Achtsam für mich selbst sorgen

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Es war lange Zeit nicht gerade meine Stärke, Verantwortung für mich zu übernehmen und gut für mich zu sorgen und das, obwohl ich als Expertin für diese Themen galt. Ich habe stapelweise Bücher gelesen, darüber wie ich netter zu mir sein kann, wie ich mich selbst verwöhnen kann und ja, ich habe sogar selbst Bücher geschrieben, in denen ich tolle Tipps gab, wie man besser mit sich selbst umgeht. Keines der Bücher, das ich las und auch nichts von dem, was ich für andere schrieb, war falsch – aber leider half mir auch nichts davon, besser für mich selbst zu sorgen. Und dafür gab es einen ganz konkreten und eigentlich sehr, sehr traurigen Grund:

Ich hatte schlicht und einfach keine Ahnung, was ich wirklich brauchte.

Die Frage ist erstmal nicht, was ich brauche, sondern um wen es eigentlich geht …

Für mich gibt es heute einen ganz klaren Zusammenhang: Ich kann nur dann gut für mich sorgen, wenn ich weiß, was ich brauche. Und um zu wissen, was ich brauche, muss ich wissen, wer ich bin. Um wiederum mich selbst kennen zu lernen und nicht nur z.B. die Person, die ich aus mir gemacht habe, damit andere mich toll finden oder damit ich gut in meinem Job funktioniere, muss ich etwas tun, was sehr vielen von uns so schwer erscheint: Ich muss mir überhaupt erst einmal erlauben zu sein, wer ich bin.

Wenn es Ihnen vielleicht ähnlich wie mir geht, dann sind Sie gut darin, sich vor sich selbst zu verstecken. Sie glauben vielleicht genauso wie ich es tat, nicht liebenswert zu sein und dass, wenn Sie sich zeigen, wie Sie wirklich sind, Sie keiner lieben kann. Und deshalb haben Sie eine Person geschaffen, die Sie für vorzeigbar und akzeptabel halten. Und Sie glauben inzwischen vielleicht genauso stark daran, dass diese Person wirklich Sie sind, genauso wie ich es lange Zeit getan habe. Ich war sehr gut darin, die Person zu sein, die ich für vorzeigbar hielt, und richtete fast mein ganzes Leben auf diese Person aus. (Interessanterweise gab es aber auch immer einige Inseln, die eigentlich nicht wirklich zu der von mir geschaffenen Person passten … – da lebten die Teile, die mich wirklich ausmachten, tapfer gegen mein Bemühen an, alles zu kontrollieren.)

Wenn es nun darum ging, was ich mir Gutes tun konnte, was ich brauchte oder auch was ich wollte, habe ich natürlich nicht meinen Bauch, nicht mein wahres Sein sprechen lassen (das mischte sich nur manchmal mit hinein, mal heimlich still und leise, mal auch lauter), sondern ich habe meinen Verstand antworten lassen. Klar, damit machte ich auch vieles ganz toll, aber ich wurde nie wirklich satt, war nie wirklich zufrieden und konnte mein Glück immer weniger spüren – obwohl ich von außen gesehen alles hatte, was man sich nur wünschen kann.

Nur einer kann wissen, was ich brauche: Ich selbst!

sorgen_ill2Ich glaubte auch anderen Menschen deutlich mehr als meiner inneren Stimme (die sich, wie gesagt, trotz allem immer wieder mal meldete), wenn es darum ging, was ich brauchte. Da ich keinen wirklichen Zugang zu meinem wahren Sein (bzw. meinem achtsamen Ich) hatte, nahm ich  den Rat der Menschen um mich herum an, den leisen Zweifeln in mir zum Trotz. Es ist ja immer wieder erstaunlich, wie sicher andere vorgeben genau zu wissen, was gut für einen ist. Tatsächlich konnten sie es natürlich nicht wirklich wissen, denn auch sie standen ja vor allem der Person gegenüber, die ich kreiert hatte, nicht wirklich mir.

Wirklich gut für mich selbst zu sorgen lernte ich in einer Zeit, in der es für mich ums Überleben ging. Ich musste ganz nach unten, um aufstehen zu können und mir zu erlauben zu sagen, was ich brauche, was ich will und was nicht. Das ging nicht von einem Tag auf den anderen, natürlich nicht. Es ist ein ständiges Üben, bis heute.

Und es ist meine Achtsamkeit, die es mir ermöglicht wahrzunehmen, was mir gut tut, was mich sättigt, was mich erfüllt und auch, was mir nicht gut tut, was mir Energie nimmt und wovor ich mich schützen muss.

