigen, dass es jenseits der Trauer festes Land gibt. Dieses Ja trägt uns durch die Trauer, weil es uns wissen lässt, dass es außer dem Schmerz auch Freude gibt, dass da nicht nur Tränen sind, sondern auch Lachen und dass im Loslassen in Dankbarkeit so viel Linderung zu finden ist. 

Trauer ist wie das Meer, eine ganz eigene Welt. Trauer im Ja ist gelebte Liebe.

2 Kommentare

  1. Tolle Worte für diese schwierigen Gefühle. Auch mich hat die Welle diese Woche wieder erwischt.

    • Denk dran, Sandra: atmen.

      Ganz viel Kraft und alles Gute,
      Tania

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