Achtsamkeit im Alltag

alltag_ill2Punktuell achtsam zu sein, ist für die meisten von uns kein Problem. Ich bin z.B. früher hin und wieder von einem Selbsterfahrungsseminar  oder einer Auszeit an einem besonderen Ort mit einem ganz wundervollen Gefühl nach Hause gekommen: Ich war mir selbst viel näher als sonst und nahm alles ganz intensiv wahr, ich erlebte vieles bewusster und konnte mich mehr zeigen. Vielleicht kennen Sie das auch, z.B. nach einer tollen Reise, einem außergewöhnlichen Erlebnis und manchmal kann auch ein besonders schönes Gespräch mit jemanden, der uns berührt hat, ein bewegender Film oder ein mitreißendes Buch so etwas auslösen – eben etwas, das uns aus unserem normalen Trott herausholt. Eine solche Unterbrechung unseres Alltags scheint vielen von uns zu ermöglichen, sich selbst besser zu spüren. Wir erleben dann alles mit einmal ganz anders und auch andere erleben uns anders. Wow, sagen wir uns dann, genau das möchte ich nicht mehr verlieren!

Doch dann kommt der Alltag und schnell sind wir wieder in alten Mustern und entfernen uns wieder von uns.

Achtsamkeit ist meiner Erfahrung nach nichts, das wir uns durch Tricks oder Praktiken aneignen können. Es gibt ja vielfältigste Übungen, aber sie alle wirken für die meisten Menschen immer nur so lange, wie wir sie auch machen und das ist fast immer nur kurz. Achtsamkeit im Alltag ist für mich inzwischen eine Lebensweise geworden. Mehr ein Sein als ein Tun.

Achtsam im Alltag heißt für mich, dass ich trotz der Anforderungen des Tages, trotz Zeitdruck und Terminen offen in meinen Sinneswahrnehmungen und vor allem bei mir selbst bleibe.

alltag_ill1Dass ich z.B. den kleinen Marienkäfer sehe, der in der Strohblume schläft oder den Gesang des Zaunkönigs in meinem Garten höre, dass ich die frische Brise auf meiner Haut spüre, die gerade direkt vom Meer herüber zu wehen scheint und auch mein Fernweh, dass sie auslöst. 

Dass ich aber auch spüre, wie verspannt ich schon wieder vor lauter Stress bin, dass ich eigentlich gerade traurig bin und erst einmal herausfinden sollte, warum oder auch so etwas, dass ich Hunger habe oder müde bin. Und dass mich das Radio nervt oder ich die Stimmung meines Kollegen als aggressiv empfinde und vieles mehr. Oder dass gerade jemand über meine Grenzen gegangen ist und mir das wehtut.

Ein Dialog mit uns selbst

Achtsam zu sein ist für mich so etwas wie ein ständiger Dialog mit mir selbst, in dem ich mich aufmerksam und liebevoll frage, ob ich gerade bei mir bin oder ob ich mich mal wieder ein Stück weit verloren habe und was ich gerade fühle, sehe, höre, schmecke, rieche und wie es mir geht.

Ja, das erfordert eine Portion Bewusstsein, ist aber nicht anstrengend. Im Gegenteil, es ist etwas ganz Wunderschönes, denn Achtsamkeit

  • beschenkt mich mit tiefen, bunten und vielfältigen Gefühlen,
  • mit so vielem, über das ich staunen kann,
  • mit Eindrücken, die mich für meine Arbeit inspirieren,
  • mit dem Gefühl, unendlich reich zu sein
  • und vielem mehr.

Und mit einer solchen Achtsamkeit im Alltag erwacht immer mehr das, was ich als unser achtsames Ich bezeichne.

Einige Impuls-Fragen

  • Was ich gerade sehe – an Farben, Formen, Gegenständen, Licht usw. (vordergründig, aber auch wenn ich genauer hinschaue und auch das, was ich sehe, wenn ich meinen Blick weit öffne und nichts mehr fokussiere):
  • Was ich gerade höre – Musik, Stimmen, Töne, Geräusche im Außen und auch was in mir (z.B. was ich mir sage, was ich denke usw.):
  • Was ich gerade rieche – Angenehmes und Unangenehmes (und woran es mich erinnert, denn mit Gerüchen sind oft viele Erinnerungen verbunden):
  • Was ich gerade schmecke – Gegessenes, einen Bonbon, mein Getränk, nicht Besonderes (und was das Hinfühlen dorthin auslöst, vielleicht Hunger oder Durst, eine Lust oder Sehnsucht?:
  • Wie ich mich gerade fühle – kalt oder warm, habe ich Schmerzen, bin ich verspannt oder müde usw. (und was ich tun könnte, damit es mir vielleicht besser geht, sollte ich mich so gut fühlen):
  • Was sonst noch in mir ist – vielleicht Angst, Langeweile, Freude, Sorgen, Stress, Leichtigkeit, Neugier, Melancholie usw. usw. (und wie es mir damit geht):

4 Kommentare

  1. ein wundervoller Text und ja, Achtsamkeit im Alltag… das sich immer wieder bewusst machen, hinschauen, hinhören, wahrnehmen 🙂
    Ich wünsche einen achtsamen Tag für Euch 🙂
    Liebe Grüsse
    Pat

    • Hi Du Liebe,

      dankeschön!

      Drücker,
      Tania

  2. Liebe Tanja,
    ich leite eine gerontopsychiatrische Einrichtung und die mir anvertrauen Mitarbeiterinnen leisten an den schwerst dementen Menschen einen großartigen, wertschätzenden Dienst – dabei vergessen sie sich doch oft selbst. Von deinem Artikel bin ich begeistert und werde deine Seite allen Mitarbeiterinnen empfehlen.

    Mach weiter so, unser Leben benötigt Menschen wie dich.
    Christa

    • Ganz, ganz herzlichen Dank, Christa, ich freu mich sehr über Deine Zeilen.

      Alles Gute,
      Tania

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