Einige Impuls-Fragen

  • Was brauche ich? Was tut mir gut? Was fehlt mir?
  • Wie weiß ich, was ich brauche, was mir gut tut und was mir fehlt? Wie kann ich es herausfinden?
  • Und wie geht es mir damit, etwas zu brauchen? Kann ich mich mit meiner Bedürftigkeit annehmen oder versuche ich, meine Bedürfnisse so klein wie möglich zu halten? Traue ich mich zu sagen, was ich brauche? Kann ich darum bitten, dass mir jemand dabei hilft, dass ich bekomme, was ich brauche? Wenn nein, wovor habe ich Angst? Was befürchte ich, was passiert, wenn ich mich mit meiner Bedürftigkeit zeige?
  • Wie gehe ich damit um, wenn ich nicht bekomme, was ich brauche? Wie lebe ich ohne das, was mir fehlt? Hilft mir vielleicht etwas anderes, das ich bekommen kann? Wenn ja, was?
  • Wofür steht eigentlich das, was ich zu brauchen glaube? Geht es wirklich darum oder vielleicht noch um etwas ganz anderes? Was könnte das sein?

13 Kommentare

  1. Liebe Tania,

    hättest Du Dich nicht selbst in den Tiefen Deiner Verzweiflung gefunden,könntest Du nicht diese

    wunderbare Begleiterin sein für Menschen wie mich, die auf der Suche nach sich selbst sind.

    Herzlichen Dank!

    Hermann

    • Ich danke Dir, Hermann.

      Herzlich,
      Tania

      • Liebe Tania, mir geht es da noch ähnlich, mit dem für sich selbst sorgen können wie (es) dir (auch ging). Gut ist für mich zu wissen, wo es herkommt und gleichzeitig zunehmend mehr Verantwortung selbst zu übernehmen. Zunehmend höre ich auch lieber auf mein eigenes Gefühl, als auf den Rat anderer, auch wenn er sehr gut gemeint ist und ich ihn zu schätzen weiß. Achtsamkeit ist dabei ein guter Schlüssel für mich, – für dich scheinbar auch. Du schreibst den Ausdruck „was mich sättigt“, das drückt für mich ganz schön viel Geborgenheit aus und trifft eigentlich genau den Punkt, danke für den Begriff:D. Urprünglich habe ich den Begriff eher auf(s) Essen bezogen, aber er drückt für mich so genau, dass passende aus. WEITER SO, auf deinem mutigen Weg!! und mit deiner spannenden und inspirierenden Internet Präsenz :D. Am liebsten möchte man dich mal in echt erleben, bei einem Seminar, oder so etwas :). herzlichen Gruß, Jasmin

        • Dankeschön, Jasmin,

          und auch für Dich alles Gute,
          Tania

    • Naja wenn jeder dent er selber sei „in der Tiefe der Verzweifelung“ kann sie ach werrer ned so tief sein oder ? ;D

  2. Liebe Tania! Mit großer Begeisterung habe ich deine Texte gelesen. Du wirkst wirklich sehr sympathisch auf mich. Ich finde deinen Schreibstil besonders ansprechend. Du schreibst mit viel Herz und es fühlt sich so „rund“ an. Ich selber gehe achtsam mit mir um und weiß oft was ich brauche. Dennoch bin ich manchmal unsicher. Mein Glaube an meine Fähigkeiten verlässt mich dann. Ich möchte dann alles noch besser machen, weiß nicht mehr, ob meine Anregungen stimmig und ausreichend sind ( ich arbeite als Pädagogin ). Ich weiß, dass eine berufliche Neuorientierung ansteht, doch ich zeige in diesem Bereich noch wenig Engagement . Zurzeit gestalte ich vereinzelte Seminare. Hierbei bringe ich mein Herz und meine Erfahrungen mit ein. Das ist wirklich angenehm. Es sind kleine Samen in die richtige Richtung. Tja und jetzt schreib ich dir einfach, weil eine meiner Ängste das Schreiben ist. Es ist bei mir ein wunder Punkt. Als Kind wollte ich immer besser schreiben lernen. Die notwendige Unterstützung habe ich aber nicht erhalten. Das lässt mich noch heute innerlich klein werden. Vielleicht wäre dein Kurs etwas für mich….Ich würde mich freuen von dir zu hören. Liebe Grüße Sonja

    • Hallo Sonja,

      herzlichen Dank für Deine Rückmeldung und schön, dass Du GESCHRIEBEN hast 😀

      Ich schreib Dir einfach mal eine Mail wegen der Kurse, ist einfacher als hier auf der Seite.

      Herzlich,
      Tania

  3. Hello again Tania,

    wie Du siehst, erforsche ich gerade intensiv Deine Seiten. Und in jedem Text finde ich so viel von mir wieder, das es fast beängstigend ist. So wie Du einst muss ich erst neu entdecken, was mir gut tut und was ich wirklich brauche. Für mich schier unfassbar schwer. Und es bedarf meiner gesamten inneren Aufmerksamkeit, das „Nehmen“ zu lernen. Dabei war doch „Geben“ immer meine Stärke. Jetzt stehen diese beiden Seiten in Konflikt miteinander und schreien sich an.
    Es ist nicht leicht, aus dieser Neuen Welt wieder in die Alte Welt einzutauchen, in der mir so viele kopfblinde Menschen das er-Leben schwer machen. Ist doch der Schmerz und die Angst mein ständiger Begleiter. Wie uneleidliche, besoffene Gäste hocken sie an meinem Tisch und ich weiß nicht recht, wie ich sie hinauskomplimentieren soll. Das ich die Möglichkeit habe, selbst das Haus dann und wann zu verlassen, um im Sonnenlicht am Flussufer der Gezeiten zu sitzen, ist noch ein sehr fremder Gedanke für mich.
    Dein Buch zum Thema Schreiben werde ich mir definitiv zu Gemüte führen. War es doch immer das, was mich von meinen kreisenden Gedankenschreien befreite. Lange habe ich nicht geschrieben. Die Worte versteckt. Mal sehen, ob ich sie wieder hervorlocken kann.
    Hör niemals auf mit dem, was Du Wundersames tust!!

    Herzliche Grüße

    Anke

    • Lieben Dank, Anke.

      Vielleicht geht es nicht darum, die Angst und den Schmerz hinauszukomplimentieren, sondern vielmehr darum, bewusst momenteweise mit ihnen am Tisch zu sitzen und sie besser kennen zu lernen. Da Du offenbar schon ein Bild von „Personen“ im Kopf hast, probier doch mal ein Gespräch mit ihnen – oder als Wiedereinstieg ins Schreiben: Schreib ihnen einen Brief.

      Und ja, raus ins Sonnenlicht und an den Fluss – auch das gehört dazu!!!

      Ganz herzlich,
      Tania

      • Nein, keine bestimmten Personen. Aber ich habe einmal über den Schmerz geschrieben. Das er auch eine Art geliebter Feind oder ungeliebter Freund ist, der zeitweilig bei uns am Tisch sitzt und sich schonmal hemmungslos besäuft. Mir ging es darum, auch selbst die Wahl zu haben, hinaus zu gehen. Denn letztendlich können wir ja nur selbst etwas ändern und nicht erwarten, das es andere für uns tun.
        Aber die Sache mit dem Briefe schreiben praktiziere ich mittlerweile trotzdem. Eine wunderbare Möglichkeit, sich Dinge „von der Seele zu schreiben“ 🙂

        • Liebe Anke,

          da hatte ich mich ungeschickt ausgedrückt: ich meinte, sich die Angst und den Schmerz ALS Personen vorzustellen. Nicht reale, sondern die Gefühle als Teile in sich wahrzunehmen, aus einem gewissen Abstand heraus. Manchmal zeigen sich dann tatsächlich „personenartig“.

          Lieber Gruß,
          Tania

  4. Hallo Tania, wie wunderbar! Immer öfter lade ich einige “ Gäste “ zu mir zum Kaffee ein: Wut,Schmerz, Trauer, Scham usw. eben die ganze Palette, alle schön einzeln – wer eben grade „anklopft“. So fing es mit meiner Migräne an – austherapiert! – nach langen Irrwegen galt es neue Ansätze zu finden.
    In so vielen Bereichen erfahre ich immer wieder: loslassen geht über den Weg der Annahme, Akzeptanz dessen was ist u. somit löse ich immer wieder schlimme „Knoten“ auf. Dankbarkeit u. Gottvertrauen sind f. mich wichtiger Bestandteil. Von Herzen Dank für deine hilfreichen Beiträge – ein großes Geschenk!!! Liebe Grüße Lilo

    • Ganz lieben Dank, Lilo, für Deine Zeilen und weiterhin viele wundervolle Kaffeekränzchen 🙂

      Alles Gute,
      Tania

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